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Totaler Frust: Richard Dunne (l.) und Robbie Keane schleichen vom Platz © imago

Dieser Betrug wird Thierry Henry ewig anhaften. Mit der Hand bereitet er das entscheidende Tor vor. Die Iren sind stinksauer.

Von Daniel Rathjen

München - Es war ein bitterer Abend für Trainer Giovanni Trapattoni und seine Iren.

Gerade Stürmerstar Robbie Keane konnte nicht fassen, was da im Stade de France passiert war (DATENCENTER: Alle Ergebnisse).

Er spuckte Gift und Galle nach dem 1:1 (0:1, 0:1) nach Verlängerung im Playoff-Rückspiel gegen Frankreich um die Qualifikation zur WM 2010.

Das Hinspiel hatte die "Equipe Tricolore" mit 1:0 für sich entschieden 162841(DIASHOW: Das sind die WM-Teilnehmer).

"Henry hat den Ball doch fast gefangen und ist mit ihm beinahe ins Netz gelaufen", schimpfte Keane und fügte an: "Es war unser Todesstoß."

Er griff danach sogar FIFA-Präsident Sepp Blatter und UEFA-Präsident an.

"Die sitzen da oben, klatschen in die Hände und schicken sich SMS - voller Freude über das Resultat", wetterte der Tottenham-Angreifer.

Er selbst hatte das aufopferungsvoll kämpfende Irland in der 32. Minute in Führung gebracht und so die Verlängerung erzwungen.

Henrys Handarbeit

Dann wurde er von der "Hand Gottes" versohlt.

Kapitän Thierry Henry war es, der in der 13. Minute der Verlängerung den Ball, bevor er ins Aus springen konnte, mit der Hand mitführte, zu William Gallas passte, und der dann per Kopf den 1:1-Ausgleich erzielte.

Zudem hatten beim vorangegangenen Freistoß von Florent Malouda zwei Franzosen im Abseits gestanden.

Doch weder Schiedsrichter Martin Hansson noch seine Assistenten bemerkten etwas davon.

Wiederholungsspiel gefordert

Natürlich tobte auch die irische Presse. "Wir sind bestohlen worden", schimpfte die Boulevardzeitung "Irish Star".

Nach dem irischen Justizminister Dermot Ahern forderte am Donnerstag auch der irische Verband ein Wiederholungsspiel.

"Die offensichtliche Fehlentscheidung des Schiedsrichters hat die Gesetze des Sports verletzt. Deshalb fordern wir den Weltverband unseres Sports auf, ein Wiederholungsspiel anzusetzen", heißt es in einer Mitteilung des Verbandes.

Premierminister schaltet sich ein

Sogar der irische Premierminister Brian Cowen hat sich mittlerweile eingeschaltet. Beim nächsten EU-Gipfel will er das Gespräch mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Szarkozy suchen.

"Hoffentlich haben wir die Möglichkeit zu einem Austausch darüber", sagte Cowen, der betonte, dass der Fußball dieses Problem eigenständig lösen soll. Cowen versicherte, dass die Politik das Fairplay einhalten wird.

Henry gibt Handspiel zu

Der Schuldige selbst versuchte erst gar nicht, um den heißen Brei herumzureden: "Ja, es war ein Handspiel, aber ich bin doch nicht der Schiedsrichter", sagte Henry.

Ex-Bayern-Coach Giovanni Trapattoni, der die Iren betreut, hatte sich nach einem Wutanfall im Stadion bei der Pressekonferenz weit nach Mitternacht wieder etwas gefasst:

"Wir reden alle über das Fair Play. Ich mache Thierry Henry keinen Vorwurf. Ich bin sicher, wenn der Schiedsrichter ihn gefragt hätte, hätte er zugegeben, dass es ein Handspiel war."

Herbe Kritik an den Unparteiischen

Kevin Doyle wählte deftigere Worte. "Die Schiedsrichter hätten das sehen müssen. Ich bin mir sicher, wenn wir das gleiche gemacht hätten, hätten sie es gesehen..."

Verteidiger Sean St. Ledger sagte: "Wir sind beraubt worden. Wir waren das bessere Team und wurden betrogen."

Bei den Franzosen überwog verständlicherweise die Freude über die Qualifikation.

Richtig stolz ist die Grande Nation aber nicht. Bixente Lizarazu, Experte des übertragenden Fernsehsenders "TF1", ließ jedenfalls kein gutes Haar an der Equipe.

Lizarazu sieht "eine Katastrophe"

Der Ex-Bayern-Spieler zur Leistung seiner Nachfolger: "Das war eine Katastrophe. Es war die schlechteste Leistung einer französischen Nationalmannschaft, die ich in den letzten zwei Jahren gesehen habe. Wir dürfen wahrlich nicht stolz sein."

Nur Trainer Raymond Domenech lächelte. "Ich habe gewusst, dass wir uns qualifizieren. Und jetzt lassen Sie mich diese Qualifikation genießen."

Trotzdem stellen französische Medien schon die Frage, ob Domenech trotz erfolgreicher Qualifikation der richtige Trainer für die WM sei, nachdem er schon bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz als Coach jämmerlich versagt habe.

Verbandspräsident Jean-Pierre Escalettes gab zu: "Es waren zwei Jahre Galeere. Wir waren heute wie gelähmt. Aber Hauptsache, wir sind qualifiziert."

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