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Überschwängliche Freude über die "Three Lions": Britsche Fans feiern © getty

Nach dem starken Auftritt gegen Kroatien scheint die Euphorie auf der Insel grenzenlos. Auch Capellos WM-Prämie steht fest.

London - Die Schmach von Wembley ist getilgt, der "Trottel mit dem Regenschirm" vergessen, der Stolz des Fußball-Mutterlandes wieder hergestellt:

Nach der 5:1 (2:0)-Gala gegen Angstgegner Kroatien und der Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika träumt England vom zweiten Titel nach 1966.

"Wir sind eines der besten Teams der Welt und können jeden schlagen. Wenn alle fit bleiben und wir mit dieser Hingabe spielen, sind wir ein heißer Anwärter auf die Krone", sagte Teammanager Fabio Capello - und traf damit den Nerv der Engländer.

"Ooh-aah Africa! Nun können wir das Ding gewinnen", titelte das Boulevardblatt "The Sun".

Und der Daily Star drohte schon: "Nimm Dich in Acht, Welt!"

"Die Unbesiegbaren von Capello"

Selbst die altehrwürdige "Times" vergaß ihre vornehme Zurückhaltung:

"Die Unbesiegbaren von Capello sind nicht zu stoppen. Ein Auftritt voller Klasse, der überall im Land die Hoffnung weckt, dass diese Mannschaft nun auch in Südafrika triumphieren kann."

Der "Guardian" wiederum berichtete begeistert von der "Wiedergeburt" nach dem Trauma der wegen des 2:3 gegen Kroatien in Wembley verpassten EURO 2008, und geriet ins Schwärmen:

Vergleich mit DFB-Team

Die Mannschaft um Kapitän John Terry vom FC Chelsea habe dieselbe "erbarmungslose Verlässlichkeit" gezeigt, für die "deutsche Mannschaften so oft gerühmt worden sind".

Auch die kritischen Experten stimmten in die Jubelstürme ein.

"Die beste Mannschaft seit 1970"

Harry Redknapp, Teammanager von Tottenham Hotspur, meinte etwa: "Das ist die beste Mannschaft seit 1970. Es gibt keinen Grund, warum sie nicht Weltmeister werden sollte."

Frank Lampard (7., Elfmeter/59.), Steven Gerrard (17./67.) und Wayne Rooney (74.) krönten mit ihren Toren vor 90.000 begeisterten Fans eine Qualifikation der Rekorde:

Acht Siege in acht Spielen mit 31 Toren - mehr als jede andere Mannschaft in Europa, und mehr als jemals eine englische Nationalmannschaft erzielt hat.

Und das mit dem als "Defensiv-Fetischisten" verschrienen Italiener Capello auf der Bank. (DATENCENTER: WM-Qualifikation)

Nachtreten gegen McClaren

"Was für einen Unterschied doch ein guter Trainer machen kann", kommentierte der "Daily Telegraph" in Erinnerung an dessen Vorgänger Steve McClaren.

Der hatte sich nach der Pleite vor zwei Jahren noch als "Trottel" verhöhnen lassen müssen.

Stars wie Lampard, Gerrard und Terry spielten auch schon unter McClaren für England. Doch erst Capello gab den Three Lions einen Plan mit ins Spiel.

Der ging bereits beim 4:1 im Hinspiel verblüffend gut auf. Am Mittwoch aber erlebte Taktikfuchs Capello "die besten 20 Minuten" und damit den vorläufigen Höhepunkt seiner Amtszeit.

"Nun sind die Erwartungen hoch", sagte der 63-Jährige. "Aber wir müssen in Südafrika ohnehin spielen, um zu gewinnen - allein, weil wir England sind."

5,6 Millionen Euro Titel-Prämie?

Für Capello würde sich der Titel auch finanziell richtig lohnen: Laut einem "ESPN"-Bericht bekommt der Italiener im Fall des WM-Gewinns einen Bonus von 5,6 Millionen Euro.

Diese Summe hat sich der Trainerfuchs in seinen Vertrag schreiben lassen, heißt es. Der Kontrakt endet allerdings zugleich mit der WM 2010.

Die Spieler bemühten sich indes, die Gemüter zu kühlen. "Wir müssen jetzt die Ruhe bewahren", mahnte Lampard. Und Kapitän Terry sagte: "Ich hoffe, dass jetzt niemand abdreht."

Klasnic als Spucker?

Das war kurz zuvor angeblich Terrys Gegenspieler Ivan Klasnic passiert:

Der Ex-Bremer soll Terry angespuckt haben. Nun droht dem England-Legionär von den Bolton Wanderers eine Sperre.

Für die Kroaten um die Bundesliga-Profis Danijel Pranjic, Ivica Olic, Josip Simunic, Ivan Rakitic und Mladen Petric war die peinliche Randgeschichte der negative Höhepunkt einer Nacht zum Vergessen.

"In unseren schlimmsten Alpträumen haben wir solch eine Niederlage nicht erwartet", sagte Trainer Slaven Bilic, der aber auch zugeben musste:

"Man kann England nur gratulieren für ihre fantastische Leistung. Wenn man das als Grundlage nimmrt, können sie auf jeden Fall Weltmeister werden."

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