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Henry (l.) jubelt über das 1:1 von Gallas (1. v. r.), das er mit der Hand vorbereitet hatte © getty

Trotz weltweiter Empörung und der Reue des "Übeltäters" hat die FIFA eine Neuansetzung des WM-Playoffs Frankreich - Irland abgelehnt.

München - Trotz weltweiter Empörung wird das WM-Playoff zwischen Frankreich und Irland nicht wiederholt.

Dabei wäre sogar "Übeltäter" Thierry Henry zu einem Entscheidungsspiel bereit.

"Das wäre die gerechteste Lösung", sagte der Franzose "Sky Sports News".

"Aber das liegt nicht in meiner Macht. Es tut mir sehr leid für die Iren, sie hätten es absolut verdient, in Südafrika dabei zu sein."

FIFA verweist auf Tatsachenentscheidung

Doch trotz des Handspiels von Henry vor dem Ausgleich zum 1:1 bleibt der Fußball-Weltverband hart und verweist auf die Tatsachenentscheidung.

"Die FIFA stellt fest, dass das Spielergebnis nicht abgeändert und das Spiel nicht wiederholt werden kann", hieß es in einer Erklärung.

"Wie die Spielregeln eindeutig aussagen, werden während eines Spiels Entscheidungen durch den Schiedsrichter getroffen, und diese Entscheidungen sind endgültig."

Irlands Verband hatte gegen das 1:1 am Mittwoch in Paris Protest angekündigt.

Durch das Remis qualifizierte sich Frankreich für die WM-Endrunde 2010 in Südafrika. 162841(DIASHOW: Das sind die WM-Teilnehmer)

Trapattoni stinksauer: "Mord am Fußball"

Der irische Nationaltrainer Giovanni Trapattoni reagierte wütend auf die Abweisung des Protestes:

"In der Schule redet man oft über Fair Play, und vielleicht bin ich ein Träumer, dass ich auch noch daran glaube", meinte der Italiener.

"Jeder Blinde hätte Henrys Handspiel gesehen, und ich frage mich, warum der Schiedsrichter seine Fehlentscheidung nach Rücksprache mit seinen Kollegen nicht korrigiert hat. Das ist Betrug, das ist Mord am Fußball."

Daher forderte "Trap" den Videobeweis: "Die Zeit dafür ist reif. In 30 Sekunden können verhägnisvolle Irrtümer verhindert werden."

Sarkozy zeigt Verständnis

Französische Politiker zeigten Verständnis für den Frust der Iren, allen voran Staatspräsident Nicolas Sarkozy.

"Ich habe Irlands Ministerpräsident Brian Cowen erklärt, wie leid es mir für die Iren und ihre Fans tut", sagte Sarkozy nach dem EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs in Brüssel.

Cowen und Sarkozy hatten am Rande des Gipfels über das spielentscheidende Handspiel gesprochen.

Cowen sagte allerdings, dass eine Wiederholung der Begegnung kein Gegenstand der Unterhaltung auf höchster politischer Ebene gewesen wäre.

Französische Ministerin für Wiederholung - in Zukunft

Frankreichs Finanz- und Wirtschaftsministerin Christine Lagarde sprach sich sogar für die Wiederholung von vergleichbaren Spielen aus - allerdings erst in Zukunft.

"Natürlich bin ich sehr froh, dass unsere Mannschaft bei der WM dabei ist, aber ich denke auch, dass es sehr bitter ist, dass wir uns durch solch einen Betrug qualifiziert haben", sagte Lagarde dem Radiosender "RTL":

"Ich glaube, dass der Weltverband FIFA gut beraten wäre, sich der Regeln anzunehmen, weil es gut wäre, unter solchen Umständen eine Wiederholung anzusetzen. Zwar respektieren wir den Schiedsrichter und die Regeln, aber wenn die Regeln schlecht sind, muss man sie ändern."

Irland orientiert sich an Präzedenzfall

Mit der Entscheidung der FIFA dürfte die Forderung der Iren auf ein Wiederholungsspiel hinfällig sein.

Dabei hatte sich der Verband auf einen Präzedenzfall von 2005 in der Asien-Qualifikation zur WM 2006 in Deutschland gestützt.

Vor vier Jahren hatte die FIFA das Playoff-Hinspiel zwischen Usbekistan und Bahrain wiederholen lassen. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Damals hatte ein Schiedsrichter ein Tor der Gastgeber nach einem Strafstoß wegen zu frühen Hereinlaufens von Spielern in den Strafraum zunächst nicht anerkannt und den Elfmeter nicht wiederholen lassen hatte.

Angesichts von Frankreichs Ablehnung eines Wiederholungsspiel hatten FIFA-Vertreter den Iren bereits nur wenig Hoffnung auf einen Erfolg ihres Einspruchs gemacht.

Laut Angaben britischer Medien hatten die Funktionäre darauf verwiesen, dass alleine für die Erörterung einer Wiederholung das Einverständnis beider betroffenen Verbände eine Voraussetzung gewesen wäre.

"Wir sind nicht die Schuldigen"

Sein französischer Kollege Raymond Domenech zeigte unterdessen keine Verständnis für die internationale Kritik an seinem Team und lehnte ein Wiederholungsspiel ohnehin kategorisch ab:

"Ich kann nicht nachvollziehen, dass wir als Schuldige dargestellt werden. Auf dem Platz habe ich das Handspiel nicht gesehen, erst danach im Fernsehen, und es war ein Fehler des Schiedsrichters", sagte der Nationaltrainer.

Domnec weiter: "Deswegen kann ich nicht verstehen, warum wir uns entschuldigen sollen. Wir werden nicht Harakiri begehen, weil eine Fehlentscheidung eines Schiedsrichters einmal zu unseren Gunsten ausgefallen ist."

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