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Raymond Domenech (l.) ist seit Juli 2004 Nationaltrainer Frankreichs © getty

Französischer Verband schenkt Nationaltrainer das Vertrauen. Pfiffe beim Testspiel gegen Tunesien sorgen für Empörung.

Von Michael Schulz

München - Der in der Kritik stehende Raymond Domenech bleibt Trainer der französischen Nationalmannschaft. Der 56-Jährige wurde bei einer Sitzung des Fußball-Verbandes (FFF) am Mittwoch bis zur WM 2010 im Amt bestätigt.

In dem geheimen Votum in Paris stimmten neun für Domenech, einer enthielt sich.

"Wir sind auf dem richtigen Weg und haben noch alle Chancen für die Weltmeisterschaft", erklärte FFF-Präsident Jean-Pierre Escalettes: "Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie mit Domenech zur WM will."

Remis und Sieg

Nach dem 1:3 zum Auftakt der WM-Qualifikation in Österreich am 6. September war Domenech, der schon nach dem Vorrunden-Aus bei der EM im Sommer in der Schlusslinie geraten.

Der 2:1-Sieg vier Tage später gegen Serbien verschaffte ihm dann eine weitere Schonfrist.

Durch das 2:2 am Samstag in der "Quali" gegen Rumänien sowie das 3:1 am Dienstagabend in Paris im Testpiel gegen Tunesien saß der Trainer beim Weltmeisters von 1998 wieder fester im Sattel.

Pfeifkonzert bei Hymne

Pfiffe gab es beim Erfolg der Franzosen im Stade de France vor 62.000 Zuschauern aber dennoch, sie galten aber nich Domenech.

Das Abspielen der "Marseillaise" wurde mit lauten Buhrufen und einem Pfeikonzert der zahlreichen tunesischen Anhänger begleitet. Auch beim Verlesen der Aufstellung der Franzosen wurde insbesondere die Spieler mit nordafrikanischer Herkunft ausgepfiffen.

Am härtesten traf es Hatem Ben-Arfa von Olympique Marseille, dessen Eltern aus Tunesien stammen

Zu ähnlichen Zwischenfällen war es im Stade de France bereits vor den freundschaftlichen Länderspielen gegen Marokko im November 2007 und Algerien im Oktober 2001 gekommen.

Spielabsage gefordert

Francois Fillon hat nach dem Vorfall von St. Denis drastische Maßnahmen wie eine spontane Spielabsage gefordert. "Das ist eine Beleidigung für Frankreich und seine Nationalspieler. So etwas sollte nicht toleriert werden", schimpfte Frankreichs Premierminister und meinte: "Ich finde, man sollte so eine Veranstaltung sofort beenden."

Fillon äußerte sein Bedauern darüber, dass der französische Verband die Parite nicht annulliert hatte.

Sogar Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy schaltete sich "nach den skandalösen Vorkommnissen" ein. Das Staatsoberhaupt will sich in den kommenden Tagen mit Escalettes, sowie Sportminister Roselyne Bachelot und Staatssekretär Bernard Laporte über die Situation und mögliche Präventionsmöglichkeiten beraten.

Aus für St. Denis?

Laporte schlug mittlerweile sogar vor, Spiele gegen nordafrikanische Länder nicht mehr im Stade de France von St. Denis austragen zu lassen.

Eigentlich sollten Sport-Veranstaltungen eine Möglichkeit für Spieler, Trainer und Fans bieten, sich auf der Grundlage von gegenseitigem Respekt zu begegnen, erklärten Bachelot und Laporte in einem Statement.

Zwei Tore von Henry

Durch die Zwischenfälle geriet das Sportliche fast in den Hintergrund. Tunesien mit dem Leverkusener Karim Haggui führte durch ein Tor von Issam Jemaa (30.). Doch einen Doppelschlag von Thierry Henry (40. und 48.) brachten die Franzosen auf die Siegerstraße.

In seinem 107. Länderspiel stockte der Barca-Star Henry damit sein Trefferkonto in der Equipe Tricolore auf 48 auf.

Den dritten Treffer für die Gastgeber erzielte Karim Benzema (58.).

Lob von Ribery

Franck Ribery vom deutschen Rekordmeister Bayern München kam nur in der ersten Hälfte zum Einsatz, konnte sich aber anders als beim 2:2 in Rumänien in Szene setzen.

"Die Tunesier waren sehr aggressiv, vor allem in der Zweikämpfen", erklärte der Mittelfeldspieler in der "L'Equipe": "Doch dank der Treffer von Henry sind wir wieder in die Partie zurückgekommen und haben nach der Pause ähnlich gut gespielt wie gegen Rumänien."

Nach dem Abpiff wiederholte Ribery, dass die ganze Mannschaft "für den Trainer gespielt" habe.

Schwachpunkt bleibt Abwehr

Das Gegentor bezeichnte der Bayern-Spieler als "vermeidbar", doch der Rückstand offenbarte erneut, wo es bei den Franzosen erneut hapert: an der Defensive.

Hier wird Trainer Domenech in seiner Arbeit bis zur WM 2010 ansetzen müssen, um weiteren Diskussionen um seine Position zu entgehen.

"Was zählt, ist einzig und allein die Qualifikation. Auch 2005 waren wir erst am letzten Spieltag Gruppen-Erster", ewiderte er und nahm das Positive aus dem Tunesien-Spiel mit: "Ich sah Enthusiasmus und einen Spielstil, den wir suchten."

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