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Hat gegen Kroatien erst sein viertes A-Länderspiel bestritten: Theo Walcott (l.) © imago

Er kam, sah und siegte: Praktisch im Alleingang schießt Theo Walcott Kroatien ab. Die englischen Medien stimmen Lobeshymnen an.

Zagreb - Die Schmach der verpassten EM ist getilgt, die dunkle Ära McClaren vergessen:

Nach dem 4:1-Triumph in Kroatien, der "großartigsten Nacht" seit dem 5:1 in München gegen Deutschland ("The Times"), liegt das Fußball-Mutterland Teammanager Fabio Capello und Dreierpack-Schütze Theo Walcott zu Füßen.

Das Boulevardblatt "Sun" schrieb vom "wunderbaren England", das "glorreiche Rache" für die Pleiten in der EM-Qualifikation gegen Kroatien nahm.

Die "Times" meinte, "die Schmusekatzen haben endlich ihre Löwenherzen gezeigt".

Und der "Daily Telegraph" sah den "besten Fußball, seit wir 2001 Deutschland verprügelt haben", und schloss: "Die Ära David Beckham ist vorüber, die Walcott-Ära hat begonnen."

Walcott trifft dreifach

Der erst 19 Jahre alte Offensivspieler des FC Arsenal fügte den Kroaten mit drei Toren (26./59./82.) die erste Heim-Niederlage im 36. Quali-Spiel fast im Alleingang zu - mit kaputtem Schuh.

In der ersten Hälfte hatte sich ein Stollen an seinem rechten Schuh gelöst.

"Der Schuh war hinüber. Aber ich wollte nicht wechseln. Das dritte Tor habe ich deshalb mit links gemacht", sagte Walcott.

Lob von allen Seiten

Die Presse lobte "Hero Theo" als "Wunderkind" ("Sun") und sah sich an den jungen Michael Owen erinnert, dem beim 5:1 in München als letztem Engländer ein Dreierpack gelungen war.

"Er kann weltklasse werden", meinte Capello.

Kroatiens Trainer Slaven Bilic schwärmte: "Er ist blitzschnell und kaum zu decken."

Und Stürmer Wayne Rooney, der erstmals seit einem Jahr wieder traf (63.), stimmte ein: "Er ist brillant und wohl der schnellste Spieler, den ich je gesehen habe."

Youngster verdrängt Beckham

Walcott selbst gab das Lob an das "tolle Team" und an Beckham weiter.

"Er hat mich toll unterstützt und mir in der Pause geraten, gieriger zu sein. Nach dem Spiel sagte er, ich sei ein bisschen zu gierig gewesen", sagte Walcott schelmisch grinsend.

Denn spätestens, als Beckham kurz vor Spielende für Walcott eingewechselt wurde, war klar, dass das Idol seinen Platz auf der rechten Angriffsseite an den Youngster verloren hatte.

Eine Einheit geformt

Capello erntete für seinen Mut, mit Walcott statt Beckham zu stürmen, viel Lob.

"Er kann England aus der Dunkelheit zum nächsten Weltmeistertitel führen", schrieb die "Daily Mail".

Tatsächlich ist es dem Italiener gelungen, aus guten Einzelspielern eine Mannschaft zu machen und dieser endlich auch eine vernünftige Taktik mitzugeben.

"Es war erst das zweite Spiel. Ein gutes Ergebnis, aber nicht mehr", meinte Capello und versuchte, die Euphorie zu bremsen.

Platzverweis entscheidet Spiel

Ernüchterung herrschte bei Kroatien.

Nach dem Ellbogencheck von Robert Kovac gegen Joe Cole, der den Platzverweis für den Dortmunder zur Folge hatte (51.), fielen die Feurigen auseinander.

Das Tor von Mario Mandzukic kam zu spät (78.).

"Don Fabio hat unseren Jüngelchen gezeigt, dass sie noch etwas Erziehung brauchen", urteilte das Blatt "Vecernji List".

Trainer Bilic gab sich kämpferisch: "Wir sind sehr enttäuscht, aber ich glaube an mein Team. Wir werden zurückkommen."

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