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Diego Maradona (r.) gibt Lionel Messi beim Training Tipps © imago

Vor dem Test gegen Deutschland richten sich alle Blicke auf Diego Maradona. Der Trainer stellt Stars wie Lionel Messi in den Schatten.

Von Thorsten Mesch

München - Als die Ordner endlich die Türen zur Pressetribüne öffneten, schwärmten die Fotografen aus wie angriffslustige Wespen.

Blitzartig richteten sie die Objektive auf den kleinen dicken Mann, der schon dabei war den Rasen zu verlassen.

Diego Maradona hatte das Abschlusstraining seiner Mannschaft am Dienstagabend in der in der Allianz Arena unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt und so den Journalisten wieder einmal ein Schnippchen geschlagen.

Messi im Schatten des Trainers

Die Spieler und Betreuer der deutschen Mannschaft, die bereits auf dem Rasen warteten, verfolgten gespannt jeden Schritt des einstigen weltbesten Fußballers. Hände wurden geschüttelt und sogar Erinnerungsfotos geschossen.

Dass Lionel Messi, aktueller Weltfußballer und der Superstar in Maradonas Mannschaft, noch fleißig Torschussübungen absolvierte, interessierte anscheinend nicht einmal am Rande.

"Maradona ist der Star der Mannschaft"

"Maradona ist der Star der Mannschaft", sagt Franz Beckenbauer, der die DFB-Auswahl nach dem verlorenen Finale von 1986 vier Jahre später in Italien als Teamchef zum WM-Triumph gegen Argentinien führte.

"Er nimmt der Mannschaft erst einmal den Druck, indem er durch seine Art und sein Auftreten alles Interesse auf sich zieht." Wie am Montag, als Maradona das erste Training mit einer Zigarre im Mund leitete. 208804(DIASHOW: Die Bilder)

Große Probleme in der Qualifikation

Der WM-Test gegen die deutsche Mannschaft (ab 20.15 Uhr LIVE) ist für Argentiniens umstrittenen Nationaltrainer jedoch "eine klassische und entscheidende Prüfung", wie die Zeitung "La Nacion" am Mittwoch schrieb.

Das Duell mit der DFB-Auswahl, Neuauflage der beiden erwähnten Endspiele sowie des skandalumwitterten WM-Viertelfinals von 2006, ist für Maradona und sein Team ein höchst wichtiger Prüfstein, auch weil der Weg des zweimaligen Weltmeisters zur Endrunde in Südafrika äußerst mühsam war.

"Sie hatten ja große Probleme sich zu qualifizieren, was ich selbst nicht verstehe", sagt Beckenbauer, der angesichts der Vielzahl von Stars ins Schwärmen gerät: "Wenn man sich die Namen da anschaut, die da mitspielen, dann ist das eine großartige Mannschaft."

Palermo nun bester Boca-Torschütze

Am Tag des Spiels sorgt jedoch nicht Barcelonas Weltstar Lionel Messi für Schlagzeilen in Argentinien, sondern ein Spieler, der überhaupt nicht mit nach Deutschland gereist ist: Martin Palermo.

Der mittlerweile 37-Jährige gehörte am Dienstagabend beim dramatischen 4:4 der Boca Juniors bei Velez Sarsfield zu den Torschützen und ist nun mit 218 Treffern der erfolgreichste Goalgetter des Vereins, bei dem auch Maradona von 1981 bis 1982 vor seinem Wechsel zum FC Barcelona spielte.

Der Retter gegen Peru

Palermo war im vergangenen September nach zehnjähriger Pause von Maradona erstmals wieder in den Kader der "Albiceleste" berufen worden.

Am 10. Oktober erzielte er im WM-Qualifikationsspiel gegen Peru in der Nachspielzeit den Treffer zum 2:1-Endstand und sicherte Argentinien den Platz in den Playoffs gegen Uruguay.

Maradona sprach anschließend vom "heiligen Palermo", der den Argentiniern ein zweites Leben geschenkt hätte. Ihm selbst rettete Palermos Tor und der knappe Erfolg in den Ausscheidungsspielen den Job als Nationaltrainer.

Stürmer für die WM stehen fest

Für die WM-Endrunde ist Palermo, der nach vier Jahren in Spanien 2004 zu Boca zurückgekehrt war, laut Maradona gesetzt.

Das gilt auch Barcelonas Messi, Gonzola Higuain (Real Madrid), Carlos Tevez (Manchester City), Diego Milito (Inter Mailand) und Sergio Agüero, Maradonas bei Atletico Madrid spielenden Schwiegersohn.

Im Verein spitze, in der "Albiceleste" schwach

Doch während die argentinischen Stürmer in ihren Vereinen überragende Leistungen zeigen - Messi führt in Spanien die Torschützenliste vor Higuain an, Milito ist in Italien Zweiter, Tevez in England auf Platz vier - klappt bei ihnen in der Nationalmannschaft nur wenig.

Ob es an Maradona liegt? "Er nimmt den Glanz von der Mannschaft", sagt Beckenbauer, "vielleicht hatten sie auch deshalb Probleme in der Qualifikation."

Dort gelangen Messi und Agüero nur jeweils vier, Higuain sogar nur ein Treffer.

Kleiner Kerl mit großer Wirkung

Messi und Higuain werden gegen Deutschland in der Startelf stehen und alles daran setzen, die deutsche Abwehr gehörig durcheinander zu wirbeln.

Aber wie sie auch spielen, die Blicke werden immer wieder auf Maradona gerichtet sein.

"Als er Nationaltrainer wurde, stand es in jeder Zeitung auf dieser Welt", erinnert sich Beckenbauer, "da sieht man einmal, was der kleine Kerl für eine Wirkung auf den Fußball hat."

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