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Berti Vogts und Aserbaidschan sind in der WM- Qualifikation bislang sieglos © imago

Nach dem Deutschland-Spiel muss sich Berti Vogts entscheiden, wie es in Aserbaidschan weitergeht. Die Zeichen stehen auf Abschied.

Hannover - Noch einmal reist Berti Vogts in die Vergangenheit, dann ist die Mission Aserbaidschan wohl auch fast schon zu wieder zu Ende.

Vieles deutet vor dem WM-Qualifikationsspiel in Deutschland am Mittwoch (ab 20.15 Uhr LIVE) darauf hin, dass der frühere Bundestrainer nach dem Ende der WM-Qualifikation im Oktober und nur anderthalb Jahren wieder seine Zelte in der Kaukasus-Republik abbricht.

Vor einigen Wochen holte den "Terrier" die Vergangenheit ein, als eine aserbaidschanische Zeitung wie einst eine deutsche eine Rücktrittsforderung druckte.

Die zu hohen Erwartungen der Fußballfans und auch der gnadenlos übertreibenden Medien in Aserbaidschan konnte der ehemalige DFB-Coach bislang nämlich nicht erfüllen. (WM-Qualifikation Europa: Gruppe 4)

"Wir sind doch keine Gewichtheber

"Für uns als Trainer ist viel erreicht worden. Für die Medien nicht. Medien berichten über eine Sportart, die sie nicht kennen. Wir sind doch keine Ringer und keine Gewichtheber."

Vogts weiter: "Wir sind Fußballer. Hier muss man den Anschluss erst einmal finden an die europäische Mittelklasse", sagte Vogts. Mittelfristig sieht Vogts dabei die ehemalige Sowjetrepublik aber auf einem guten Weg.

"Insbesondere im Nachwuchsbereich sind wir für die nächsten fünf bis sechs Jahre gut aufgestellt. Noch aber fehlt es an internationaler Schnelligkeit und es werden von den jungen Spielern zuviele Fehler gemacht", erklärte Vogts.

Im Moment keine Vertragsverlängerung

Verbandspräsident Rownag Abdullajew gab zu Protokoll, die Nationalmannschaft habe unter Vogts einen Riesenschritt nach vorne gemacht.

Die knappen Niederlagen in der WM-Quali halfen dem ehemaligen schottischen Nationaltrainer in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch nicht.

Eine Vertragsverlängerung will Vogts zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht kategorisch ausschließen: "Vorstellen kann ich mir alles. Aber sicherlich muss man dann frühzeitig abklären, inwieweit der Verband in der Lage ist, meinen Vorstellungen zu folgen."

Spieler sollen Deutschland genießen

Der Vertrag läuft Ende des Jahres aus. "Ich kann jetzt Gespräche mit Vereinen führen", sagte der ehemalige Bundestrainer der "Neuen Presse" in Hannover:

"Im Moment bereiten wir uns auf ein sehr schweres Spiel gegen Deutschland vor. Wir wollen am Mittwoch die Deutschen ein bisschen ärgern. Wie lange uns das gelingt, weiß ich nicht."

Dennoch hält Vogts seine Spieler vor dem Duell mit dem DFB-Team an der langen Leine. "Die Spieler freuen sich einfach auf Deutschland. Viele sind zum ersten Mal hier. Sie kriegen Dienstag frei, können sich die Stadt ansehen und shoppen gehen", meinte der 62-Jährige und fügte scherzhaft hinzu:

"Darauf freuen sie sich glaube ich mehr als auf das Fußballspiel."

Noch ohne Sieg in der Qualifikation

In der WM-Quali hielt der Außenseiter bisher stets tapfer mit, zu Buche stehen bisher aber nur ein Punkt und ein Tor. Dass sich das am Mittwoch ändert, glaubt selbst Vogts nicht.

"Wir wollen uns so teuer wie möglich verkaufen. Aber Deutschland ist eine Weltklassemannschaft", sagte der 62-Jährige kurz nach der Ankunft in Hannover, wo er mit seiner Mannschaft am Mittwoch innerhalb von vier Wochen zum zweiten Mal auf sein ehemaliges Team trifft.

"Wir wollen nicht zu hoch verlieren"

Im Hinspiel hatte der Außenseiter beim 0:2 in Baku zwar viele gute Ansätze gezeigt, am Ende setzte sich der Gast aber dank der Treffer von Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose standesgemäß durch.

Vogts' Optimismus vor dem erneuten Duell mit seinem früheren Arbeitgeber, der in der FIFA-Weltrangliste als Vierter 135 Plätze vor Aserbaidschan liegt, hält sich aber in Grenzen: "Wir wollen nicht zu hoch verlieren", sagte er bescheiden.

Dass am Mittwoch in Mario Gomez möglicherweise ein Topstürmer ausfällt, kann den Realitätssinn bei Vogts nicht trüben: "Wenn Gomez ausfällt, kommen halt Klose oder Podolski. Wenn ich nur einen Stürmer solchen Kalibers hätte, stünden bei uns zehn Tore mehr auf dem Konto."

Vogts: Schiedsrichter Schuld an Niederlage

Besonders geärgert hat ihn die 1:2-Niederlande am Samstag gegen Finnland. (DATENCENTER: Alles zur WM-Quali in Europa).

"Da gibt das zypriotische Schiedsrichter-Gespann ein Tor von Pasanen kurz vor Schluss, was überhaupt keines war. Deshalb stehen wir wieder mit leeren Hände da", sagte er der "Bild".

589 torlose Minuten

Gegen die Finnen konnte sich Vogts immerhin über den ersten Treffer seiner Mannschaft nach 589 Minuten freuen. Elwin Mammadow hatte die Hausherren mit dem 1:0 kurz nach der Pause für eine bis dahin starke Leistung belohnt.

Doch die Finnen schlugen in der Schlussphase durch Markus Heikkinen und den Bremer Bundesliga-Profi Petri Pasanen eiskalt zu und hielten so ihre WM-Chance aufrecht.

Russland soll geschlagen werden

"Bei uns reichte die Kraft am Ende nicht. Der Ausgleich war psychologisch ein Schlag, von dem sich meine Spieler nicht mehr erholt haben", sagte Vogts. "Die Mannschaft hat aber gezeigt, dass sie mit einem solchen Gegner mithalten kann."

So wahrt er die Hoffnung, wie versprochen am 14. Oktober beim Gruppenfinale zu Hause Deutschlands schärfsten Rivalen Russland zu schlagen.

Dadurch könnte der Coach des deutschen Europameisterteams von 1996 zumindest in seiner Heimat mit Verspätung noch die nötige Wertschätzung erfahren.

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