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Anatoliy Tymoshchuk (r.) debütierte im Jahr 2000 in der ukrainischen Nationalmannschaft © imago

Irland kommt zum Playoff-Rückspiel mit viel Wut nach Frankreich. Die Gemüter kochen vor allem wegen Diarra und Domench hoch.

Von Thorsten Mesch

München - Der Vorteil liegt bei den Franzosen, doch die Iren hoffen weiter auf ihre Chance und kündigen den Gastgebern einen erbitterten Kampf an.

"Wir werden am Mittwoch mit einem Messer zwischen den Zähnen auflaufen", sagt Irlands Stürmer Kevin Doyle vor dem WM-Playoff-Rückspiel (ab 20.45 Uhr LIVE) in St. Denis.

1:0 hatte Frankreich das Hinspiel in Dublin durch einen abgefälschten Schuss von Nicolas Anelka gewonnen.

Doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Equipe Tricolore bei einem vermeintlichen Vorteil oft an der eigenen Überheblichkeit scheitert.

"B-Team von England"

Überheblichkeit wird auch Frankreichs Trainer Raymond Domenech als Schwäche nachgesagt.

Vor dem Hinspiel hatte Domenech die Iren hochnäsig als "B-Team von England" bezeichnet. 174499(Bilder der WM-Playoffs)

Spätestens seit dieser Äußerung sind auch sie nicht gut auf den Coach mit den markanten Augenbrauen zu sprechen.

Domenechs Kommentar überrasche ihn nicht, hatte Irlands Richard Dunne erklärt und gleich eine Spitze hinterhergeschossen: "Die Franzosen kommen mit all ihren Weltklassespielern zu den Turnieren. Sie haben aber diesen einen Mann, der alles daran setzt, es zu vermasseln."

Domenech sorgt für Aufregung

In seiner Heimat hatte Domenech mit der Nichtnominierung von Mittelfeld-Altstar Patrick Vieira zum wiederholten Mal für Aufregung gesorgt.

Der Coach soll sich einmal mehr mit Superstar Thierry Henry gestritten haben, der Inter Mailands Routinier gern dabei gehabt hätte. "Ich spreche vor dem Spiel immer mit Henry, er ist schließlich der Kapitän", sagte Domenech - und verbat sich weitere Fragen.

Mehrmals schon stand der Exzentriker vor dem Aus, doch mit Sturheit und teilweise glücklicher Fügung behielt er seinen Posten.

Zum vierten Mal Relegation

Sollte Frankreich aber gegen Irland das 1:0 aus dem Hinspiel noch aus der Hand geben und die WM verpassen, wäre Domenech mit großer Wahrscheinlichkeit seinen Job los. (DATENCENTER: Ergebnisse und Spieplan WM-Quali)

Vier Mal musste Frankreich bisher in die Entscheidungsspiele für eine WM ? jedes Mal im November.

1977 gegen Bulgarien (3:1), 1981 gegen die Niederlande (2:0) und 1985 gegen Jugoslawien (2:0) gelang die Qualifikation im Nachsitzen. Nur einmal, 1993 gegen Bulgarien (1:2) wurde das WM-Ticket verpasst.

Das soll nicht noch einmal passieren, und deshalb packt Domenech seine Mannschaft vor dem Rückspiel im Stade de France bei der Ehre.

Wütende Iren

"Ich hoffe, dass die Spieler genauso ungeduldig sind wie ich. Ungeduldig, das Spiel zu spielen. Ungeduldig, da rauszugehen und zu zeigen, dass wir das bessere Team sind. Ungeduldig, sich zu qualifizieren."

Mehr als nur ungeduldig sind die Iren. Sie sind wütend, und das nicht nur, weil die 0:1-Niederlage unverdient und unglücklich war.

Nach dem Schlusspfiff war es im Dubliner Croke Park zu Handgreiflichkeiten im Mittelkreis gekommen, weil Frankreichs Mittelfeldspieler Lassana Diarra den Iren Richard Dunne und Keith Andrews ein paar unfreundliche Worte mit auf den Weg gegeben hatte.

"Er hat das gesamte irische Volk beleidigt"

"Was er gesagt hat, hat das gesamte irische Volk beleidigt", schimpft Irlands Trainer Giovanni Trapattoni.

Doch Diarra kontert lässig und provoziert weiter: "Die Iren wollten, dass ich mir eine Karte abhole und gesperrt werde. Das ist eine Schande. Wenn Andrews mich sucht, kann er mich am Mittwoch auf dem Platz finden."

Trapattoni glaubt jedenfalls noch an seine Chance.

25.000 irische Fans in Saint-Denis

"Wir sind Iren, wir spielen mit unserem Herzen", sagt der Italiener: "Wir können in Paris ein Tor erzielen. Ich hoffe vor allem auf die Standards. Ich werde auf alle Fälle dieselbe Mannschaft aufstellen."

Der zwölfte Mann für Trapattonis Team könnten die irischen Fans sein. Bis zu 25.000 werden in Saint-Denis erwartet

"Wir haben eine Chance", glaubt Stürmer Robbie Keane, Trapattoni ist "zuversichtlich", weil Frankreich auch zuhause immer für ein Gegentor gut sei.

Schließlich reiche ein 1:0 schon, "um die Entscheidung im Elfmeterschießen zu suchen", so der Italiener.

Doch selbst der kämpferische Coach fürchtet: "Wenn Frankreich aber ein Tor erzielt, ist wirklich Schluss."

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