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Fifa-Präsident Blatter (l.), WM-OK-Chef Danny Jordaan (M.) und Franz Beckenbauer © getty

Franz Beckenbauer kann die Kritik von Uli Hoeneß an Südafrika nicht nachvollziehen. Er hat keine Bedenken bezüglich der WM-Vergabe.

Aus Stuttgart berichtet Thorsten Mesch

Stuttgart - Vielleicht sollte Uli Hoeneß seine Ankündigung, nicht zur Weltmeisterschaft fliegen zu wollen, doch noch einmal überlegen.

"Man muss diesem Land eine Chance geben. 2006 waren sie noch nicht so weit, aber jetzt sind sie es. Sie können es", sagte Franz Beckenbauer am Donnerstag in Stuttgart zur WM in Südafrika.

Hoeneß hatte gesagt, er sei "nie ein großer Freund von einer WM in Südafrika oder überhaupt in Afrika" gewesen, "solange Sicherheitsaspekte nicht zu 100 Prozent geklärt sind."

"Das ist verrückt und komplett falsch"

Er sei sich sicher, dass FIFA-Präsident Sepp Blatter" im stillen Kämmerlein längst begriffen hat, dass die WM-Vergabe an Südafrika eine der größten Fehlentscheidungen war, die er jemals getroffen hat."

Hoeneß habe "etwas gesagt, ich glaube eher aus Unkenntnis", meinte Beckenbauer. "Aber auch bei uns ist nicht alles zu hundert Prozent sicher."

Abends allein durch Soweto zu gehen, sei natürlich ein unnötiges Risiko. Er würde "würde auch nicht in New York nachts allein durch die South Bronx gehen", meinte der ehemalige DFB-Teamchef.

Für Unverständnis sorgten Hoeneß Äußerungen auch bei FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke. "Das ist verrückt und komplett falsch", sagte er.

Es sei "traurig und unwahr", Südafrika zu unterstellen, es könne nicht für die Sicherheit sorgen.181113(Diashow: Hier wird gespielt)

Gewalt in Südafrika rückläufig

Laut Statistik waren im Jahr 2008 mehr als acht Millionen Ausländer in Südafrika, davon etwa 220.000 Deutsche. Fälle mit Gefahr für Leib und Leben waren dabei gering, die Zahlen für Mord und Autodiebstähle sogar rückläufig.

Die Gefahr, sich bei einem Verkehrsunfall zu verletzen ist demnach größer als die durch Gewaltverbrechen.

Die Zahl der Verkehrstoten lag im vergangenen Jahr gegenüber Deutschland fünf Mal höher, und das bei nur 20 Prozent der Anzahl deutscher Kraftfahrzeuge.

Die Lebensverhältnisse in Südafrika sind vergleichbar mit der an der Westküste der USA. Wer die allgemeinen Verhaltensratschläge befolgt, sich nicht ohne Grund in Townships begibt, ist nach Aussage der deutschen Botschaft in Südafrika nicht gefährdet.

DFB-Team plant mit zusätzlichen Sicherheitskräften

Zur Sicherheit der DFB-Auswahl vor Ort erklärte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff:

"Wir planen mit zwei bis drei zusätzlichen Sicherheitskräften innerhalb des abgesicherten Kerns. Man arbeite eng mit den Polizeibehörden zusammen und warte noch auf detaillierte Informationen."

Bundestrainer Joachim Löw betonte, er habe sich bei seinen bisherigen Aufenthalten am Kap "absolut sicher gefühlt".

Man müsse sich "darauf einstellen, dass manche Dinge nicht so funktionieren, wie wir es gerne hätten oder wie wir es uns vorstellen", sagte Löw und betonte, man brauche "Geduld und Toleranz".

Beckenbauers guter Ratschlag

Er freue sich auf eine "stimmungsvolle und farbenfrohe WM", erklärte der Bundestrainer.

Auch Beckenbauer zeigte sich "überzeugt, dass es eine tolle WM wird".

Nur eins gab der "Kaiser" allen Südafrika-Reisenden als guten Ratschlag mit auf den Weg: "Im Juni und Juli ist es da so kalt, da musst du schon lange Unterhosen mitnehmen."

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