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Diego Maradona absolvierte 91 Spiele für die argentinische Nationalelf © getty

Der argentinische Nationaltrainer ist nach Europa geflüchtet. Bis auf weiteres übernimmt ein Weltmeister-Trainer die Amtsgeschäfte.

Buenos Aires - Diego Maradona steht offenbar vor dem Aus als argentinischer Nationaltrainer.

Der frühere Weltstar ist heimlich nach Europa geflüchtet, seine Rückkehr ungewiss.

Maradona hat sich in ein Spa-Hotel in Italien zurückgezogen und will sich dort einer Diät unterziehen.

Zunächst war vermeldet worden, er wolle die in Europa tätigen Nationalspieler beobachten - davon ist nun keine Rede mehr.

"Das Chaos hat sich endgültig in der Nationalelf eingenistet", schrieb die Zeitung "Clarin".

"Du hast das Sagen"

Daher wurde Carlos Bilardo zum vorläufigen Coach des zweifachen Weltmeisters ernannt, der um die Teilnahme an der Endrunde in Südafrika bangt.

"Bis Maradona zurück ist, hast du das Sagen", sagte Argentiniens Verbandschef Julio Grondona laut Medien zu Bilardo, nachdem Maradona ein geplantes Krisentreffen hatte platzen lassen.

Bilardo, der die Albiceleste 1986 gemeinsam mit Kapitän Maradona zum zweiten Titel geführt hatte, gab sich kämpferisch.

"Die Menschen sind verärgert, nur Siege helfen uns weiter", meinte der bisherige Berater. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Den Grund für Maradonas überraschende Reise erklärte sein Arzt Alfredo Cahe: "Er will fünf Kilogramm abnehmen. Aber ihm geht es gut, viel besser, als die meisten denken."

Angeblich zur Behandlung in Meran

Ziel ist angeblich Südtirols Kurort Meran. Dort praktiziert Henri Chenot, den Maradona laut seiner Autobiografie seit 1987 regelmäßig aufsuche.

Der 48-Jährige, der vor Jahren in einer Operation eine Magenverkleinerung hatte vornehmen lassen, hatte zuletzt wieder sichtbar an Gewicht zugelegt.

Laut Cahe will Maradona zehn bis zwölf Tage in Meran bleiben, auch ein längerer Aufenthalt sei aber nicht ausgeschlossen.

Erstmals seit 1970 nicht bei einer WM?

Dabei würde er in der Heimat dringend gebraucht, denn nach den jüngsten Pleiten gegen Brasilien (1:3) und in Paraguay (0:1) droht dem Team von Superstar Lionel Messi erstmals seit 1970 das Verpassen einer WM.

Zwei Spieltag vor Ende der Qualifikation steht Argentinien nur den fünften Tabellenplatz, der zu Relegationsspielen gegen ein Team aus Nord- und Mittelamerika berechtigt.

Allerdings rangieren Kolumbien, Uruguay und Venezuela dicht dahinter. Und bereits in knapp vier Wochen kommt es zu den entscheidenden Duellen gegen Peru (10. Oktober) und Urugiay (14.10.).

Dementsprechend scheint es nicht unwahrscheinlich, dass Bilardo zur Dauerlösung wird und Maradona nicht mehr auf den Posten zurückkehrt.

Zumal Bilardo vielsagend meinte: "Wenn es zwei Trainer gibt, verwirrt das die Spieler."

Mythos stark angekratzt

Der Mythos des einstigen Fußballidols war spätestens nach dem blamablen 1:6 der Argentinier gegen Bolivien stark angekratzt.

Nach der Niederlage gegen Erzfeind Brasilien stellten sich selbst die treuesten gegen den "Goldjungen".

"Maradona hat als Trainer noch nichts gezeigt", schimpfte sogar Alejandro Veron, Gründer der Iglesia Maradoniana.

Dennoch zeigte sich Maradona trotz aller Anfeindungen zuletzt noch kämpferisch und schloss einen Rücktritt aus.

Allerdings musste selbst er zugeben: "Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass es so sein wird."

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