vergrößernverkleinern
Im Moment hat Schalkes Rafinha ausgespielt in der brasilianischen Nationalmannschaft © getty

Mit seiner eigenmächtigen Olympia-Teilnahme stieß Rafinha den FC Schalke vor den Kopf. In der Selecao gerät er selbst aufs Abstellgleis.

Von Christian Paschwitz

München - Manchmal im Leben dauert's ein bisschen länger mit der echten Genugtuung.

Zumindest ist es nicht ganz ausgeschlossen, dass man beim FC Schalke 04 das gerade empfindet, dieses besondere Gefühl von Zufriedenheit im Nachgang.

Im Vorfeld der Olympischen Spiele im August hatte er sie ja auch wirklich an der Nase herumgeführt, dieser Rafinha. Dieser 1,72 kleine Wuschelkopf, der so aussieht, als könne er kein Wässerchen trüben.

Der wegen seiner abgezockten wie bisweilen unfairen Art zu kicken derart polarisiert, dass ihm die die "Bild" kürzlich das Etikett des "miesesten Typen der Liga" anhängte.

Und der nun plötzlich selbst ausgestochen worden ist.

Lucio und Josue sind dabei

Seine beiden nächsten Aufgaben in der südamerikanischen WM-Qualifikation zur Endrunde 2010 wird Rekordweltmeister Brasilien jedenfalls ohne Rafinha angehen. Und dass, obwohl der seinen Anteil daran hatte, dass in Peking die Olympische Bronze-Medaille heraussprang.

Während Nationaltrainer Dunga für die Partien in Venezuela (12. Oktober) und gegen Kolumbien (15. Oktober) aus der Bundesliga die Defensivspieler Lucio (Bayern München) und Josue (VfL Wolfsburg) nominierte, schaut Schalkes Abwehrmann nun in die Röhre.

Da nützte es auch nichts, dass Klubkollege Kevin Kuranyi über Rafinha kürzlich meinte, der 23-Jährige sei "der beste Rechtsverteidiger der Liga".

Diego gelbgesperrt

Unberücksichtigt blieben für die Selecao aktuell zwar auch der in Eliminatorias-Spielen zuletzt formschwache Ronaldinho (AC Mailand), der Hamburger Alex Silva sowie Diego: Bei Werder Bremens Spielmacher liegt der Fall jedoch anders als bei Rafinha: Denn Diego hätte in der ersten Partie ohnehin eine Gelbsperre absitzen müssen.

Ein Argument immerhin für die Zurückweisung, das Rafinha fehlt. Dazu aber kommt vor allem, dass Diego als Konkurrent auf seiner Position keinen Geringeren im Nacken sitzen hat als Kaka. Der Weltfußballer vom AC Mailand, der in diesem Jahr keines der acht Länderspiele Brasiliens bestritt, kehrt zurück nach ausgestandener Knieverletzung.

Alles Aus dagegen für Rafinha, der sich im Nationalteam vor allem mit Maicon und Kleber auseinander setzen muss? Das vielleicht nicht. Wohl aber ein Fingerzeig, dass der Schalker im Nationalteam noch längst dazugestoßen ist in den Kreis der Arrivierten.

Olympia ist vergessen

Trotz seiner Auftritte während der Olympischen Spiele und der Tatsache, Anfang September noch eine Rolle gespielt zu haben in Dungas personellen Planspielen zur WM-Qualifikationen gegen Bolivien (0:0) und in Chile (3:0).

Schon da war Rafinha, der am 26. März gegen Schweden sein erstes A-Länderspiel abspulte, jedoch nur noch Reservist, kam auf keine einzige Minute Einsatzzeit.

Die hat und hätte er auf Schalke umso mehr. Dreimal in der Bundesliga, zuletzt auch beim 2:0 im DFB-Pokal ? die Saison-Bilanz sähe wohl noch besser aus, wäre Rafinha wegen seiner Olympia-Teilnahme nicht unerlaubt nach Peking geflüchtet und seinem Arbeitgeber fünf Wochen unerlaubt ferngeblieben.

Eine Aktion, die auf Schalke seinesgleichen sucht. Von einem Mann, der auf seiner Homepage pikanterweise unter der Rubrik Lebensphilosophie angibt: "Ich widme sich sehr der Arbeit."

Inzwischen haben sich Wogen zwar wieder geglättet. Zunächst aber war von Vertragsbruch die Rede. Die Empörung der Gelsenkirchener war so groß, dass sie Rafinha zu disziplinieren suchten, indem sie eine sechsstellige Geldstrafe verhängten.

Von der Summe dürften die Schalker vorerst nichts sehen, hatte Rafinha den Fall für sich doch lakonisch damit abgetan, der brasilianische Verband werde die Zahlung übernehmen. Was er bislang nicht tat.

Schnusenberg milde

Dass Rafinha nun nichts mehr tun darf für die Selecao, ist Ironie des Schicksals. So mag auch Schalkes Klubchef Josef Schnusenberg denken, wenn er lächelnd meint, Rafinha sei "ein Typ, dem man doch gar nicht böse sein kann".

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel