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Philip Lahm (r.) und Miroslav Klose ärgern sich über einen Gegentreffer © getty

Der Stürmer gibt sich nach seinen drei Treffern in Finnland ganz bescheiden, während Löw für sein Team lobende Worte findet.

Aus Helsinki berichtet Martin van de Flierdt

Helsinki - Sechs Punkte hatte die deutsche Nationalmannschaft in den ersten beiden WM-Qualifikationsspielen in Liechtenstein (6:0) und Finnland (3:3) angepeilt, um dem vermeintlich stärksten Gruppengegner Russland am 11. Oktober mit breiter Brust gegenübertreten zu können.

Dieses Ziel hat die DFB-Auswahl verpasst, dennoch fand Joachim Löw nach der Achterbahnfahrt von Helsinki in erster Linie lobende Worte für die Leistung seiner Mannschaft.

"Wir haben toll nach vorne gespielt und nach dreimaligem Rückstand eine gute Moral bewiesen", resümierte der Bundestrainer: "Wir können mit dem Punkt zufrieden sein. Wir sind nicht überschwänglich, aber zufrieden."

Physis als finnischer Vorteil

Das galt nicht für alle Mitglieder des deutschen Trosses. "Das Ergebnis passt nicht", meinte etwa Thomas Hitzlsperger gegenüber Sport1.de.

"Physisch waren die Finnen sehr stark und haben uns Probleme bereitet. Aber Rein fußballerisch waren wir klar die bessere Mannschaft. Die Finnen hatten nur wenige Chancen. Dass sie die alle reingemacht haben, ist ärgerlich."

Bei den Treffern von Jonatan Johansson (33.), Mika Väyrynen (43.) und Daniel Sjölund (53.) gab die deutsche Hintermannschaft allerdings auch nicht die beste Figur ab.

Westermann selbstkritisch

"Beim ersten Gegentor verschätze ich mich und komme an den Ball nicht ran", räumte Innenverteidiger Heiko Westermann ein: "Der Ball verspringt ein bisschen und rutscht Philipp Lahm daher durch die Beine."

Der Münchner selbst wollte die Platzverhältnisse gar nicht als Entschuldigung anführen: "Den Ball muss ich klären", sagte er im Gespräch mit Sport1.de.

Beim Tor von Väyrynen "tritt ein Finne neben den Ball, der andere hält den Fuß hin und ich komme nicht mehr ran", schilderte Westermann: "Auch das sah blöd aus."

Zwei Finnen allein im Fünfmeterraum

Der dritte Gegentreffer, bei dem Sami Hyypiä und Sjölund nach einer kurzen Eckballvariante völlig frei vor Torwart Robert Enke auftauchten, sei "einfach ganz schwer zu verteidigen gewesen".

In der Innenverteidigung habe es "ein paar Abstimmungsprobleme" gegeben, gab Löw zu. "Da sind sicherlich auch ein paar Fehler passiert, gerade bei langen Bällen. Aber man kann nicht erwarten, dass bei jungen Spielern auf hohem internationalen Niveau immer alles perfekt läuft."

Nahezu ideal verlief der Abend im Olympiastadion von Helsinki für den im Vorfeld heftig kritisierten Miroslav Klose. Mit seinen in bester Torjägermanier erzielten Treffern (38./45./83.) "hat er uns den Punkt gerettet", wie Hitzlsperger befand.

Kloses Verzicht auf die Retourkutsche

"Miro hat bestätigt, dass er zu Recht in der Anfangsformation stand", urteilte Lahm. Er habe keine Zweifel an seinem Kapitän gehabt und ihn nicht kritisiert, "weil ich wusste, dass er enorme Fähigkeiten hat", meinte Bundestrainer Löw: "Die drei Tore sprechen für ihn."

Klose selbst verkniff sich einen verbalen Konter seiner Kritiker. "Für mich war es keine Befreiung", sagte der Münchner, der mit seinen Länderspieltreffern 42 bis 44 Uwe Seeler vom sechsten Platz der ewigen DFB-Torjägerliste verdrängte: "Wer mich kennt, der weiß, dass sich so etwas drin habe. Ab und zu kann ich das zeigen."

Im weiteren Verlauf der WM-Qualifikation wäre es wichtig für das deutsche Team, sich darauf verlassen zu können. Denn der Abend von Helsinki bestätigte die Ahnung, dass die Reise nach Südafrika 2010 für die DFB-Auswahl alles andere als eine Selbstverständlichkeit wird.

"In unserer Gruppe gibt es eben nicht nur die Russen und die Deutschen, die um Platz eins kämpfen", mahnte der Bundestrainer. "Auch die Finnen sind stark und werden ein gewichtiges Wort in der Qualifikation mitsprechen."

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