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Raymond Domenech (l.) ist seit 2004 Trainer der französischen Nationalmannschaft © getty

Lediglich eine "konstruktive Diskussion" habe es zwischen dem französischen Stürmer und seinem Trainer gegeben - "wie immer".

Paris - Der französische Nationalstürmer Thierry Henry hat die durch eine Zeitung veröffentliche vermeintliche scharfe Kritik an Nationaltrainer Raymond Domenech vor versammelter Mannschaft dementiert.

"Es ist nichts am Freitagabend passiert. Es war eine konstruktive Diskussion zwischen den Spielern und dem Trainer - wie immer. Ich habe nie die Qualitäten des Trainers infrage gestellt. Es hat nie einen Streit zwischen uns gegeben", sagte der Kapitän dem TV-Sender "TF1" am Montagabend.

Das las sich in der Zeitung "Le Parisien" allerdings ganz anders.

Am Abend vor dem enttäuschenden 1:1 gegen Rumänien, durch das die direkte WM-Qualifikation in Gruppe 7 stark gefährdet ist, soll Henry den Coach quasi bloßgestellt haben.

Langeweile im Training

"Trainer, wir müssen Ihnen etwas sagen. Ich spreche im Namen der Mannschaft. Wir langweilen uns während der Trainingseinheiten. In zwölf Jahren im Nationalteam habe ich so eine Situation noch nicht erlebt", wurde der Stürmerstar des Champions-League-Siegers FC Barcelona zitiert.

Demnach soll der 112-malige Nationalspieler, dessen Wort innerhalb der Mannschaft enormes Gewicht hat, Domenech vor allem fehlende Taktik vorgeworfen haben: "Wir wissen nicht, wie wir spielen sollen, wo wir auf dem Platz stehen müssen, wie wir uns organisieren müssen. Wir haben keinen Spielstil, keine Richtung. So funktioniert es nicht."

Angeblich platzte Henry der Kragen, nachdem Domenech im Vorbereitungscamp den Trainingseinsatz der Spieler kritisiert hatte.

Freibrief für Domenech

Die daraufhin entstandene angespannte Stille durchbrach Henry mit seinem mit ruhiger Stimme vorgetragenen Monolog, will "Le Parisien" von Beteiligten erfahren haben.

Domenech soll auf die scharfe Kritik geschockt reagiert haben. Der nationale Verband wollte sich zu den Enthüllungen zunächst nicht äußern.

Zuvor hatte jedoch Verbandspräsident Jean-Pierre Escalettes dem Trainer einen Freibrief ausgestellt, selbst wenn die Equipe Tricolore am Mittwoch in Belgrad (ab 21 Uhr LIVE) das direkte WM-Ticket endgültig verpassen sollte.

Frankreich, das um den Einsatz des an der Wade verletzten Bayern-Stars Franck Ribery bangt, liegt bei noch drei auszutragenden Spieltagen in der Gruppe 7 vier Punkte hinter Serbien zurück.

Bruch mit der Mannschaft?

"Ich wiederhole: ja, ja, ja. Ich muss es wohl dreimal sagen. Es ist seine Aufgabe, uns für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Und ich werde es auch wiederholen, wenn wir in die Playoffs müssen. Auch dann ist es noch der Job von Raymond Domenech", sagte Escalettes.

Doch für die Medien ist das Kind schon in den Brunnen gefallen.

"Der Bruch zwischen Domenech und der Mannschaft ist perfekt", schrieb "Le Parisien" und meinte weiter: "Das, was jeder sieht, denkt und schreibt, hat Henry intern angesprochen."

Die Zeitung kommt zu der Erkenntnis, die sich seit dem blamablen Vorrunden-Aus bei der EM hartnäckig in der Öffentlichkeit hält: "Raymond Domenech kann das Team nicht führen."

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