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Ottmar Hitzfeld (r.) bereits einen schweren Stand auf der Schweizer Bank © imago

Doppelter Fehlstart in die WM-Qualifikation: Vogts droht in Aserbaidschan das Aus, auf Hitzfeld prasselt kübelweise Häme ein.

München - Entsetzen bei Ottmar Hitzfeld und Wutausbrüche gegen Berti Vogts - die beiden Trainer haben mit der Schweiz und Aserbaidschan einen klassischen Fehlstart in die WM-Qualifikation hingelegt.

Dabei können die Eidgenossen das Ziel Südafrika 2010 fast schon abschreiben.

Die Mannschaft von Trainer Ottmar Hitzfeld musste in Zürich gegen Fußball-Zwerg Luxemburg eine sensationelle 1:2-Heimniederlage hinnehmen.

"Bis auf die Knochen blamiert"

"Wir haben uns bis auf die Knochen blamiert. Fußball kann manchmal grausam sein", erklärte Hitzfeld völlig desillusioniert und sichtlich mitgenommen.

Angesichts dieses Fehlstartes, so der ehemalige Bayern-Coach weiter, müsse man intensiv über personelle Konsequenzen nachdenken:

"Wir werden eine knallharte Analyse machen, wer der Belastung gewachsen ist."

Kapitän Alexander Frei war ebenfalls am Boden zerstört. "Es war die bitterste Niederlage in meiner Karriere", klagte der Dortmunder, der sich schwer tat, nach diesem Debakel noch positiv in die Zukunft zu blicken:

"Normalerweise braucht man für eine derart lange Qualifikationserie zwei Joker. Die haben wir jetzt schon aufgebraucht."

Hitzfeld konsterniert

Selbst Hitzfeld, der in seiner langen Karriere so manchen Rückschlag verkraften musste, traf diese Niederlage, vier Tage nach dem ernüchternden 2:2 gegen Israel (nach einer 2:0-Führung), wie ein Keulenschlag.

"Wir haben uns in der Offensive sehr schwer getan. Aber ich hatte dennoch nie das Gefühl, dass wir noch ein Tor bekommmen", meinte der ehemalige Meistercoach von Bayern München und Borussia Dortmund.

Journalisten übertrumpfen sich in Häme

Auf die Frage eines luxemburgischen Journalisten, wie es möglich sei, dass eine Mannschaft, die vorwiegend aus Fußballern zusammengesetzt ist, die bei guten europäischen Klubs unter Vertrag stehen, gegen Amateure aus dem Großherzogtum verlieren könne, antwortete Hitzfeld lakonisch:

"Es gibt keine Erklärung." Zur Pause sei er von einer Wende überzeugt gewesen: "Ich dachte, jetzt geht ein Ruck durch die Mannschaft."

Doch das Gegenteil war der Fall. Das Tor zum 1:2 nannte Hitzfeld "einen Schock".

Mit ernüchternden Fakten unterstrich die "Neue Luzerner Zeitung" die Schmach von Zürich.

Luxemburg sei die Nummer 152 in der Weltrangliste des Weltverbandes FIFA, knapp vor den Solomon-Inseln, Malediven und den Seychellen sowie ein Land mit etwas mehr als 100 Vereinen und etwa 30.000 aktiven Fußballern.

Die Schadenfreude der Luxemburger drückte sich in der Schlagzeile der Zeitung "Das Wort" aus: "Luxemburg stürzt die Schweiz in eine tiefe Depression."

Endspiel gegen Lettland

Etwa einen Monat hat Hitzfeld Zeit, die Depression und den unrühmlichen Auftritt seiner Mannschaft zu verarbeiten und zu analysieren.

Schon in etwa einem Monat (11. Oktober) kommt Lettland zum nächsten Gruppenspiel, für die Schweiz ist es bereits ein Endspiel.

Seit Mittwochabend ist man sich jedoch im Alpenland einig: Mit der "Nati" kann es nur noch bergauf gehen.

Kein Tor gegen Liechtenstein

Noch trister gestaltet sich die Lage für Berti Vogts in Aserbaidschan.

Die Funktionäre des Verbandes hatten nach der Verpflichtung des früheren DFB-Trainers vom WM-Ticket gefaselt, doch die Nationalmannschaft wirkte beim torlosen Unentschieden in Baku gegen Liechtenstein total überfordert.

Ob der ehemalige deutsche Bundestrainer Berti Vogts in der einstigen Sowjetrepublik noch eine Zukunft hat, erscheint mehr als fraglich.

Medien schießen sich auf Vogts ein

"Geh' nach Hause! Und zwar so schnell wie möglich", forderte in deutscher Sprache die Internetzeitung "Azerisport".

Vogts selbst gab sich hingegen gelassen: "Mich interessiert nur die Meinung des aserbaidschanischen Volkes. Stört uns nicht und gebt uns lieber Zeit, damit die Jungs professioneller werden", sagte Vogts zu den Journalisten nach dem Remis, mit dem Liechtenstein nach dem 0:6 gegen Deutschland am Samstag den ersten Punkt verbuchte.

"Wir hatten eine Vielzahl an Chancen, haben aber nicht getroffen. Uns fehlt einfach die Sieger-Mentalität", kommentierte Vogts das Unentschieden."

Der 61-Jährige hatte sich zuletzt wiederholt über die Medien in Aserbaidschan beklagt. Diese hatten eine hohe Erwartungshaltung in der Kaukasus-Republik geschürt und sogar das WM-Ticket von der Vogts-Truppe verlangt.

Zwei Spiele, kein Tor

Am vergangenen Samstag hatte seine Mannschaft in Wales unglücklich 0:1 verloren.

Für das Spiel gegen Liechtenstein war von Verbandsseite allerdings ein Sieg gefordert worden.

"Wenn wir einen solchen Gegner nicht schlagen, wen denn dann?", hatte Generalsekretär Elchan Mamedow gefragt.

Das erste Gruppenspiel gegen Deutschland steht für Aserbaidschan erst am 12. August 2009 an.

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