vergrößernverkleinern
Trainer-Weltenbummler Giovanni Trapattoni soll nun Irland zur Wm führen © getty

Irland huldigt dem "Maestro" schon vor den WM-Playoffs gegen Frankreich - und sieht ihm auch ungewöhnliche Methoden nach.

Von Thorsten Mesch

München - In Deutschland sicherte sich Giovanni Trapattoni nicht zuletzt mit seiner legendären Wutrede einen Platz in der Geschichte des Fußballs.

In seiner Heimat Italien gewann er mit seiner berüchtigten Mauertaktik zahlreiche Titel. Keine Frage, Trapattoni gehört zu den ganz Großen seiner Zunft.

In Irland würden sie dem kauzigen Coach vielleicht nicht gleich ein Denkmal setzen. Denn sollte der 71-Jährige die "Boys in Green" zur WM nach Südafrika führen, wäre dies ein weiterer Meilenstein seiner überaus erfolgreichen Karriere. 162841(Bilder der WM-Quali)

"Irland muss verstehen, dass es sich für uns um ein historisches Ereignis handelt", mahnt Trapattoni vor dem Playoff-Hinspiel gegen Frankreich (alle Spiele ab 16.45 Uhr LIVE).

"Erinnert mich an Mailand-Derbys"

"Diese Herausforderung erinnert mich an die Derbys in Mailand", sagte "Trap" der "Gazzetta dello Sport": "Mein Inter gegen das Milan der Genies: van Basten, Gullit und Rijkaard mit Arrigo Sacchi auf der Bank."

Am Samstagabend heißt das Duell im Dubliner Croke Park jedoch nicht Trapattoni gegen Sacchi oder Inter gegen Milan, sondern Trapattoni gegen Raymond Domenech und Irland gegen Frankreich.

Man könnte auch sagen: David gegen Goliath.

"Wir sind Krieger"

"Wir sind nicht berühmt, aber wir sind Krieger", gibt sich Trapattoni kämpferisch. "Wir müssen versuchen, zu Hause kein Tor zu kassieren. Aber Fußball ist keine Wissenschaft, keine Mathematik."

(DATENCENTER: Ergebnisse und Spieplan WM-Quali)

Technisch sei auch Milan in den Mailänder Derbys ähnlich "unantastbar" gewesen wie die Franzosen.

"Aber schauen Sie mal, wer öfter gewonnen hat. Inter hat zugebissen - und wie", erzählt Trapattoni stolz.

Ribery fehlt verletzt

Auch ohne den verletzen Bayern-Star Franck Ribery sind die Franzosen eindeutiger Favorit in den Playoffs.

Barcelonas Thierry Henry, Real Madrids Karim Benzema oder Johan Gourcuff, der mit Girondins Bordeaux in der Champions League zweimal gegen den FC Bayern gewann, sind filigrane Techniker und Stars. Doch sind sie auch Erfolgsgaranten?

In den vergangenen sieben Pflichtspielen erzielte die Equipe Tricolore zwar 13 Tore, acht davon allerdings in den letzten beiden Partien gegen die Färöer und Österreich.

"Defensiv-Taktik" des "Maestro"

"Es genügt nicht, stärker zu sein, um zu gewinnen", weiß Trapattoni, der mit den Iren in der Gruppenphase nur knapp an Weltmeister Italien gescheitert war. "Wir gehören zu den fünf Teams, die in der WM-Qualifikation unbesiegt geblieben sind. Das gibt uns für die Duelle mit Frankreich Selbstvertrauen."

Mit einer innerhalb seines 18-monatigen Wirkens immer mehr verfeinerten Defensiv-Taktik hat der "Maestro" in die Playoffs geführt.

Hoffnung aufs Köpfchen

Er hat aber auch eine Idee, wie seine Spieler gegen den Weltmeister von 1998 ein Tor erzielen können: "Vielleicht per Kopf nach einem Eckball. Oder nach einem Freistoß. Ich habe meinen Spielern gesagt, sich mal die Freistöße von Andrea Pirlo näher anzuschauen."

Trapattoni ist offensichtlicher Bewunderer der Freistoßkünste des Milan-Stars ? und ein großer Freund der Video-Analyse.

Statt seine Nationalspieler in den Stadien der englischen und schottischen Premier League vor Ort zu beobachten, lässt er sich lieber Woche für Woche ein dickes Päckchen nach Italien schicken.

Video-Studium in der Kfz-Werkstatt

Trapattoni wohnt nicht in Irland, sondern in der Nähe von Mailand. Dort hat er auch ein kleines Büro in der Kfz-Werkstatt eines Freundes, wo er sich dann per DVD über den Leistungsstand seiner Schützlinge informiert.

In Irland zeigt man sich darüber weitgehend nachsichtig - denn der Erfolg gibt dem eigenwilligen Trainerfuchs recht.

Bei der Auslosung der Playoff-Spiele in Zürich fehlte Trapattoni ? angeblich aus Aberglauben.

"Trap" kann Geschichte schreiben

Dass Frankreichs Coach Domenech sich nach Sternzeichen richtet, findet Trapattoni "nicht außergewöhnlich". Er habe in seiner Karriere "Kollegen kennengelernt, die sich nach Magiern richteten. Ich bin anders, ich glaube an Gott und schaue nach oben."

Sollte er Irland am Ende tatsächlich zur WM führen, dürfte in den Pubs von Dublin bis Sligo ähnlich gefeiert werden wie am St. Patrick's Day.

Trapattoni wäre dann zwar noch kein Nationalheiliger, aber er hätte in Irland seinen Platz in der Fußballgeschichte endgültig sicher.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel