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Bayern-Ass Arjen Robben zielt mit den Niederlanden auf Platz eins in WM-Gruppe E © getty

Nur noch vier Wochen bis zum Anpfiff der WM in Südafrika. In Teil 4 des WM-Checks nimmt SPORT1 die Gruppe E unter die Lupe.

Von Christian Stüwe

München - In Kürze steigt die Weltmeisterschaft mit dem Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Südafrika und Mexiko.

32 Teams machen sich auf den Weg in das südlichste Land Afrikas, um den neuen Titelträger zu ermitteln. 182382(DIASHOW: 32 Teams - 32 Stars)

Die Vorrunde wird in acht Vierergruppen ausgespielt, SPORT1 stellt dazu jeweils eine Gruppe vor. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Im vierten Teil wird die Gruppe E mit den Niederlanden, Dänemark, Japan und Kamerun unter die Lupe genommen.

Niederlande

Größte Erfolge: "Wir spielen fast immer den schönsten Fußball, aber gewonnen haben wir noch nie", brachte Bayerns Mark van Bommel das Dilemma der Niederländer einmal kurz und knapp auf den Punkt. In den 70er-Jahren etablierten die Ballkünstler aus dem deutschen Nachbarland um Johan Cruyff den "Voetbal total".

Doch dem herrlich anzuschauenden Kombinationspiel blieb die Krönung verwehrt. 1974 stoppte das deutsche Team Oranje im Finale der WM, vier Jahre später hatte Argentinien in der Verlängerung des Endspiels (3:1) die Nase vorn. In Südafrika nehmen die Niederländer den neunten Anlauf bei einer WM-Endrunde.

Weltranglistenplatz: 4 (Stand: 28. April 2010)

Trainer: Bert van Marwijk

Star: Arjen Robben scheint beim FC Bayern sein Glück gefunden zu haben. Haftete ihm früher das Image des "Glas-Mannes" an, ist er nun in München weitgehend verletzungsfrei und spielt groß auf. Die jüngsten Erfolge der Bayern sind eng mit Robben verknüpft. In dieser Form dürfte er auch in Südafrika für Aufsehen sorgen.

Situation: Viele Jahre herrschte zwischen Deutschland und den Niederlanden eine große fußballerische Rivalität, fast schon Feindschaft. Mittlerweile haben aber immer mehr Oranje-Spieler den Weg in die Bundesliga gefunden und sind dort zu Sympathieträgern und Erfolgsgaranten geworden.

Und so besteht fast ein Drittel des vorläufigen Kaders des früheren Dortmund-Coaches van Marwijk aus aktuellen oder früheren Bundesligaspielern. Van Bommel, Robben, Eljero Elia, Joris Mathijsen, Khalid Boulahrouz, Edson Braafheid, Orlando Engelaar, Nigel de Jong, Rafael van der Vaart - viele bekannte Gesichter werden für die Elftal auflaufen.

Doch einer fehlt: der Hamburger Ruud van Nistelrooy. "Nach seiner langwierigen Knie-Verletzung hat ihm einfach die Zeit gefehlt, um zu seiner notwendigen alten Form zu finden", sagte van Marwijk.

Dass der Trainer es sich erlauben kann, auf "Van the Man" zu verzichten, deutet aber bereits das enorme Offensivpotenzial der Niederländer an. Sie gehören wie immer zu den Favoriten auf den Titel.

Die Frage ist nur, ob sie es diesmal vermeiden können, in Schönheit zu sterben.

Dänemark

Größte Erfolge: Dänemark reist zum vierten Mal zu einer WM. Der größte Erfolg gelang 1998 in Frankreich, als die Dänen ins Viertelfinale einzogen.

Weltranglistenplatz: 35 (Stand: 28. April 2010)

Trainer: Morten Olsen

Star: Nicklas Bendtner vom FC Arsenal ist ein wuchtiger Stürmer, der auch bei der WM für das eine oder andere Tor gut sein dürfte.

Situation: Das dänische Team qualifizierte sich in Gruppe 1 vor Portugal und Schweden für die WM. Mit Bendtner und Daniel Agger aus Liverpool stehen zwei Premier-League-Stars im Aufgebot. Bekannt ist auch der ehemalige Schalker Christian Poulsen und der in die Jahre gekommene Jon Dahl Tomasson von Feyenoord Rotterdam.

Ansonsten setzt Olsen weitgehend auf unbekanntere Spieler, viele kommen auch aus der dänischen Liga. Trotzdem sollte "Danish Dynamite" nicht unterschätzt werden, wie bereits Schweden in der Qualifikation schmerzlich erfahren musste.

Japan

Größte Erfolge: Japan nimmt in Südafrika ebenfalls zum vierten Mal an einer WM-Endrunde teil. Der größte Erfolg war der Einzug ins Achtelfinale bei der Heim-WM 2002.

Weltranglistenplatz: 45 (Stand: 28. April 2010)

Trainer: Takeshi Okada

Star: Shunsuke Nakamura spielte viele Jahre in Europa, unter anderem für Celtic Glasgow und Espanyol Barcelona. Nun ist der Mittelfeldspieler in die Heimat zurückgekehrt und läuft für die Yokohama Marinos auf.

Situation: Japan ist eine typisch asiatische Mannschaft. Diszipliniert, laufstark, jeder einzelne Spieler ist sehr agil. Die Mannschaft funktioniert gut als Kollektiv und ist unangenehm zu spielen. "Wie ein Schwarm hungriger Fliegen", brachte es Trainer Okada auf den Punkt.

Allerdings hat Japan auch die typischen Schwächen asiatischer Mannschaften. Vor dem Tor fehlt der "Killer-Instinkt" und die Abwehrspieler sind nicht sonderlich robust, was gerade gegen Stürmer wie Bendtner oder Samuel Eto'o ein Problem werden könnte.

Dennoch haben die Japaner hohe Ziele. "Wir wollen die Welt überraschen und ins Halbfinale", kündigte Okada an.

Kamerun

Größte Erfolge: Bei der WM 1990 in Italien war Kamerun das Überraschungsteam. Die "Unbezähmbaren Löwen", mussten sich erst in der Verlängerung des Viertelfinales gegen England geschlagen geben. Bei den anderen vier WM-Teilnahmen war jeweils in der Vorrunde Schluss.

Weltranglistenplatz: 19 (Stand: 28. April 2010)

Trainer: Paul Le Guen

Star: Inter Mailands Samuel Eto'o wurde vor der Saison vom FC Barcelona gegen Zlatan Ibrahimovic eingetauscht. In Italien bewies Eto'o aber, dass er nach wie vor zu den besten Stürmern der Welt gehört. Mit Inter steht er im Champions-League-Finale.

Situation: Mit Eto'o haben die Afrikaner einen überragenden Stürmer in ihren Reihen. Allerdings ist der Kader nicht ausgeglichen besetzt, musste Le Guen doch relativ unerfahrene Bundesliga-Legionäre wie den 18-jährigen Joel Matip von Schalke 04, Eric Choupo-Moting (21) aus Nürnberg oder Georges Mandjeck (21) aus Kaiserslautern berufen.

Dennoch dürften die Kameruner in der Gruppe aufgrund ihrer enormen physischen Präsenz eine gute Rolle spielen.

SPORT1-Prognose:

Die Niederlande gewinnen die Gruppe. Dahinter streiten sich drei völlig unterschiedliche Teams um den zweiten Platz. Kamerun und Dänemark spielen den zweiten Platz aus, Japan hat die schlechtesten Karten.

Das sagt SPORT1-Kolumnist Huub Stevens:

"Der Anspruch von Oranje muss es sein, diese Gruppe für sich zu entscheiden. Da müssen die Niederländer gar nicht auf die anderen drei Teams schauen. Ich denke, dass Kamerun von den Spielern her gute Chancen hat weiterzukommen. Hinzu muss aber auch ein wirklicher Mannschaftsgeist kommen, woran es häufiger mal gehapert hat."

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