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Theo Zwanziger stand dem DFB länger vor
Theo Zwanziger ist seit September 2006 alleiniger Präsident des DFB © Getty Images

DFB-Boss Zwanziger zeigt sich besorgt über die geringe Ticket-Nachfrage. WM-OK-Chef Jordaan sucht neue Wege der Vermarktung.

Frankfurt/Main - Viel zu teuer, viel zu gefährlich: Gravierende Sicherheitsbedenken und horrende Preise halten die Fans der deutschen Nationalmannschaft offenbar von einer Reise zur WM nach Südafrika ab.

"Das stimmt mich nachdenklich. Es geht nicht nur um das Thema Sicherheit. Faktoren sind auch die hohen Kosten für die Reise und Unterbringung", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger am Rande des Neujahrsempfangs des Organisationskomitees (OK) der Frauen-WM 2011.

Nach offiziellen Angaben des Weltverbandes FIFA wurden für die drei WM-Vorrundenspiele der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw gegen Australien (13. Juni), Serbien (18. Juni) und Ghana (23. Juni) bislang insgesamt erst 3316 Karten abgesetzt. (Südafrika 2010: Der Spielplan)

Geringe Nachfrage

Darunter sind jedoch 1400 Tickets, die vom DFB selbst für die sogenannte Fußball-Familie, wozu unter anderem die Freunde und Angehörigen der Nationalspieler zählen, bestellt wurden.

Dementsprechend wurden bislang nur 1916 Karten von deutschen Fans erworben, die nicht zur Fußball-Familie des DFB gehören.

So wurden für das Auftaktspiel der DFB-Auswahl gegen Australien nach FIFA-Angaben bislang erst 579 Karten bestellt. 181113(Diashow: Hier wird gespielt)

Für das zweite Spiel gegen Serbien 655, für das abschließende Vorrundenspiel gegen Ghana 682 Tickets.

Im Internet sind von Fans deutscher Nationalität zudem 25.050 Karten gebucht worden - allerdings für Spiele ohne deutsche Beteiligung.

Vergleich mit WM 2002

DFB-Generalsekretär Niersbach machte aus der schleppenden Kartennachfrage kein Drama, sondern verwies vielmehr auf die WM 2002 in Japan und Südkorea.

"Die Zahlen sind normal und entsprechen dem Ergebnis der WM 2002 in Japan und Korea, als wir beim ersten Spiel gegen Saudi-Arabien in Sapporo insgesamt nur 54 Tickets an deutsche Fans verkauft hatten. Der Vergleich zu 2002 bietet sich wegen der Entfernung an und den damit zusammenhängenden Kosten", sagte Niersbach.

Sommermärchen als Ausnahme

Die fast durchweg ausverkauften Stadien beim Sommermärchen 2006 in Deutschland könne man laut Niersbach nicht als Vergleich heranziehen.

"Wir dürfen aber keinesfalls den Vergleich mit 2006 ziehen, als Deutschland als Gastgeber im Herzen Europas leicht zu erreichen war. Auch als wir 2002 im Finale von Yokohama standen, hat das keine riesige Massenbewegung ausgelöst. Damals verkauften wir 2144 Tickets an deutsche Fans", sagte Niersbach.

Sicherheitsbedenken und hohe Preise

Auch Franz Beckenbauer, Mitglied im FIFA-Exekutiv-Komitee, macht die Sicherheitsbedenken und die hohen Preise für die auch international schleppende Ticketnachfrage verantwortlich:

"Nicht nur, dass man Bedenken hat wegen der Sicherheit dahin zu fahren. Die Karten sind zu teuer. Als normaler Mensch: Wer kann sich denn 5000 Euro oder 6000 Euro für eine Woche leisten?"

Allerdings ist selbst in Südafrika kein Run auf die Tickets festzustellen.

Alternativen zum Internet-Verkauf

WM-OK-Chef Danny Jordaan führte deshalb bereits Gespräche mit dem Weltverband FIFA, um die Karten im Inland auch auf anderen Wegen als über das Internet oder durch die Banken verkaufen zu können.

Jordaan will die WM-Tickets nun an verschiedene Geschäfte verteilen, damit die Südafrikaner einen einfacheren Zugriff auf die Karten haben.

Das könnte jedoch zu einem blühenden Schwarzmarkt und leeren Rängen führen.

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