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Schuss ins WM-Glück: Bochums Zlatko Dedic bringt Slowenien zur WM © imago

Slowenien bremst das am Ende doppelt dezimierte Hiddink-Team aus. Bosnien muss seinen Traum von der ersten WM-Teilnahme begraben.

Maribor/Zenica - Ohne den verletzten Superstar Cristiano Ronaldo hat sich Portugal dank eines 1:0 (0:0) in Bosnien die fünfte WM-Teilnahme erkämpft

Außenseiter Slowenien dagegen schaffte zum zweiten Mal den Sprung zu einer Weltmeisterschaft - und stoppte dabei die WM-Serie von Russlands Star-Trainer Guus Hiddink.

Durch ein Tor des Bochumer Bundesliga-Stürmers Zlatko Dedic besiegten die Slowenen in Maribor den EM-Halbfinalisten Russland 1:0 (1:0) und buchten damit das Ticket zur WM 2010 in Südafrika.

Während Sloweniens Fans die zweite Endrunden-Teilnahme nach 2002 frenetisch bejubelten, findet erstmals seit 1994 wieder ein WM-Turnier ohne Hiddink statt.

Dedic, der zu Saisonbeginn nach Bochum gekommen war, verdarb mit seinem Tor in der 44. Minute dem Niederländer die vierte WM-Teilnahme in Folge - mit dem vierten verschiedenen Land.

Hiddink scheitert erstmals

2006 hatte er in Deutschland Außenseiter Australien ins Achtelfinale geführt und war dort unglücklich am späteren Weltmeister Italien gescheitert.

2002 hatte er mit Gastgeber Südkorea, 1998 in Frankreich mit seiner Heimat Niederlande sogar jeweils das Halbfinale erreicht. (DATENCENTER: Ergebnisse und Spieplan WM-Quali)

In Russland hatte er eine Renaissance der Sbornaja eingeleitet und das Team um Stürmerstar Andrej Arschawin mit attraktivem Offensivfußball bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz bis ins Halbfinale geführt.

Pecnik wahrt Chance im Hinspiel

Das Hinspiel am Samstag in Moskau hatte die Sbornaja trotz drückender Überlegenheit durch zwei Tore von Dinijar Biljaletdinow lediglich 2:1 gewonnen.

Der Slowene Nejc Pecnik hatte drei Minuten vor Schluss die Slowenen im Rennen gehalten. In der Gruppenphase waren die Russen an Deutschland gescheitert.

In Dortmund hatte es eine 1:2-Niederlage gegeben, das entscheidende Rückspiel in Moskau verloren die Russen 0:1. Slowenien war in seiner Gruppe hinter der Slowakei Zweiter geworden.

Akinfejew verhindert Rückstand

Den besseren Start in die Partie erwischten die Gastgeber. Der Kölner Bundesliga-Profi Milivoje Novakovic, der wie sein Klubkollege Miso Brecko in der Startformation stand, scheiterte in der sechsten Minute an Russlands Torhüter Igor Akinfejew.

Das erste Ausrufezeichen der Gäste setzte Roman Pawljutschenko in der 16. Minute, verfehlte aber das Tor um einen halben Meter.

Danach wurden die Russen zwar stärker, das Tor machten aber die Gastgeber.

Dedic auf Zack

Dedic schaltete nach einer Flanke von Valter Birsa am schnellsten und spitzelte den Ball zum 1:0 ins Netz (44.).

Hiddink, der ein offensives Spiel angekündigt hatte, war mit der Leistung seines Teams in den ersten 45. Minuten überhaupt nicht zufrieden und wechselte in der Pause gleich zweimal.

Alexander Kerschakow und Sergej Semak kamen für den enttäuschenden Pawljutschenko und Jungstar Renat Janbajew. 162841(DIASHOW: Das sind die WM-Teilnehmer)

Zweimal Rot für Russland

Kerschakow erwies seinem Team allerdings einen Bärendienst. In der 66. Minute sah er wegen einer harten Attacke gegen Sloweniens Torhüter Samir Handanovic von Schiedsrichter Terje Hauge aus Norwegen die Rote Karte.

In den letzten 13 Minuten versuchte Hiddink dann noch, mit dem Stuttgarter Stürmer Pawel Progrebnjak doch noch den Ausgleich zu erzwingen.

Erschwerend kam aber hinzu, dass Juri Schirkow in der Schlussminute noch die Gelb-Rote Karte sah.

Portugal jubelt

Im Hexenkessel von Zenica jubelten am Ende der letzte WM-Vierte Portugal - ein 1:0 (0:0) im Play-off-Rückspiel in Bosnien-Herzegowina machte die Qualifikation für Südafrika perfekt.

Das Hinspiel vier Tage zuvor hatte die Seleccao ebenfalls 1:0 gewonnen. Damit ist das Szenario einer WM ohne den Weltfußballer gerade noch mal abgewendet, auch wenn Ronaldo beim letzten Schritt nach Südafrika gar nicht mithelfen konnte.

Wie schon im Hinspiel fiel der Ballzauberer von Real Madrid wegen einer hartnäckigen Knöchelverletzung aus.

Meireles als Matchwinner

Stattdessen ließ Raul Meireles die Portugiesen mit seinem Treffer jubeln (56.). Portugal ist damit nach 1966, 1986, 2002 und 2006 zum fünften Mal bei einer WM dabei.

Danach hatte es in der laufenden WM-Qualifikation lange Zeit nicht ausgesehen. Zwischenzeitlich war der Vize-Europameister von 2004 in Gruppe 1 auf den dritten Platz abgerutscht.

Für Bosnien-Herzegowina, das erst seit 1992 eigenständig ist, ist der Traum von der ersten WM-Teilnahme geplatzt. Dabei war die Mannschaft von Trainerfuchs Miroslav Blazevic so nah wie noch nie am großen Traum.

Bosnien ganz nahe dran

Bereits im Hinspiel hatten die Bosnier ihre zahlreichen Torchancen nicht in Zählbares ummünzen können, und auch vor 15.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion Bilino Polje blieb der hochgelobten Offensive ein Treffer verwehrt.

Dabei mussten die Gastgeber den kurzfristigen Ausfall des am Knie verletzten Wolfsburger Spielmachers Zvjezdan Misimovic verkraften.

Somit kamen auf Seiten der Blazevic-Elf vier Bundesligaspieler zum Einsatz: Misimovics Klubkollege Edin Dzeko, die beiden Hoffenheimer Sejad Salihovic und Vedad Ibisevic sowie Zlatan Bajramovic von Eintracht Frankfurt.

Echtes Kampfspiel

Bei widrigen Platzverhältnissen kam es zum erwarteten Kampfspiel. Dabei gelang es den Portugiesen diesmal besser, das Geschehen vom eigenen Tor fernzuhalten.

Die Bosnier waren zwar spielbestimmend, kamen aber nicht zu zwingenden Torchancen. Aber auch bei den Gäste lief im Spiel nach vorn nicht viel zusammen.

Im zweiten Durchgang setzte Bosnien ganz auf Offensive, was sich rächen sollte. Nach Zuspiel von Nani setzte Meireles den Ball aus 16 Metern ins linke Eck.

Salihovic sieht Gelb-Rot

Als Salihovic in der 76. Minute auch noch die Gelb-Rote Karte sah, kochte die Stimmung über. Gegenstände flogen auf das Spielfeld, dabei wurde auch der Schiedsrichter-Assistent getroffen.

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