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Auf die andere Körperseite hat es jüngst Argentiniens National-Coach Diego Maradona angesehen. Zitat: "Denjenigen, die nicht an mich geglaubt haben, sage ich - die Damen mögen es mir verzeihen - ihr könnt mir alle einen blasen." Maradona explodiert auf der Pressekonferenz. "Ich danke den Fans und den Spielern, aber niemandem sonst", wettert er weiter. "Die anderen sollen weiter Schw... lutschen."
Diego Maradona ist seit 2008 Nationaltrainer Argentiniens © getty

Nach dem Absturz in der WM-Qualifikation weht Argentiniens Nationalcoach Diego Maradona ein Sturm der Kritik ins Gesicht.

Buenos Aires - Die Schonzeit für Diego Maradona ist abgelaufen.

Nach dem Sturz aus den Rängen für die direkte Qualifikation für die WM-Endrunde 2010 in Südafrika üben sich Presse und Fans in offener Kritik an ihrem Fußballgott.

Und der Gescholtene gibt selber zu: "Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass es so sein wird."

Die fußballverrückten Gauchos wohl ebenfalls nicht.

Riesen-Mehrheit will den Sturz

Die Tageszeitung "La Nacion" startete nach dem 0:1 in Paraguay gleich zwei Internet-Umfragen.

Dabei sprachen sich 85 Prozent von über 22.000 Seitennutzern für einen Rücktritt ihres Idols aus.

Und 78 Prozent von 14.400 Teilnehmern an der Meinungsumfrage glauben nicht mehr an ein WM-Ticket für den zweimaligen Weltmeister.

Maradona beschuldigt die Medien

An dem Stimmungsumschwung gibt Maradona aber allein den Medien die Schuld.

"Ihr könnt machen, was ihr wollt, schreiben, was ihr wollt, oder eine TV-Show initiieren. Aber so, wie ich euch entgegentrete, habt ihr nicht den Mumm, euch mich in den Weg zu stellen", antwortete der 48-Jährige den ihn nervenden Fragestellern.

Die schreibende Zunft am Rio de la Plata hält die Euphorie nach dem Amtsantritt im November des vergangenen Jahres und den Premierensiegen in Schottland und Frankreich spätestens seit dem historischen 1:6-Debakel in Bolivien für längst verflogen.

"La Nacion" sieht Argentinien "mit beschädigtem Motor und einem Anführer, der den Weg nicht findet" durch die Qualifikationsrunde irren.

Maradonas Kirche fällt vom Glauben ab

Selbst die Anhänger der von Fans gegründeten Maradona-Kirche fallen vom Glauben an ihren "Gott" ab.

"Maradona hat als Trainer noch nichts gezeigt", schimpfte Alejandro Veron, Gründer der Iglesia Maradoniana.

Es fehle die Erfahrung im Job. Es gibt Unverständnis für seine Abneigung gegen Taktikschulungen und Vormittagstraining.

Seine Stammformation habe er immer noch nicht gefunden, und das bei 62 getesteten Spieler in nicht einmal einem Jahr.

Messi außer Form

Aber auch die Hilflosigkeit angesichts der schwachen Auftritte von Stars, die in Europas Topligen glänzen, wirft Fragen auf.

So ist Lionel Messi in der Nationalelf Gala-Auftritte wie bei seinem Klub FC Barcelona noch schuldig.

"La Pulga", der Floh, strahlte gegen Paraguay lediglich bei einem Torschuss und einem Freistoß Gefahr aus, verlor aber gleich 15-mal den Ball.

"Wir dürfen nicht über Messi herfallen. Schließlich stehen elf Spieler auf dem Platz", verteidigte Maradona den von ihm selber bestimmten Nachfolger als Nummer 10.

Zuschauerrolle droht

Doch der Anwärter auf die diesjährige Krone als Weltfußballer ist in der Seleccion Mitläufer und bei der WM im nächsten Jahr vielleicht sogar nur Zuschauer.

Bei den ausstehenden Spielen Mitte Oktober gegen Schlusslicht Peru und in Uruguay kann Argentinien (22 Punkte) noch Ecuador (23) abfangen.

Aber auch von den "Urus", Venezuela (beide 21) oder Kolumbien (20) vom fünften Platz verdrängt werden, der die Playoffs gegen den Vierten der Concacaf-Zone bedeuten würde (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Durchhalteparolen von Maradona

Und das ist derzeit Costa Rica, dreimal in Folge Gast bei WM-Endrunden.

"Das ist die Wirklichkeit, der wir uns aussetzen müssen. Wir haben noch eine Chance, die werden wir mit aller Macht nutzen", lautet Maradonas Durchhalteparole.

Nach drei Eliminatorias-Niederlagen in Folge fehlt den Fans allein der Glaube.

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