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Franz Beckenbauer (r.) trainierte die DFB-Auswahl von 1984 bis 1990 © imago

Vor dem Länderspiel gegen Argentinien spricht sich Beckenbauer für eine schnelle Lösung der ungeklärten Vertragssituation aus.

Von Martin Volkmar

München - Natürlich ist das ein "Klassiker", sagt Franz Beckenbauer und sorgt für ein Grinsen bei den Zuhörern.

Schließlich ist Beckenbauers Bonmot "We call it a Klassiker" über das Duell mit England ein fest stehender Begriff unter Fußball-Fans.

Doch die Argentinier haben es dem "Kaiser" mindestens ebenso angetan. Noch bestens erinnert er sich an sein verpatztes Debüt als DFB-Teamchef 1984, als die deutsche Mannschaft beim 1:3 von den Argentiniern vorgeführt wurde.

Wiedersehen der einstigen Weltstars

Zwei Jahre später war sein Team schon auf Augenhöhe, verlor aber aufgrund eines Geniestreichs von Diego Maradona das WM-Finale noch 2:3.

"Vier Jahre später haben wir den Spieß dann umgedreht", erinnert sich Beckenbauer an das 1:0 im WM-Endspiel von Rom, nachdem Maradona mit Tränen das Spielfeld verließ.

Nun gibt es ein Wiedersehen mit dem einstigen Weltstar, der inzwischen die "Albiceleste" trainiert und am Mittwoch (Mi., ab 20.15 Uhr LIVE) letzter deutscher Testgegner vor der WM-Nominierung im Mai ist.

Doch die Freude auf das Treffen mit Superstars wie Lionel Messi ist keinesfalls ungetrübt.

Argentinien soll kein zweites Italien werden

Beim DFB geht in diesen Tagen der bange Blick zurück auf den März 2006, als WM-Gastgeber Deutschland in Italien 1:4 vermöbelt wurde und danach wochenlang über Bundestrainer Jürgen Klinsmann diskutiert wurde.

Dessen Nachfolger Joachim Löw saß bis zu seinem 50. Geburtstag vor einem Monat sicher im Sattel. Doch nach der geplatzten Vertragsverlängerung ist alles anders.

Das Worst-Case-Szenario: Das deutsche Team blamiert sich in der Allianz Arena gegen Argentinien und plötzlich kommt eine Debatte um den Bundestrainer in Gang, deren Eigendynamik ein erfolgreiches WM-Abschneiden in Südafrika in Frage stellt.

"Es wäre gut, wenn das vorher gelöst wird"

Diese Gefahr sieht auch Beckenbauer. ?Natürlich ist es nicht ideal, wenn nach einer Niederlage alles sofort hinterfragt wird?, sagte der 64-Jährige auf Nachfrage von Sport1.de.

?Es wäre gescheiter, wenn alles unter Dach und Fach wäre. Dann kann man sich Ruhe auf die WM vorbereiten und muss sich nicht lästigen Fragen stellen.?

Vor allem während der Endrunde sei das nach seinen Erfahrungen ein großes Problem. "Eine WM ist für Spieler und vor allem für den Trainer die schrecklichste Zeit", meinte Beckenbauer.

"Da brauch man seine Ruhe und Konzentration. Solche Nebenkriegsschauplätze stören bei einem großen Turnier. Es wäre gut, wenn das vorher gelöst wird."

Keine Alternative

Deshalb forderte das DFB-Präsidiumsmitglied Löw und Verbandsboss Theo Zwanziger auf, "ihre starre Haltung" aufzugeben:

"Vielleicht findet man noch eine Lösung noch vor der WM. Das wäre ideal. Ich würde mir es sehr wünschen."

Zumal Beckenbauer auch nach der WM keine Alternative sieht. "Das Ziel muss es sein, mit Löw weiterzumachen. Je eher das passiert, umso besser."

Während der 50-Jährige erst nach der WM-Endrunde wieder über dieses Thema reden will, ist die DFB-Seite zu neuen Gesprächen bereit.

Niersbach pro Löw und Bierhoff

"Sportlich, fachlich und menschlich halte ich Jogi Löw für den richtigen Mann", sagte Generalsekretär Wolfgang Niersbach der "Bild".

Sogar eine weitere Zusammenarbeit mit Teammanager Oliver Bierhoff schloss er ebenfalls nicht aus, das Vertrauen sei wieder hergestellt. Sollte es aber dennoch keine Einigung geben, dann "brauchen wir nach der WM eine schnelle Entscheidung", so Niersbach.

Für Beckenbauer ist das viel zu spät. Denn so lange das Thema offen bleibt, sorgen nur Erfolge für Ruhe. Und eine Niederlage am Mittwoch wohl für genau das Gegenteil.

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