vergrößernverkleinern
Christoph Daum ist bisher noch bei Fenerbahce Istanbul unter Vertrag © getty

"Weltuntergang" für die Türkei: Der Zug zur WM nach Südafrika ist abgefahren. Wird nun ein Deutscher Fatih Terims Nachfolger?

Brüssel/Istanbul - Nach dem "Herzschmerz" und "gefühlten Weltuntergang" sollen Christoph Daum oder Guus Hiddink den türkischen Fußball wieder aufrichten.

Trainer Fatih Terim erklärte nach der verpassten WM-Teilnahme seinen Rücktritt bei den Türken, die 16 Monate zuvor Deutschland im EM-Halbfinale (2:3) noch einen großen Kampf geliefert hatten.

"Das fühlt sich an, als ob die Welt untergegangen wäre", schrieb nach dem 0:2 in Belgien die Zeitung "Star".

"Fanatik" titelte "Großer Herzschmerz!", im TV-Sportsender "LigTV" hieß es: "Unsere Hoffnungen sind verbrannt. Wir sind am Punkt Null." "Hürriyet" forderte gar, die komplette Mannschaft auszutauschen und keinen der in Brüssel eingesetzten Spieler wieder einzuladen.

Ausländischer Nachfolger gesucht

Der Verband beschloss in der Nacht zum Sonntag, einen Ausländer als Nachfolger zu verpflichten.

Dabei sollen in Kürze Gespräche mit dem russischen Nationalcoach Hiddink aufgenommen werden, dem laut Medienberichten ein Gehalt von sieben Millionen Euro geboten werden soll.

Auch Daum soll intern sehr hoch gehandelt werden, doch der frühere Kölner steht beim Tabellenführer Fenerbahce Istanbul unter Vertrag.

Angeblich plant der Verband, Daum eine Doppelfunktion als Nationaltrainer und Technischer Direktor bei Fener vorzuschlagen oder ihn erst im kommenden Sommer beginnen zu lassen.

Weitere Kandidaten sind der Rumäne Mircea Lucescu sowie die Italiener Roberto Mancini und Luciano Spaletti.

Terim von Pfiffen gekränkt

Nachdem das Scheitern durch den Sieg von Bosnien-Herzegowina (2:0 in Estland) schon zur Halbzeit des Spiels in Belgien feststand, verkündete Terim seine Entscheidung Präsident Mahmut Özgener bereits in der Pause.

"Mit mir bis hierhin und nicht weiter", sagte der 56-Jährige, den die Pfiffe der Fans persönlich kränkten: "Vor einiger Zeit haben mich die Leute noch General genannt. Aber auch wenn nur acht oder neun Fans meinen Rücktritt gefordert haben, kann ich diese Rufe nicht ignorieren."

Im politisch brisanten Spiel am Mittwoch gegen Armenien wird er das Team noch trainieren, "aber dort werde ich den Fans und den Spielern Lebewohl sagen".

Fans wütend auf Emre

Nach der Niederlage in Belgien, wo der frühere Schalker Emile Mpenza dem Ex-Gladbacher Dick Advocaat mit zwei Treffern ein gelungenes Debüt bescherte, konzentrierte sich der Zorn der Fans auf Emre.

Als der 29-Jährige, 2002 noch einer der Helden beim dritten Platz bei der WM in Südkorea und Japan, auf die Beleidigungen reagierte, rüttelten die Fans an den Fangnetzen und wollten dem Mittelfeldspieler an den Kragen.

Vor dem Hotel in Brüssel mussten Sicherheitskräfte die Spieler um die Bundesliga-Profis Nuri Sahin (Borussia Dortmund) sowie Hamit (Bayern München) und Halil Altintop (Schalke 04) vor einigen Hundert aufgebrachten Fans beschützen.

Daumendrücken für Özil

Die WM im kommenden Jahr werden die Türken vor dem Fernseher verfolgen.

Wem sie dabei die Daumen drücken, machten nicht nur türkische Fans in Deutschland, sondern auch in der gesamten Türkei am Samstag klar: der deutschen Mannschaft mit dem türkischstämmigen Mesut Özil.

Dass der Bremer sich ebenso wie der Stuttgarter Serdar Tasci für Deutschland entschied, ist einer der größten Vorwürfe gegen Terim.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel