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Sport1.de-Redakteur Martin Volkmar (l.) traf Sean Dundee in Kapstadt © SPORT1

Im Interview der Woche spricht Sean Dundee über WM in seinem Geburtsland Südafrika und die Probleme von "Bafana Bafana".

Aus Kapstadt berichtet Martin Volkmar

Kapstadt - Wenn ein südafrikanischer Fußballer in Deutschland bekannt ist, dann ist es Sean "Crocodile" Dundee.

Dabei ist der 37-Jährige streng genommen Deutscher, denn 1997 wurde der damalige Karlsruher Torjäger eingebürgert und sollte die Stürmernot der DFB-Auswahl beheben.

Doch unmittelbar vor seinem Debüt verletzte sich Dundee, der in den kommenden Jahren noch für den FC Liverpool, den VfB Stuttgart, Austria Wien, die Stuttgarter Kickers und zuletzt Kickers Offenbach spielte.

Danach kehrte er in sein Geburtsland zurück, spielt noch für den AmaZulu FC und arbeitet als TV-Experte und Berater von südafrikanischen Nachwuchshoffnungen in seiner Heimatstadt Durban.

Entsprechend groß ist Dundees Vorfreude auf das erste WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft am 13. Juni im dortigen Stadion. 181113(DIASHOW: Das sind die Stadien)

Daneben schlägt sein Herz natürlich für den Gastgeber, über dessen Perspektiven Dundee beim Treffen mit Sport1.dein Kapstadt im Interview der Woche sprach.

Sport1.de: Was sagen Sie als Deutscher zur WM-Auslosung?

Sean Dundee: Deutschland hat eigentlich immer Glück bei den Auslosungen gehabt. Ich denke, dass sie auch diesmal eine gute Gruppe zugelost bekommen haben und sicher weiterkommen werden. Ich freue mich vor allem auf das erste Spiel gegen Australien in Durban. (Der Spielplan)

Sport1.de: Für Ihr Geburtsland Südafrika lief es nicht so gut, oder? (Alle Gruppen im Überblick)

Dundee: Das ist eine sehr schwere Gruppe, da waren wesentlich leichtere Gegner im Lostopf. Vielleicht gewinnt Bafana Bafana zumindest eins der ersten zwei Spiele gegen Mexiko oder Uruguay und dann kommt es zum Endspiel gegen Frankreich. Die spielen ja in den letzten Monaten auch nicht unbedingt den besten Fußball. Aber bis dahin hat Südafrika noch viel Arbeit vor sich.

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Sport1.de: Nach nur einem Sieg in den letzten elf Spielen spricht derzeit wenig dafür, dass Südafrika die Vorrunde übersteht.

Dundee: Wir haben die Hoffnung, dass nach dem Trainerwechsel von Joel Santana zurück zu Carlos Alberto Parreira und der Rückkehr von Benny McCarthy wieder eine Aufbruchstimmung kommt. Das Hauptproblem ist die mangelnde Torgefahr. Bis zum Strafraum spielt das Team gut, aber dann fehlt das Selbstvertrauen.

Sport1.de: Ist McCarthy deshalb der große Hoffnungsträger?

Dundee: Wenn er wieder richtig fit wird, wäre das schon ein großer Schritt nach vorne fürs Team. Aber er hat lange nicht gespielt für Blackburn und ist derzeit in keiner guten Verfassung. Trotzdem ist es wichtig, dass Parreira ihn nach seinem Rausschmiss durch Santana zurückgeholt hat. Wenn er und Steven Pienaar in Topform sind, ist Südafrika eine Klasse besser.

Sport1.de: Warum kam es so kurz vor der WM zum Rauswurf von Santana?

Dundee: Die Leute wollten ihn schon lange weg haben. Ein Problem war, dass er kein englisch gesprochen hatte. Ein weiteres, dass er bei seinem Dienstantritt gesagt hat, er habe noch nie so viel Geld verdient wie in Südafrika. Das war von Anfang an eine Katastrophe.

Sport1.de: Was kann Parreira nun bei seiner sechsten WM als Trainer bewirken?

Dundee: Ich ziehe den Hut, dass er sich dieser schweren Aufgabe noch mal stellt. Er ist ein Supertrainer und hat auch einen Ruf zu verlieren. Wobei ich persönlich lieber einen einheimischen Coach geholt hätte, der alle Spieler in Südafrika kennt. Zum Beispiel Gavin Hunt von SuperSports, der hat zwei Jahre hintereinander die Meisterschaft gewonnen.

Sport1.de: Kann das Turnier dem Land beim Zusammenwachsen helfen?

Dundee: Beim Confed Cup stand die ganze Nation plötzlich hinter Bafana. Auch die Weißen, die sich sonst meist nicht für Fußball interessieren. Bei der Auslosung war ich beim Public Viewing auf der Long Street in Kapstadt, da haben sich schwarz und weiß vermischt und zusammen gefeiert. So etwas habe ich lange nicht erlebt. Vielleicht werden wir durch die WM doch zu einer echten Regenbogen-Nation.

Sport1.de: Was bringt die WM Südafrika darüber hinaus?

Dundee: Was die Organisation betrifft, mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Wirtschaftlich ist die WM natürlich auch gut für das Land. Was mit den Stadien werden wird, weiß ich allerdings nicht. Die sind zu groß für den Alltag. Aber das nächste halbe Jahr wird auf jeden Fall sehr spannend, deshalb bin ich ja auch hier.

Sport1.de: Und was machen Sie danach?

Dundee: Ich kann mir gut vorstellen, wieder nach Deutschland zurückzugehen. Und ich würde dort gerne den Trainerschein machen. Aber einen genauen Zeitpunkt habe ich da noch nicht.

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