vergrößernverkleinern
Die Slowenen feiern nach dem Schlusspfiff die WM-Quali © getty

Die Slowenen zelebrieren die gemeisterte WM-Qualifikation mit allen Facetten. Auch Portugal jubelt, während die Bosnier trauern.

München - Überglücklich feiern die Slowenen die Quaifikation zur WM in Südafrika, während Bosnien nach der Niederlage gegen Portugal einem zerstörten Traum nachtrauert.

In Maribor eröffnete Sloweniens Staatsoberhaupt Danilo Turk höchstpersönlich eröffnete mit einer Champagner-Dusche für die Fans eine der größten Partys in der Geschichte des nach Einwohnern kleinsten WM-Teilnehmers in Südafrika.

In Maribor, wo Slowenien mit einem 1:0 (1:0) über Russland überraschend sein zweites WM-Ticket nach 2002 gelöst hatte, und in der Hauptstadt Ljubljana, machten die stolzen Fußball-Anhänger die Nacht zum Tage.

"Champion, Champion, Champion!" schrie Staatspräsident Turk völlig außer sich vor Begeisterung in die feiernde Menge.

Premierminister als Schuhputzer

Premierminister Borut Pahor löste derweil sein Versprechen ein und putzte den Nationalspielern nach gelungener Qualifikation die Schuhe.

"Ich habe es getan, aber ich muss zugeben, nicht sehr gründlich", berichtete Pahor, als er aus der Kabine trat, nachdem er den Helden um die Bundesliga-Profis Milivoje Novakovic, Miso Brecko (beide 1. FC Köln) und Zlatko Dedic (VfL Bochum), Schütze des goldenen Tores (44.), gratuliert hatte.

(DATENCENTER: Ergebnisse und Spieplan WM-Quali)

"Die Leute in unserem Land sollen sich freuen. Wir haben es für sie erkämpft", sagte Trainer Matjaz Kek, dessen Mannschaft das Hinspiel in Moskau mit 1:2 verloren hatte.

Lob für ein "großes Herz"

Er würdigte die Leistung seiner Mannschaft gegen Russlands hochdotierte Stars in den höchsten Tönen: "Sie hat bewiesen, dass ihr Herz auf dem Spielfeld größer ist als viele Millionen Euro."

Bis weit nach Mitternacht dauerte die Feier der Fans und Funktionäre mit den Spielern im Stadion in Maribor.

"Wir haben immer an uns geglaubt. Jetzt weiß die Fußball-Welt, wo unser Land auf der Weltkarte liegt", wird der Kölner Torjäger Novakovic im "Express" zitiert. Die WM-Teilnahme sei für ihn "mit dem FC-Aufstieg der größten Moment in meiner Karriere".

Hiddink scheitert erstmals

Einen der schwärzesten Augenblicke seiner Trainerlaufbahn erlebte indes Russlands Coach Guus Hiddink. Wo der Niederländer bisher ein Nationalteam trainierte, war das Ticket zur WM garantiert.

2006 führte er den Außenseiter Australien ins Achtelfinale, 2002 erreichte er mit Südkorea, 1998 mit der Elftal seines Heimatlandes sogar das WM-Halbfinale.

"Der Schlüssel zum Scheitern lag im Gegentor im Hinspiel", resümierte Hiddink und erinnerte an den späten Anschlusstreffer des Slowenen Nejc Pecnik, der seiner Mannschaft in Moskau nach einer 2:0-Führung eine exzellente Ausgangsposition kostete.

"Aber auch hier und heute hätten wir ein Tor erzielen müssen. Wir haben aber besonders in der ersten Halbzeit zu wenig Initiative und Einsatz gezeigt", kritisierte Hiddink.

Bleibt Hiddink in Russland?

Seit 15 Jahren ist keine WM-Endrunde mehr ohne den Star-Trainer über die Bühne gegangen, in Maribor half schließlich auch der Beistand von Staatspräsident Dmitrij Medwedew auf der Ehrentribüne des Stadions Ljudski Vrt nichts.

Nach dem schweren Rückschlag ist Hiddinks Zukunft in Russland ungewiss.

162841(DIASHOW: Das sind die WM-Teilnehmer)

Angeblich liegt ihm ein Angebot zur Vertragsverlängerung bereits vor, doch der 63-Jährige zögert noch: `Mein Vertrag läuft im nächsten Sommer aus. In den kommenden Monaten werden wir sehen wie es weitergeht."

Bosnier tieftraurig

Portugals verletzter Superstar Cristiano Ronaldo jubelte vor dem Fernseher in Madrid, Bosniens Bundesligaprofis weinten nach dem Schlusspfiff auf dem Platz - und wenige Minuten zuvor stand die Partie noch vor dem Abbruch:

Das von Ausschreitungen überschattete 1:0 (0:0) im Play-off-Rückspiel in Bosnien-Herzegowina hat Portugal die fünfte WM-Teilnahme beschert und bei Gewinnern wie Verlierern große Emotionen hervorgerufen.

"Die Portugiesen haben unseren Traum zerstört", titelte die bosnische Zeitung "Dnewni Avaz" und brachte damit die Gefühlslage des ganzen Landes, das zum ersten Mal bei einer Endrunde dabei gewesen wäre, auf den Punkt.

"Wenn wir sehen, dass Neuseeland im nächsten Jahr in Südafrika dabei ist und wir nicht, dann müssen wir traurig sein", sagte Mittelfeldspieler Zlatan Bajramovic von Eintracht Frankfurt stellvertretend für seine Bundesliga-Kollegen Vedad Ibisevic, Sejad Salihovic (beide 1899 Hoffenheim), Edin Dzeko und den verletzt fehlenden Zvjezdan Misimovic (beide VfL Wolfsburg).

"Die Spieler waren Riesen"

Während ganz Bosnien der verpassten Chance nachtrauerte, feierte Portugal überschwänglich seine Helden.

"Die Spieler waren Riesen", titelte die Sportzeitung Record. "Wir sind dabei! Selbst die größten Optimisten hatten nicht gedacht, dass wir so dominant sein werden", kommentierte das Konkurrenzblatt "A Bola" den Erfolg.

Den Sieg sicherte Raul Meireles mit seinem Treffer. Schon das Hinspiel hatten die Portugiesen 1:0 gewonnen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel