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Der Slowake Jan Kocian (l.) ist Co-Trainer des Tschechen Karel Brückner © imago

Nach dem Sieg gegen Frankreich wurde Österreichs Nationaltrainer gefeiert. Nach der Färöer-Blamage wächst Kritik am Tschechen.

Von Thorsten Mesch

München - "Einfach nur peinlich", titelte der Wiener "Kurier" nach dem 1:1 der österreichischen Nationalmannschaft auf den Färöer Inseln.

Nach dem 3:1 im Auftaktspiel der WM-Qualifikation gegen Frankreich wurden die EM-Gastgeber euphorisch gefeiert. Doch nach dem peinlichen 1:1 auf den Färöer Inseln herrschen schon wieder Ernüchterung und Ratlosigkeit.

"Wenn wir in Litauen und auf den Färöern nicht gewinnen, brauchen wir nicht zu glauben, in Serbien oder in Frankreich bestehen zu können", meinte Ex-Nationalspieler Andreas Herzog.

"Die gute Ausgangssituation aus dem ersten Spiel haben wir uns damit verhauen. Das war kein Ruhmesblatt", sagte der Assistent von ÖFB-Teamchef Karel Brückner.

Kämpferischer Tscheche

Der Trainer-Oldie gab sich zumindest schon wieder kämpferisch. "Wir haben zwei Punkte verloren. Jetzt müssen wir uns drei gegen Serbien holen", sagte Brückner mit Blick auf die nächste Partie.

Dem Duell mit dem von Radomir Antic trainierten Spitzenreiter der Gruppe 7 wird im Vorfeld bereits vorentscheidende Bedeutung zugeschrieben.

Ex-Nationalspieler übt Kritik

Denn Brückner, der nach dem 2:2 im Testspiel bei Weltmeister Italien und dem 3:1 gegen Vize-Weltmeister Frankreich schon als Messias gefeiert wurde, steht nach dem 0:2 in Litauen und dem 1:1 auf den Färöern in der Kritik.

Ex-Nationalspieler Peter Stöger frage in der Sendung "Sport am Sonntag" warum man einen ausländischen Teamchef bräuchte, wenn es auch in Österreich gute Trainer gäbe.

Brückner lasse sich nicht häufig genug in den österreichischen Stadien blicken, lautete ein in einigen Medien erhobener Vorwurf. Die Partie gegen Serbien wurde sogar schon als letzte Chance für den Tschechen hochstilisiert.

"Sie hoffen, dass wir verlieren"

"Das geht in Österreich leider immer schnell. Manche Ex-Internationale kommen ins Stadion und hoffen, dass wir verlieren, damit man auf uns draufhauen kann", sagte Teamspieler Paul Scharner zu "Laola1.at"

"Solange das passiert, ist es meiner meiner Meinung nach schwierig, den österreichischen Fußball weiterzuentwickeln."

"Kein Schicksalsspiel"

Brückners Co-Trainer Jan Kocian lässt sich zumindest nicht beirren. "Über ein Spiel der letzten Chance möchte ich eigentlich noch nicht reden", verteidigt Kocian seinen Chef. "Und über ein Schicksalsspiel schon gar nicht. Da gibt es ganz andere Schicksale", betonte der ehemalige Bundesligaprofi udn frühere Nationaltrainer der Slowakei.

Die Kritik an der angeblich mangelnden Präsenz Brückners lässt der Slowake nicht gelten. "Alles Schwachsinn! Brückner weiß alles über jeden Spieler. Wenn man unter präsent versteht, im VIP-Raum Hände zu schütteln, ist es nicht sein Stil", sagte Kocian.

ÖFB-Boss: Trainer wird nicht geopfert

ÖFB-Präsident Friedrich Stickler hatte nach der Blamage in Torshavn erklärt, er werde Brückner bei einer Niederlage gegen Serbien nicht opfern, doch eins ist klar: Durch die Blamage auf den Schafsinseln haben die Österreicher eine gute Ausgangsposition verspielt.

Die Tabelle der Gruppe 7, in der Österreich mit vier Zählern hinter Serbien und Litauen (je sechs), aber noch vor Frankreich und Rumänien steht, gibt die Situation nur unzureichend wieder.

"Wir stehen jetzt unter größerem Druck und müssen einiges verbessern", betonte Kocian: "Aber mit dieser Situation müssen die Spieler umgehen können."

Rückkehr zum Defensivkonzept

Vieles deutet darauf hin, dass Brückner gegen Serbien zu seinem Defensivkonzept mit nur einem Stürmer zurückkehrt, das sich gegen Italien und Frankreich bewährt hatte.

Beim 0:2 in Litauen fehlte jedoch ohne Stammstürmer Marc Janko die Durchschlagskraft, und auf den Färöern ließen die Rot-Weiß-Roten mit einer handvoll Offensivspielern einige hochkarätige Chancen aus.

"Man muss wieder aufstehen"

"So schlecht wie es dargestellt wurde, war das Spiel nicht", warf Abwehrspieler Emanuel Pogatetz den Berichterstattern vor und erklärte das jüngste Negativerlebnis als abgehakt:

"Nach so einer Niederlage muss man wieder aufstehen. Es ist noch Selbstvertrauen in der Mannschaft."

Coach plagen Rückenschmerzen

Mit dem Aufstehen hat Karel Brückner jedoch momentan Probleme. Der 68-Jährige, der vor einem Jahr am Rücken operiert wurde, ist derzeit Dauergast in der medizinischen Abteilung.

"Er ist aber natürlich bei allen Besprechungen und Trainings mit dabei", erklärte Kocian: "Er liegt ja nicht auf der Intensivstation."

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