Von der Terror-Tragödie in Angola fühlen sich viele Zweifler und Kritiker der WM-Vergabe an Südafrika bestätigt. Zu Unrecht.

Anthony Baffoe, der eloquente Ex-Bundesliga-Star und Teammanager Ghanas, hatte einen großen Wunsch für das Fußballjahr 2010: "Die Leute sollen aufhören, an Afrika zu zweifeln."

Dieser Wunsch ist nach der Tragödie um Togos Nationalelf vor dem Afrika-Cup wohl endgültig zur Illusion geworden.

Über das oft so ausgerufene "afrikanische Fußball-Jahr" 2010 hat sich direkt ein dunkler Schatten gelegt.

Und diesen Schatten wird nun auch der sportliche Höhepunkt des Jahres nicht mehr los: Die WM in Südafrika.

Der Anschlag in Angola befeuert die Zweifel, Ängste und Vorurteile all derer, die sagen, dass eine afrikanische Nation ein solches Ereignis nicht ausrichten sollte.

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Weil die Bedingungen dort zu chaotisch sind. Zu unorganisiert. Und vor allem: zu unsicher für Leib und Leben.

So verständlich diese Ängste sind: Es ist in brutalstem Maße ungerecht, die Tragödie von Angola jetzt gegen Südafrika ins Feld zu führen.

Erschreckend viele der aufgeregten Stimmen, die nun laut werden, übersehen eine simple Tatsache: Afrika ist nicht gleich Afrika.

Südafrika ist nicht Angola, so wie Deutschland nicht Weißrussland ist.

Südafrika ist mehrere tausend Kilometer entfernt von Angola. Südafrika ist eine gefestigte Demokratie, die nicht derart von einem jahrelangen Bürgerkrieg zerschunden ist und kein Problem mit gewalttätigen Separatisten hat.

Und: Südafrika hat schon einige Zweifel widerlegen können - wie eben den, dass es seine WM-Stadien nicht pünktlich fertig stellen könnte.

Das alles soll nicht heißen, dass Südafrika keine Probleme hat. Es hat enorme Probleme mit Armut, Kriminalität und Gewalt, die keiner kleinreden sollte.

Aber es sind Südafrikas Probleme. Und das Land verdient es nicht, wenn es noch für die Probleme anderer Länder in Mithaftung genommen wird.

Leider nimmt aber ein Großteil der westlichen Welt den Kontinent nur als ein großes, zusammenhängendes, hoffnungsloses Ganzes wahr.

Und ironischerweise gibt es nichts, was die Afrikaner so sehr eint wie der Frust über genau dieses Weltbild.

Und es ist eine Reaktion darauf, dass Afrikaner wie Baffoe die Sehnsucht entwickelt haben, ein gelungenes "afrikanisches Fußballjahr" möge dieses schiefe Weltbild korrigieren.

Der Kugelhagel von Angola hat diese Sehnsucht zerschossen und wird das Weltbild bei vielen zementieren.

Eine bittere Entwicklung, die eine Tragödie noch tragischer macht.

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