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Joachim Löw übernahm 2006 den Bundestrainer-Job von Jürgen Klinsmann © getty

Der Bus-Anschlag in Südafrika hat die Sicherheitsdebatte wiederaufflammen lassen. Beim DFB wird trotzdem zur Ruhe gemahnt.

Köln - Der Anschlag auf einen Bus vor knapp einer Woche hat die Diskussionen um die Sicherheit in Südafrika neu entfacht, dennoch sieht DFB-Schatzmeister Horst R. Schmidt das Gastgeberland für die erste WM auf dem afrikanischen Kontinent gerüstet.

"Das Sicherheits-Problem wird in einer vorbildlichen Weise angepackt. Die Sicherheitsorgane nehmen das Thema so ernst, wie man es erwarten kann. Ich sehe kein Risiko", sagte Schmidt.

Als Berater des südafrikanischen WM-Organisationskomitees konnte er sich in den vergangenen zwei Jahren ein gutes Bild von der Lage am Kap der guten Hoffnung machen.

Nichtsdestotrotz herrscht weiter Verunsicherung bei den Fans 11568(DIASHOW: Die Stadien in Südafrika).

"Eine Schwelle ist überschritten worden"

Rund 400.000 Fußball-Anhänger werden im kommenden Jahr in Südafrika erwartet. Und der jüngste Anschlag auf einen Bus aus Südafrikas neuem Personennahverkehrssystem BRT hat einmal mehr gezeigt, dass auch neun Monate vor WM-Beginn die Sicherheitslage unberechenbar bleibt.

"Mit den Schüssen auf die Busse ist eine Schwelle überschritten worden. Das ist richtig. Aber das war eine absolute Ausnahme, schließlich gab es beim Confed-Cup in den zwei Wochen kein einziges nennenwertes Sicherheitsvorkommnis oder Schadensereignis", sagte der deutsche Südafrika-Botschafter, Dieter Haller.

Haller versuchte am Freitag auf einer Pressekonferenz des DFB in Köln zu vermitteln, dass Südafrika seit Jahren von einer Vielzahl von deutschen Touristen besucht wird, ohne dass es dabei zu nennenswerten Zwischenfällen gekommen sei.

Obacht vor den Townships

"Natürlich gibt es Gegenden wie die Townships, wo man sich in der Dunkelheit nicht unbedingt alleine bewegen sollte", so Haller.

Vor allem an den Wochenenden, "nachdem die Arbeiter Freitags ihren Lohn erhalten und Alkohol konsumiert haben", komme es dort zu kriminellen Vorfällen.

"Aber ich erinnere mich auch noch genau, dass vor der WM 2006 in Deutschland Warnungen an afrikanische Fans rausgegeben wurden, bestimmte Städte oder Bundesländer nicht zu besuchen", fügte Haller hinzu.

Furcht vor Lagerkoller

Von dem Vergleich mag man halten, was man will, Joachim Löw jedenfalls ist sich der Problematik bewusst.

Der Bundestrainer fürchtet wegen der drohenden Kriminalität bei der WM 2010 sogar einen Lagerkoller und will die Nationalspieler im Falle einer gelungenen Qualifikation mit einem speziellen Rahmenprogramm bei Laune halten.

"Wir müssen uns Angebote einfallen lassen, wie wir das relativ abwechslungsreich gestalten können, ohne dass zu viel Langeweile aufkommt", sagte Löw.

Reden ins Gewissen

Die Spieler müssen laut Löw vor allem ihre "Eigeninteressen" in den Hintergrund stellen.

Deshalb wollen Löw und DFB-Teammanager Oliver Bierhoff den WM-Kandidaten noch einmal ins Gewissen reden.

"Man muss die Spieler zum gegebenen Zeitpunkt so vorbereiten, dass man sich auch geistig auf diese Themen einstellt. Was kommt auf uns zu? Wie können wir unsere Freizeit gestalten? Das müssen wir den Spielern klar aufzeigen", sagte der 49-Jährige.

"Einfach mal rausgehen wird es nicht geben"

Um die Sicherheit am Kap der guten Hoffnung zu gewährleisten, wird der DFB bis zu 20 zusätzliche Sicherheitskräfte mit nach Südafrika nehmen.

Zudem sollen lokale Bodyguards eingesetzt werden. Ein entsprechendes Konzept entwickelt derzeit DFB-Sicherheitschef Helmut Spahn. Trotzdem müssen sich die Nationalspieler auf massive Einschränkungen einstellen.

"Sich frei zu bewegen, das wird bei der WM 2010 stark eingeschränkt sein. Es ist nicht vergleichbar mit der WM 2006. In Berlin, wo wir ja größtenteils wohnten, konnten die Spieler einfach mal raus, mit ihren Familien zum Essen oder in die Stadt gehen. Das wird es in Südafrika so nicht geben", sagte Löw.

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