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Martin Demichelis hat bisher 24 Länderspiele für Argentinien absolviert © getty

Auf seine FCB-Mitspieler Martin Demichelis im Test gegen Deutschland keine Rücksicht nehmen. Er will sich bei Maradona empfehlen.

Von Mathias Frohnapfel

München - Für Martin Demichelis stellt sich die Situation verzwickt da.

Wenn er am Mittwoch im Test gegen Deutschland (ab 20.15 Uhr LIVE) antritt, ist das für den Argentinier offiziell eine Auswärtspartie.

Dabei ist die Allianz Arena in München so etwas wie die Wohnstube des Bayern-Verteidigers.

Seine Gegenspieler im Länderspiel - wie Miroslav Klose und Mario Gomez - rackern ja sonst gemeinsam mit Demichelis für den deutschen Rekordmeister.

Dennoch muss sich Argentiniens Coach Diego Maradona keine Sorgen machen, dass sein Schützling plötzlich die deutschen Stürmer wie ein Gentleman behandelt.

"Wenn ich grätschen muss, muss ich das machen. Leider muss ich dann den Ball oder Miro oder Mario treffen", erzählt Demichelis.

Dann lacht der 29-Jährige kurz auf.

Gomez und Klose als "gute Freunde"

Wie Klose und Gomez antäuschen, ob sie lieber links oder rechts herum den Weg zum Tor suchen, weiß er eh bestens aus dem Training.

"Sie sind beide gute Freunde von mir", versichert Demichelis außerdem, um keine Fehlinterpretation aufkommen zu lassen.

Vor der deutschen Nationalelf hat der Abwehrmann Respekt, zumal sie sich seit der jüngsten WM noch einmal gesteigert hätten.

"Deutschland hat gewisses Grundgerüst"

"Es war für Deutschland wichtig, ein gewisses Grundgerüst zu erhalten. Seit 2006 haben sie immer wieder eine gute Rolle gespielt", sagt Demichelis auf Nachfrage von Sport1.de.

Und er ergänzt: "Damals hatten die Deutschen aber Heimrecht, das hat ihnen einen Schub und Motivation gegeben. Wir werden letztlich in Südafrika sehen, wie stark sie sind."

Für die argentinische Nationalmannschaft wird der Innenverteidiger mit der wallenden Mähne in diesen Tagen in München auch ein wenig in die Rolle des Fremdenführers schlüpfen.

Schließlich spielt Demichelis seit sieben Jahren für die Bayern. Mittlerweile kann er lange über die Unterschiede zwischen Deutschland und Argentinien sprechen.

Lachen und Scherzen mit der Albiceleste

Über seine Landsleute erzählt er, dass die Spieler der Albiceleste lachend im Teambus zu den Partien fahren würden. Bei deutschen Mannschaften kann man sich das schwer vorstellen.

Und Demichelis nennt ein weiteres Beispiel: "Wenn wir um acht Uhr zu Abend essen, sitzen wir oft noch bis um zehn Uhr zusammen, erzählen von unseren Freunden, unseren Familien. In Deutschland ist das anders."

"Hier hat jeder sein eigenes Leben"

An die Lebensweise hierzulande hat sich Demichelis angepasst.

Beim FCB waren früher die Südamerikaner Claudio Pizarro, Roque Santa Cruz und auch Jose Ernesto Sosa seine Ansprechpartner, jetzt verbringt Demichelis die meiste Zeit mit seiner jungen Familie.

Das Trikot des FCB trägt er mit Stolz und gesteht dennoch: "Hier hat jeder nach dem Training sein eigenes Leben."

Vor dem Match gegen Deutschland gab es natürlich schon erste Sticheleien mit den Münchner Mannschaftskollegen.

Schweinsteiger will Argentinien aus dem Stadion schießen

Bastian Schweinsteiger berichtet, dass er "Micho" mutig angekündigt hatte: "Wir schießen euch aus dem Stadion."

Und der hat prompt geantwortet: "Ne, das gibt eine Klatsche für euch."

Für Demichelis geht es am Mittwoch auch darum, Maradona endgültig von einer WM-Nominierung zu überzeugen.

2006 nur WM-Zuschauer

2006 flog der Verteidiger kurz vor der WM aus dem Kader - einer der bittersten Momente seiner Karriere.

"Es fehlt nicht mehr viel, Maradona zu überzeugen, dass ich der Richtige bin", meint er nun.

Mit seiner Rolle in der Nationalelf ist er ohnehin zufrieden, "den Platz dort habe ich mir auch mit den Leistungen bei Bayern verdient".

Auch im entscheidenden Spiel gegen Uruguay spielte Demichelis.

Maradona als "spielernaher Trainer"

Sein Kontakt zu Maradona gilt als gut, die beiden telefonieren von Zeit zu Zeit. "Diego bietet oft den Spielern Hilfe an, er ist ein spielernaher Trainer", beschreibt der Bayern-Profi den einstigen Weltstar.

Für die WM zählt Demichelis neben Deutschland auch England und Brasilien zu den Favoriten.

Zu den Chancen des eigenen Teams sagt er: "Wir haben unter anderem Gonzalo Higuain, Lionel Messi, Diego Milito und Carlos Tevez: Das sind große Namen, aber wir müssen zusammen arbeiten."

Wie gut es mit den Mitspielern bereits funktioniert, wird Demichelis im gefühlten Heimspiel gegen Deutschland testen.

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