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Bei der WM 2006 standen Domenech (l.) und Ribery mit Frankreich im Finale © getty

Frankreichs Nationaltrainer Raimond Domenech steht in der Kritik. Vor dem Spiel gegen Rumänien hofft er auf Frank Ribery.

Paris - Die Woche war chaotisch, der Trainer steht vor dem Abschuss, doch die Rückkehr von Franck Ribery soll im Umfeld der französischen Nationalmannschaft das Lachen zurückbringen.

Deutschlands Fußballer des Jahres gehört erstmals seit seiner Syndesmoseverletzung im EM-Spiel gegen Weltmeister Italien (0:2) wieder zum Kader der Equipe Tricolore, und an ihm hängen gleich alle Hoffnungen.

"Kaiser Franck", wie er auch in Frankreich inzwischen gerufen wird, soll die Stimmung retten und auch auf dem Spielfeld die entscheidenden Impulse setzen.

Obwohl der Mittelfeldstar für den deutschen Meister Bayern München erst 217 Pflichtspiel-Minuten in dieser Saison absolviert hat, hat der heftig in der Kritik stehende Coach Raymond Domenech den Dribbelkönig vor dem WM-Qualifikationsspiel am Samstag in Bukarest gegen Rumänien (Sa., ab 19 Uhr LIVE) ohne Zögern nominiert.

Denn er braucht Ribery wie keinen anderen. Es geht um seinen Job.

Domenech vor dem Aus

Am Mittwoch trifft sich die Verbandsspitze, um über die Zukunft des schon nach dem EM-Aus nur mit Kompetenz-Beschneidungen im Amt gehaltenen Nationaltrainer zu entscheiden. Die Kritiker sind offenbar in der Mehrzahl.

"Wenn man sich von ihm trennen muss, wäre es dann am leichtesten, weil man dann vier Monate Zeit hätte, jemanden zu finden", sagte ein nicht genannter Verbandsfunktionär der Nachrichtenagentur "afp" und forderte in Rumänien uneingeschränkt einen Sieg: "Ein Unentschieden oder eine Niederlage, das wäre praktisch dasselbe."

Nach dem 1:3 zum Auftakt in Österreich am 6. September war Domenech praktisch schon entlassen. Allein die Tatsache, dass das nächste Spiel schon vier Tage später anstand, rettete ihn damals wohl vor dem Rauswurf. Der 2:1-Sieg gegen Serbien verschaffte ihm dann eine weitere Schonfrist.

"Das war hart"

Der sehnlichst vermisste Ribery verfolgte die beiden Partien leidend vor dem Fernseher. "Das war hart", sagte er: "Ich habe von außen gesehen, dass die Mannschaft sehr schwere Tage hatte und dass es auch hart für den Trainer war." Gleich bei seiner Ankunft im Quartier versuchte der Spaß-Fußballer deshalb, sein Team aufzurütteln.

"Vielleicht haben manche Angst vor dem Druck der Medien und der Öffentlichkeit", meinte der 25-Jährige und appellierte an seine verunsicherten Mitspieler: "Man muss etwas wagen. Man muss dribbeln und den Weg zum Tor suchen. Und vor allem muss man Spaß haben."

Gerüchte und Anschuldigungen

Das fiel in der vergangenen Woche aber wieder nicht leicht. Die Sporttageszeitung "L'Equipe" schrieb, Ex-Nationalcoach Gerard Houllier stehe bereits als Domenechs Nachfolger bereit.

Was dieser umgehend dementierte: "Ich werde Technischer Direktor bleibe. Egal, was beim Treffen des Verbandes am 15. Oktober herauskommt."

Für Wirbel sorgte außerdem die Zeitung "Le Parisien" mit der Behauptung, Mittelfeldspieler Patrick Vieira habe bei der EM geplant, ein in Frankreich verbotenes Mittel einzunehmen, um den Heilungsprozess zu beschleunigen.

Der Welt- und Europameister erklärte, das seien "schwere Anschuldigungen, die mich nerven". Er habe sich umgehört, und ein deutscher Arzt habe ihm das Mittel empfohlen, "doch ich habe lieber auf meine Gesundheit geachtet".

Mit Spaß zum Sieg

Spätestens nach dem Abpfiff am Samstag sollen solche Geschichten vergessen sein. Im Falle einer Niederlage in Rumänien steht Domenech beim Freundschaftsspiel am Dienstag gegen Tunesien ein Spießrutenlauf bevor. Verhindern soll dies Spaßvogel Ribery.

"Er ist mein absolutes Vorbild", sagte Sturmhoffnung Karim Benzema: "Er sorgt für Stimmung. Und auch auf dem Platz ist er unheimlich wichtig."

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