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Reinhold Fanz machte insgesamt 186 Erst- und Zweitligaspiele in der Bundesliga © getty

Nach der Flucht zweier Nationalspieler wird Kuba-Coach Reinhold Fanz zum Berater degradiert. Eine Mitschuld weist er von sich.

Havanna - Dem Debakel folgte die Entmachtung: Der kubanische Fußball-Nationaltrainer Reinhold Fanz ist nach der 1: 6-Pleite in der WM-Qualifikation am vergangenen Samstag in Washington gegen die USA vom Verband degradiert worden.

Der 54-jährige Deutsche fungiert künftig nur noch als Berater, während die sportliche Verantwortung für die A-Nationalmannschaft Raul Gonzalez Triana übernommen hat.

Offenbar wird Fanz auch eine Mitschuld für die Flucht der beiden Auswahlspieler Pedro Faife und Reynier Alcantara gegeben, die sich im Vorfeld des WM-Quali-Spiels von ihrer Mannschaft in den USA abgesetzt und um politisches Asyl gebeten hatten.

"Wir können die Spieler nicht anketten"

Der Chefcoach hatte die Flucht der beiden Akteure in einem Gespräch mit der Washington Post bestätigt.

Fanz wies allerdings im Zusammenhang mit der Flucht darauf hin, dass der kubanische Verband die Spieler vor Auslandsreisen überprüft und nur "linientreue" Akteure entsendet.

"Ich muss immer abwarten, welche Spieler ich überhaupt mitnehmen kann.

Wir haben Sicherheitsvorkehrungen, können die Spieler aber schließlich nicht in Handschellen in ihren Hotelzimmern anketten", hatte der gebürtige Mannheimer, der als Spieler 1979 mit Fortuna Düsseldorf deutscher Pokalsieger war, erklärt.

Alle Spiele verloren

Im staatlichen kubanischen Fernsehen wurden die geflüchteten Spieler als Vaterlandsverräter beschimpft: "Sie haben ihre Mannschaft betrogen, weil sie den Anreizen des westlichen Geldes erlegen sind."

In jüngerer Vergangenheit haben sich insgesamt zwölf kubanische Fußballer bei US-Gastspielen ihrer Mannschaften abgesetzt, zuletzt sieben U23-Spieler in Tampa/Florida.

Fanz, ehemaliger Bundesliga-Profi und -Trainer von Eintracht Frankfurt, hatte erst im März die Aufgabe auf dem Inselstaat in der Karibik übernommen.

Kuba hatte alle vier Spiele in der WM-Qualifikation verloren und damit vorzeitig alle Chancen auf ein WM-Ticket in der Gruppe 1 der CONCACAF-Ausscheidung eingebüßt.

Der größte Erfolg der kubanischen Fußballer ist immer noch die WM-Teilnahme 1938 in Frankreich.

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