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Diego Maradona (l.) setzt auch in Uruguay auf Lionel Messi (M.) © getty

Argentinien wäre mit einem Sieg in Uruguay bei der WM. Doch das will der kleine Nachbar verhindern. Ecuador hofft auf die letzte Chance.

München - Als Uruguay im Jahr 1825 um seine Unabhängigkeit rang, waren es Truppen aus Argentinien, die den kleinen Nachbarn im Kampf gegen die brasilianischen Besatzer unterstützten.

Die Beziehungen zwischen den Ländern am Rio de la Plata sind seitdem freundschaftlich.

Doch vor dem WM-Qualifikationsspiel zwischen Uruguay und Argentinien am Mittwoch ruht die Verbundenheit.

Das Duell um den letzten direkten südamerikanischen Platz bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr wird sogar schon als "Schlacht von Montevideo" eingeläutet.

Dabei wird freilich verkannt, dass die Schlacht am Rio de la Plata im Jahr 1939 ein Gefecht zwischen der britischen und deutschen Marine im Mündungstrichter der Flüsse Parana und Uruguay war.

Kampf mit Zähnen und Klauen

Doch die Töne vor dem entscheidenden Spiel klingen marzialisch. "Wir werden uns das Ticket mit Zähnen und Klauen holen", sagt Uruguays Kapitän Diego Lugano.

Seit mehr als 30 Jahren haben die Uruguayer im Centenario nicht mehr gegen die Starkicker aus Argentinien verloren.

"Sie oder wir", schreibt die Zeitung "La Nacion": "Das Stadion Centenario wird überkochen und die Leute werden tosen."

Maradona spielt um sein Leben

"Wir werden um unser Leben spielen", verspricht Argentiniens Nationaltrainer Diego Maradona, der mit seiner Mannschaft auswärts zuletzt viermal in Folge verloren hat und dessen Superstar Lionel Messi nach zuletzt schwachen Leistungen in der Kritik steht.

Für Maradona geht es in Montevideo ums sportliche Überleben. Denn sollte der zweimalige Weltmeister die Endrunde in Südafrika verpassen, wird er seinen Posten wohl räumen müssen.

Argentinien könnte ein Remis reichen

Argentinien (25 Punkte/Tordifferenz +2), Uruguay (24/+9) und Ecuador (23/-3) kämpfen am letzten Spieltag der Eliminatorias um Platz vier und somit die direkte WM-Teilnahme oder um Platz fünf, der den Umweg über die Playoffs gegen den CONCACAF-Vierten eröffnet. (DATENCENTER: Die WM-Qualifikation)

Während Argentinien wohl schon ein Remis reicht, um nach Brasilien, Paraguay und Chile das Südafrika-Ticket zu lösen, sind die gastgebenden "Urus" zum Siegen verdammt.

Ecuador will letzte Chance nutzen

Die Duellanten am Silberfluss müssen aber auch nach Santiago de Chile blicken, wo Ecuador mit einem klaren Sieg am Ende zum lachenden Dritten werden könnte.

"Es ist unsere letzte Chance und wir werden alles geben", kündigt Ecuadors Trainer Sixto Vizuete an.

Bielsa will Schützenhilfe geben

Die bereits für die WM qualifizierten Chilenen würden Argentinien und Uruguay mit einem Erfolg gegen Ecuador also das Leben erleichtern.

Bleibt nur die Frage, ob die "Rojas" nach der bereits zugestandenen Qualifikations-Prämie von einer Million US-Dollar zur allerletzten Anstrengung bereit sind.

Doch Chiles argentinischer Coach Marcelo Bielsa, von 1998 bis 2004 selbst Trainer der "Albiceleste", will keinesfalls zum Vaterlandsverräter werden.

"Ich wünsche inbrünstig, dass Argentinien nach Südafrika fährt", meint "El Loco" (der Verrückte) und versichert: "Für das Spiel gegen Ecuador ist die Sportlichkeit garantiert."

Uruguay steht hinter seinem Team

In Montevideo sieht Nationaltrainer Oscar Tabarez derweil das entscheidende Nachbarschaftsduell als Staatsangelegenheit. "Ich möchte, dass alle Uruguayer das Spiel gegen Argentinien spielen", sagt Tabarez.

Etwas mehr als drei Millionen Einwohner hat Uruguay - 40 Millionen Menschen leben in Argentinien.

Doch währen die Fans der "Charruas" optimistisch die Kassenhäuschen des Centenario-Stadions belagern, erweisen sich in Buenos Aires die Gästekarten als Ladenhüter.

Angst vor der Schmach

Dabei haben Umweltschützer, die wegen des Baus einer Zellulose-Fabrik in Uruguay eine Brücke zwischen den nördlich von Buenos Aires liegenden Grenzstädten Gualeguaychu und Fray Bentos schon drei Jahre blockieren, angekündigt, für Mittwoch den Weg auf die andere Flussseite für das Spiel freizugeben.

Die Angst vor der Schmach, ausgerechnet beim kleinen Nachbarn zu scheitern, scheint bei vielen Argentiniern größer zu sein als das Vertrauen in Maradona, Messi und Co.

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