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Coachte von 1987 bis 1990 und von 2006 bis 2008 Österreichs Nationalelf: Josef Hickersberger © getty

Österreich spielt gegen seinen größten Albtraum, die Färöer. Ex-Coach Hickersberger ist froh, nicht mehr verantwortlich zu sein.

München - Seinen Platz auf dem heimischen Sofa möchte Josef Hickersberger nicht abgeben.

Zumindest nicht am Samstag (ab 16.45 Uhr LIVE ), wenn die österreichische Nationalmannschaft auf den Färöern spielen muss - und den ehemaligen Teamchef an dessen bitterste Niederlage erinnert.

Er sei "froh, nicht dabei zu sein", sagt der 60-Jährige, der nach der EM zurückgetreten war.

Vor 18 Jahren nämlich war Hickersberger zum "Färöer-Pepi" geworden.

"Europa lacht sich krumm"

Österreich mit Toni Polster und Andreas Herzog verlor in der EM-Qualifikation in Landskrona sensationell 0:1 - und die Volksseele kochte.

"Von den Zwergen ins Elend gestürzt! Europa lacht sich krumm über uns", titelte damals die "Kronenzeitung".

"Hicke" musste gehen

Dabei hatte Hickersberger vorher nichts dem Zufall überlassen und die Färinger, die ihr erstes offizielles Länderspiel bestritten, beim 0:6 gegen den dänischen Erstligisten Bröndby IF intensiv beobachtet.

"Wir spielen gegen die schlechteste Nationalmannschaft, die wir je getroffen haben", tönte "Hicke".

Nachdem die Fischverkäufer und Holzhändler gewonnen hatten, war er als "Färöer-Pepi" nicht mehr zu halten. Hickersberger reichte seinen Rücktritt ein und kehrte erst 2006 als österreichischer Teamchef zurück.

Ein Spiel wie Cordoba

An die historische Pleite, die ihn selbst besonders hart traf, will Hickersberger am liebsten gar nicht erinnert werden. "Das ist so wie Cordoba", meint "Hicke".

Der sensationelle 3:2-Triumph bei der WM 1978 in Argentinien gegen den großen Nachbarn Deutschland sei "halt eine positive Geschichte, aber interessiert auch keinen mehr", sagt er, "und dieses Spiel gegen die Färöer sollte auch keinen mehr interessieren".

"Es war richtig aufzuhören"

Dass sein ehemaliges Team am Samstag in der Qualifikation für die WM 2010 in Torshavn auf den Färöern antreten muss, war "mit ein Grund, warum ich nicht mehr Teamchef bin", gibt Hickersberger zu.

Nach der EM im eigenen Land das Handtuch zu werfen, war - nicht nur wegen des Wiedersehens mit dem Färingern - eine richtige Entscheidung, meint er: "Ich bin noch immer felsenfest davon überzeugt, dass mein Entschluss, als Teamchef aufzuhören, gut für den ÖFB, die Mannschaft und in erster Linie auch für mich selbst war."

Die Lebensqualität habe sich eindeutig verbessert, sagt der Vorruheständler.

Im Gespräch mit Ghana

Doch nur auf dem Sofa sitzen, wenn anderswo Fußball gespielt wird, will Hickersberger auch nicht. "Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass ich wieder arbeiten werde, wenn sich eine gute Gelegenheit bietet", sagt er.

Mit dem ghanaischen Verband verhandelte er bereits, konnte sich aber nicht auf ein Engagement als Nationaltrainer einigen.

Ohne "Hicke" startete Österreich vielversprechend in die WM-Qualifikation: Nach einem 2:2-Achtungserfolg im Länderspiel gegen Weltmeister Italien gelang ein 3:1-Triumph gegen Frankreich. Ein 0:2 in Litauen warf Austria allerdings schon wieder zurück.

Reise gut geplant

Die Österreicher, mittlerweile gecoacht vom Tschechen Karel Brückner, gehen die Expedition auf die Färöer diesmal akribisch an.

Das Team machte sich bereits am Donnerstag per Flieger auf in den Norden.

Eine Odyssee, wie sie vor einem Jahr die Franzosen erlebten, wollten die Österreicher unbedingt vermeiden. Die Franzosen konnten damals wegen miesen Wetters den Flughafen nicht ansteuern und mussten notgedrungen eine Nacht in Norwegen verbringen.

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