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Nach seiner Verletzung längst nicht der Alte: Luca Toni © getty

In Italiens Sturm war der Bayern-Star lange unangreifbar. Nach seiner Auswechslung gegen Zypern beginnen neue Zeiten.

Von Mathias Frohnapfel

München - "Unauswechselbar!". Diese Etikette hat seit der WM 2006 unsichtbar am Trikot von Luca Toni gehaftet. Er war das Tor-Monster der "Squadra Azzurra" mit Einsatzgarantie. Das ist Vergangenheit.

Kühl hat ihn Trainer Marcello Lippi beim mühsam erkämpften 2:1-Sieg über Zypern ausgetauscht. Zur Halbzeit. Es kam dem Sturz eines Denkmals gleich, denn zu diesem Zeitpunkt zitterte Italien beim Stand von 1:1 vor der Blamage.

Toni: Hölzern statt glamourös

Dass Toni die Wende im WM-Qualifikationsspiel bringen würde, schien Lippi so unsicher wie eine Regenperiode auf Zypern. Zu hölzern wirkte das Mühen des 31-Jährigen. Der Angreifer des FC Bayern, der sich in der Saisonvorbereitung mit Blessuren plagte, verlor einige Bälle und sah nach einem Frustfoul "Gelb". Gelungene Dribblings - niente.

Dabei hatte der Frauenschwarm vorher angekündigt, wieder der Alte zu sein. Derjenige, der so leicht Tore schießt wie seine Landsleute ihre Tischdamen unterhalten.

Di Natale als Last-Minute-Held

Und derjenige, dessen Torjubel mit Ohrenschrauber fast automatisch zur "Sportschau" gehörte. Das Bundesliga-Tor gegen Hertha, meinte Toni, sei eine "Befreiung" gewesen und seine torlose EM weit weg.

Stattdessen rettete Antonio di Natale vom Provinz-Klub Udine den Sieg der Italiener in der Nachspielzeit (92.). Di Natale hatte auch das 1:0 erzielt, das die Zyprioten durch Aloneftis ausglichen.

Weltmeister-Trainer Lippi kommentierte nach dem ersten Pflichtspiel-Sieg seiner zweiten Amtszeit: "Wir haben mit etwas Glück gewonnen und hier mehr mitgenommen als wir verdient haben."

Lippi: Toni hat ein Fitnessproblem

Zur tristen Toni-Leistung sagte er: "Er hat in der Meisterschaft erst eine Partie gespielt. Er hat nur ein Konditionsproblem, aber er wird weiterhin seine Tore machen. Luca ist sehr wichtig für uns."

Ob das wirklich so ist, bleibt abzuwarten. Unter Vorgänger Roberto Donadoni durfte Toni spielen. Gelegentliche Luftlöcher, Lauffaulheit und Frustfouls hin oder her.

Coach will Ligastart vorziehen

Lippi mäkelte auch an der eigenen Liga. "Im August spielen die Nationalmannschaften, und auch Champions-League-Matches sind vorgesehen. Daher müsste man den Meisterschaftsbeginn in Italien vorziehen."

Die Serie A hatte am 30. August begonnen. Lippi schlägt vor, zwei Meisterschaftsspieltage im August auszutragen. Auch andere Nationalspieler hätten konditionelle Defizite.

Gattuso an der Hand operiert

Die "Azzurri" müssen am Mittwoch im nächsten WM-Qualifikationsspiel gegen Georgien auf Gennaro Gattuso verzichten. Der 30 Jahre alte Mittelfeldspieler vom AC Mailand zog sich im Training eine Verletzung am linken Handgelenk zu und musste operiert werden.

Dem viermaligen Weltmeister fehlen auch die Verteidiger Alessandro Gamberini (Schulterverletzung) und Fabio Grosso (Rippenbruch). Beide hatten sich zu Beginn der Partie auf Zypern verletzt.

Das Match könnte der nächste große Auftritt von Antonio Di Natale werden. Vor eigenem Publikum in Udine will er wieder wirbeln - wenn ihn der Trainer lässt. "Lippi entscheidet, aber klar ist, dass es vor meinen Fans eine ganz besondere Partie ist", sagte der dem "Corriere dello Sport".

Im Team wird durchgewechselt

Lippi hat mittlerweile die Fast-Blamage gegen den 64. der Weltrangliste geschluckt, aber noch nicht verarbeitet. Einige Zypern-Fahrern dürften vom Spielfeld auf die Bank wechseln. "Ich werde viel ändern."

Die Wechsel, versichert Lippi glaubhaft, seien schon vorher geplant gewesen. Womöglich trifft es auch Luca Toni.

Der wendige Alberto Gilardino (AC Florenz) genauso wie Di Natale haben derzeit die besseren Argumente, sollte Lippi nur mit zwei Angreifern beginnen.

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