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2011 endet die dritte Amtszeit von Sepp Blatter als FIFA-Boss © getty

Der FIFA-Präsident sorgt bei seiner Inspektionsreise in Südafrika für Aufruhr und macht dem Gastgeberkontinent Zugeständnisse.

München - FIFA-Präsident Joseph S. Blatter plant offenbar, mindestens einen Startplatz der Europäischen Fußball-Union (UEFA) bei Weltmeisterschaften an einen anderen Kontinentalverband zu vergeben.

Das geht einem Bericht der englischen Tageszeitung "Daily Telegraph" zufolge aus einer Aussage des Schweizers am Rande seiner Inspektionsreise nach Südafrika in das Land des WM-Gastgebers 2010 hervor.

Demnach wurde Blatter gefragt, ob er einem afrikanischen Team in naher Zukunft den WM-Triumph zutraue. Der 72-Jährige antwortete, dass nicht-europäische Mannschaften wegen der geringeren Teilnehmerzahl gegenüber dem alten Kontinent benachteiligt seien.

"Wir müssen die Zahlen Schritt für Schritt verändern und (die WM) weiter öffnen", wird Blatter bezüglich seiner Pläne zitiert.

13 Starter aus Europa

2010 stellt Europa mit 13 Teilnehmern das nach wie vor größte Kontingent der insgesamt 32 Starter. Bei der WM-Endrunde 2006 waren noch 14 europäische Länder dabei, weil Deutschland als Gastgeber automatisch qualifiziert war.

Diesen Vorteil genießen in zwei Jahren die afrikanischen Teams, die neben Ausrichter Südafrika weitere fünf Mannschaften ins Rennen schicken.

Ein Halbfinalist aus Afrika

"Ich hoffe, dass wir eine afrikanische Mannschaft im Halbfinale sehen werden. Aber das Problem sind die (Teilnehmer-)Zahlen. Europa hat 13 Teams - somit ist es leichter für sie, in den Schlussrunden noch präsent zu sein", sagte Blatter laut "Daily Telegraph".

Bei der WM 2006 in Deutschland waren im Halbfinale vier Europäer (Weltmeister Italien, WM-Finalist Frankreich, der WM-Dritte Deutschland und Portugal) unter sich.

Platini gelassen

Gelassen reagierte UEFA-Präsident Michel Platini auf die Ausführungen des FIFA-Bosses.

"Blatter ist in Afrika und spricht für die Afrikaner. Ich werde warten, bis er in Europa ist und er mir das erklärt. Jedenfalls werde ich vehement die Interessen des europäischen Fußballs verteidigen", sagte Frankreichs Fußball-Ikone am Donnerstag.

FIFA relativiert

Delia Fischer relativierte die Aussagen Blatters.

"Der Präsident hat über eine mittelfristige Perspektive gesprochen. Sicher ist, dass sich der Weltfußball annähert, deshalb muss es legitim sein, über Quotenverteilungen nachzudenken", sagte die FIFA-Sprecherin: "Außerdem hat Herr Blatter Europa nie ausdrücklich genannt."

Südamerika-Quote sicher

Allerdings ist es kaum vorstellbar, dass die FIFA etwa das südamerikanische Kontingent (4,5 WM-Plätze) reduziert. Dabei liegt der Anteil der CONMEBOL-Starter (10 Teilnehmer an der WM-Qualifikation) bei 45 Prozent.

Der UEFA-Anteil beläuft sich bei 53 Mitgliedsverbänden und 13 WM-Startern bei 24,5 Prozent.

Freikarten für südafrikanische Bauarbeiter

Unterdessen hat Blatter den rund 20.000 Bauarbeitern, die in Südafrika für den Bau oder die Renovierung der WM-Stadien beschäftigt sind, je zwei Freikarten für ein WM-Spiel versprochen.

Am Ende einer viertägigen Inspektionstour zeigte sich der 72-jährige Schweizer, der vor einem Jahr noch mehr Bagger und Spitzhacken auf den Baustellen gefordert hatte, beeindruckt, von dem Fortschritt:

"Ihr setzt Stein auf Stein, damit die Stadien rechtzeitig fertig werden. Ich möchte, dass ihr Augenzeugen seid, wenn die WM 2010 Zeugnis ablegt von Eurer Arbeit und der Größe eines ganzen Kontinents."

12 Euro für günstigste Tickets

Für die südafrikanische Bevölkerung stehen rund 400.000 Tickets für 12 Euro zur Verfügung. Diese untere Kurven-Kategorie wird in Europa nicht angeboten.

Deutsche Fans müssen mit einem Preis von mindestens 30 Euro pro Ticket kalkulieren.

Meistens werden von Reiseveranstaltern Pakete geschnürt, die Flug, Unterkunft, Tourismus und Spiel beinhalten.

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