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Berti Vogts ist seit 2008 Trainer in Aserbaidschan, coachte vorher Nigeria © getty

Vor der ersten WM auf dem schwarzen Kontinent beleuchtet Afrika-Experte Berti Vogts die Entwicklung von Teams und Verbänden.

Aus Kapstadt berichtet Martin Volkmar

Kapstadt - Die Fußball-Welt schaut nach Afrika. Diese Woche, deren Höhepunkt die Auslosung der WM-Vorrundengruppen am Freitag in Kapstadt sein wird, ist der endgültige Startschuss für den Countdown zur Endrunde.

Im Juni 2010 wird dann in Südafrika erstmals eine Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden ausgespielt.

"Das war die letzte Chance auf Jahre für den afrikanischen Fußball, eine WM zu bekommen", meint Berti Vogts, bis 2008 Nationalcoach von Nigeria, im Gespräch mit Sport1.de.

Das wieder abgeschaffte Rotationsprinzip sorgte dafür, dass die Regenbogen-Nation nach der Niederlage bei der ersten Bewerbung für 2006 gegen Deutschland bei der nächsten Vergabe einziger Kandidat war. 162841(DIASHOW: Das sind die WM-Teilnehmer)

Stolz bei Millionen Fans

Millionen Fußball-Fans in Afrika erfüllt die Premiere mit Stolz, zumal allen Unkenrufen zum Trotz derzeit vieles für eine erfolgreiche Austragung der Endrunde spricht.

Mit der Rolle als guter Gastgeber allein will man sich auf dem Kontinent aber nicht zufrieden geben. Vielmehr soll endlich eines der sechs Teams in die Phalanx der Europäer und Südamerikaner einbrechen und um den Titel mitspielen.

"Ob Nigeria, Elfenbeinküste oder Ghana ? alle haben das Potenzial, ins WM-Halbfinale zu kommen", sagt Vogts. Auch andere Experten sehen die Zeit gekommen für die afrikanischen Teams, zu denen auch Kamerun und Algerien gehören.

"Auf der höchsten Ebene angekommen"

"Afrikas Fußball ist auf der höchsten Ebene angekommen", meint etwa Otto Pfister, der Togo 2006 bei der WM betreute. Als Beweis dient nicht nur ihm die Tatsache, dass zahlreiche Schlüsselspieler europäischer Topklubs von dort kommen:

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Ghanas Michael Essien, die Ivorer Didier Drogba (beide Chelsea) und Yaya Toure (FC Barcelona) oder Kameruns Torjäger Samuel Eto'o sind nur die Spitze einer ganzen Reihe von Stars.

"Die westafrikanischen Mannschaften sind eindeutig die stärksten Teams in Afrika. Die haben auch die Topspieler, die bei den besten Klubs in Europa spielen", erklärt Vogts.

Deutsches Trainer-Trio bei WM war möglich

Wäre der Ex-Bundestrainer damals nach dem erfolglosen Auftreten beim Afrika-Cup nicht entlassen worden, könnte er nun mit den "Black Eagles" an der WM teilnehmen.

Ebenso übrigens wie seine Landsleute Pfister, bis zum Sommer Coach von Kamerun, und Uli Stielike, bis vergangenes Jahr Nationaltrainer der Elfenbeinküste.

Dass das Trio nicht mehr im Amt ist, liegt nach Vogts' Ansicht am größten Problem des afrikanischen Fußballs: Der Ungeduld und überhöhten Erwartungshaltung der Funktionäre.

"Das Potenzial der Spieler und die Qualität der Mannschaften sind mit Sicherheit gegeben. Das Hauptproblem ist aber nach wie vor die Organisation, da liegt vieles im Argen", sagt er.(DATENCENTER: WM-Qualifikation)

Profis bringen Erfahrungen aus Europa ein

Doch die betroffenen Profis sind der Ansicht, dass sich schon vieles zum Besseren gewendet hat, weil sie ihre Erfahrungen aus Europa eingefordert haben.

"Wir haben gelernt, dass Fußball mehr ist als die 90 Minuten auf dem Rasen", meint Eto'o.

"Alles muss bis ins Detail stimmen, wenn man erfolgreich sein will. Wir haben das schmerzhaft lernen müssen, es hat früher großes Chaos in afrikanischen Teams gegeben. Doch damit ist es vorbei."

"Keine Chance gegen die Funktionäre"

Vogts sieht die Situation aufgrund seiner eigenen Erfahrungen weniger optimistisch. "Da gibt es keine Chance gegen die Funktionäre, die da alles zerstören", glaubt er, um dann jedoch anzufügen:

"Aber vielleicht hat man aus den schlechten Erfahrungen der Vergangenheit wirklich gelernt. Die Spieler verdienen es, weil es wirklich mal an der Zeit ist, dass eine afrikanische Mannschaft ins WM-Halbfinale kommt."

Zweimal bislang im Viertelfinale

Das ist bislang noch nie gelungen, das Viertelfinale 2002 für den Senegal und 1990 für Kamerun mit dem legendären Roger Milla waren die besten Resultate.

Doch Millas Nachfolger glaubt, dass diesmal alles möglich ist. "Ich bin sehr optimistisch", sagt Eto'o. "Kamerun kann für die große Überraschung bei der WM sorgen."

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