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Das italienische Nationalteam um Fabio Cannavaro wurde bisher viermal Weltmeister © getty

Einen Titel zu verteidigen, ist schwierig - das weiß auch Italien. Paraguay und die Slowakei liegen schon auf der Lauer.

Von Christian Stüwe und Mathias Frohnapfel

München - In Kürze steigt die Weltmeisterschaft mit dem Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Südafrika und Mexiko.

32 Teams machen sich auf den Weg in das südlichste Land Afrikas, um den neuen Titelträger zu ermitteln. 182382(DIASHOW: 32 Teams - 32 Stars)

Die Vorrunde wird in acht Vierergruppen ausgespielt, SPORT1 stellt in den kommenden Wochen jeweils eine Gruppe vor. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Im fünften Teil wird die Gruppe F mit Weltmeister Italien, Paraguay, Neuseeland und der Slowakei unter die Lupe genommen.

Italien

Größte Erfolge: Zum 17. Mal fährt die "Squadra Azzurra" zu einer WM. Bereits vier Mal konnten die Italiener gewinnen. Zuletzt 2006 in Deutschland.

Weltranglistenplatz: 5 (Stand: 28. April 2010)

Trainer: Marcello Lippi

Star: Stars gibt es viele in der "Squadra Azzurra". Doch die WM könnte vielleicht das Turnier von Antonio di Natale werden. Der Stürmer von Udinese Calcio ist groß in Form und sicherte sich zuletzt den zweiten Platz beim "Goldenen Schuh". Hinter Lionel Messi ist er mit 29 Treffern gemeinsam mit Didier Drogba Europas zweiterfolgreichster Stürmer.

Situation: Italien kommt als Titelverteidiger nach Südafrika, was traditionell keine leichte Aufgabe ist. Kapitän und Rekordspieler Fabio Cannavaro ist dementsprechend vorsichtig. "Es ist besser, wenn wir nicht von vorneherein Favoriten sind. Dann werden wir sehen, wie sich alles weiterentwickelt," sagte Cannavaro der "Gazzetta dello Sport".

Viele Spieler, die beim Triumph in Deutschland vor vier Jahren dabei waren, sind immer noch Säulen im Team. Und damals galt Italien schon als überaltetes Team. Cannavaro wischt diese Bedenken aber beiseite.

"Ich bin 36 Jahre alt, andere sind 32, oder 33. Ich habe mit 32 Jahren die Weltmeisterschaft gewonnen. Mit 30 ist man reifer und erfahrener. In einer Weltmeisterschaft zählt Erfahrung viel", sagte der Abwehrchef.

Gianluigi Buffon, Gianluca Zambrotta, Mauro Camoranesi, Gennaro Gattuso oder Andrea Pirlo sind in der Tat ausgebuffte Profis, die in in ihren Klubs immer noch wichtige Rollen spielen. Allerdings drängt sich ein wenig der Verdacht auf, dass sie ihren Höhepunkt überschritten haben.

Doch nicht alles ist wie vor vier Jahren. Mit Fabio Grosso strich Lippi einen der Helden des Turniers in Deutschland aus dem vorläufigen Kader. Stars wie Francesco Totti, Luca Toni oder Marco Materazzi waren erst gar nicht dabei. (SERVICE: Die Kader der WM-Teilnehmer)

Dementsprechend steht der Nationaltrainer auch in der Kritik. Lippi richtete zuletzt einen Appell an die italienischen Medien, um den Fans Vertrauen in die Mannschaft zu vermitteln. Er spüre "Skepsis, daher bitte ich um ein wenig Vertrauen für diese Spieler, die die Nationalmannschaft lieben, und für ihren Trainer"

Neben den personellen Einschnitten ist einer der Hauptkritikpunkte, dass Lippi in der Abwehr auf einen Juventus-Turin-Block um Cannavaro setzt, obwohl die "Alte Dame" eine schlechte Saison spielte. Insgesamt sind sechs Juve-Profis dabei.

Antonio Cabrini, langjähriger Juventus-Spieler und Weltmeister von 1982 zeigt sich im Gespräch mit SPORT1 dennoch vorsichtig optimistisch: "Es wird sehr von der Vorbereitung mit der Nationalmannschaft abhängen, wie sie in Form kommen. Diese Saison war natürlich für Juve sehr hässlich, die Verteidigung der Nationalelf besteht aber aus vielen Juve-Akteuren, die mit dem Klub keine gute Saison hatten. Aber die WM ist etwas anderes als die Saison mit dem Klub."

Der ehemalige Weltklasse-Außenverteidiger traut Lippi zu, mit den vorhandenen Spielern eine gute WM zu spielen: "Es ist eine seiner Stärken, dass er das Team motivieren kann. Das hat er immer gekonnt und damit große Ergebnisse erzielt."

Auch wenn die Italiener vor dem Turnier nicht zu den ganz großen Favoriten zu scheinen gehören, darf man sie nicht außer acht lassen. Das Team ist extrem erfahren und wie immer taktisch und defensiv stark und wird mit Sicherheit diese Tugenden in die Waagschale werfen.

Aber: Die Titelverteidigung ist immer eine schwierige Aufgabe.

Paraguay

Größte Erfolge:

Weltranglistenplatz: 30 (Stand: 28. April 2010)

Trainer: Gerardo Martino

Star: Der frühere Bayern-Spieler Roque Santa Cruz zieht in der Offensive Paraguays die Fäden.

Situation: Paraguay spielte unter Trainer Gerardo Martino zuletzt sehr erfolgreich. "Er hat einen Riesenanteil am Aufschwung des Nationalteams", erklärt Dortmunds Stürmer Nelson Valdez.

"Früher waren wir taktisch eher defensiv ausgerichtet", sagt Valdez weiter: "Aber das ist jetzt vorbei." Mit neuem Angriffsschwung will "La Albirroja" erstmals in der WM-Geschichte das Viertelfinale erreichen.

Neben Nelson Valdez steht mit dem Argentinier Lucas Barrios, der rechtzeitig eingebürgert wurde, ein weiterer treffsicherer Angreifer aus Dortmund im Kader.

Keine Frage, bei Paraguay stehen die Zeichen auf Angriff. In der Qualfikation führte Paraquay die Südamerika-Gruppe lange an, besiegte Argentinien und punktete in Brasilien. "Unser Selbstvertrauen ist gewachsen und wir wissen heute, wozu wir fähig sind", sagt Valdez. Bei der WM will das eingespielte Team für Furore sorgen.

Nicht mit dabei sein wird aber Stürmer Salvador Cabanas, dem ihm Januar in einer Bar in Mexico City in den Kopf geschossen wurde.

Der Stürmer überlebte die schweren Verletzungen und befindet sich auf dem Weg der Besserung, obwohl die Kugel noch in seinem Kopf steckt. Cabanas will wieder auf den Platz zurück, doch die WM kommt für ihn zu früh.

Und auch bei der WM-Vorbereitung am Genfer See wurde die Mannschaft Opfer krimineller Machenschaften. Ein Dieb gab sich als Mitglied der Delegation aus und erbeutete 110.000 Dollar aus einem Safe.

Neuseeland

Größte Erfolge: Neuseeland ist zum zweiten Mal bei einer WM dabei. Die "Kiwis" überstanden 1982 in Spanien aber die Vorrunde nicht.

Weltranglistenplatz: 78 (Stand: 28. April 2010)

Trainer: Ricki Herbert

Star: Verteidiger Ryan Nelsen ist Kapitän der Blackburn Rovers und bringt die nötige Erfahrung mit, um das Team zu leiten.

Situation: Neuseeland ist ein Team der Namenlosen. Während das neuseeländische Rugby-Team, die "All-Blacks", Weltruhm genießen, fristen die Fußballer, "All-Whites" genannt, ein Dasein im Schatten.

Kaum ein Spieler ist in Europa bekannt. Fünf Akteure verdienen in Großbritannien ihr Geld, zwei in der amerikanischen Major Soccer League und einer in Dänemark. Ein Star ist keiner von ihnen.

Die Qualifikation gelang erst in den Play-Off-Spielen gegen Bahrain, den fünftplatzierten der Asiengruppe.

Alles in allem sind die "All-Whites" bei der WM sicherlich einer der größten Außenseiter.

Slowakei

Größte Erfolge: Die Slowakei ist zum ersten Mal bei einer WM.

Weltranglistenplatz: 38 (Stand: 28. April 2010)

Trainer: Vladimir Weiss

Star: Martin Skrtl vom FC Liverpool ist Abwehrchef und Kopf des Teams.

Situation: Mit der ersten WM-Qualifikation haben die Slowaken eine Euphorie im Land ausgelöst. Nun wollen sich die Außenseiter in Südafrika so teuer wie möglich verkaufen.

Das Team ist mit Legionären aus fast allen Ligen Europas bestückt. Etwa Rekordnationalspieler Miroslav Karhan vom FSV Mainz 05 oder Stanislav Sestak vom VfL Bochum, der in der Qualifikation auch der erfolgreichste Torschütze des Teams war.

Als Gruppensieger hat Sestak die Italiener fest auf dem Zettel. Dennoch hofft Sestak auf die Achtelfinalqualifikation bei der ersten WM-Teilnahme: "Ich denke, dass wir auf jeden Fall um den zweiten Gruppenplatz mitkämpfen können. Das wäre ein riesiger Erfolg für die Slowakei."

SPORT1-Prognose:

Der Platzhirsch in Gruppe F ist Weltmeister Italien. Trotz der vielen älteren Spieler sollte sich das Lippi-Team problemlos den Gruppensieg sichern.

Auf Platz zwei zieht Paraguay in die nächste Runde ein. Die Slowakei muss sich bei der ersten WM-Teilnahme mit dem dritten Platz begnügen, Neuseeland landet auf dem letzten Rang der Gruppe F.

Das sagt Antonio Cabrini, Weltmeister mit Italien 1982, zu SPORT1: "Italien gehört aus meiner Sicht wie bei allen Weltmeisterschaften in den Kreis der fünf besten Nationen. Es ist schwer vorherzusagen, wie weit sie kommen. Es wird schwierig, diesen Triumph von 2006 zu wiederholen. In vier Jahren passiert viel und natürlich stehen jetzt auch viele neue Spieler im Kader. Italien hat aber mit Sicherheit eine Mannschaft, die mithalten kann."

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