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Serbiens Jovanovic (v.) jubelt, Österreichs Abwehr reklamiert vergeblich © getty

Die Presse übt harte Kritik am Nationalteam und Trainer Brückner. Die Euphorie nach der Europameisterschaft ist verflogen.

Wien - Am Tag danach herrschte Weltuntergangsstimmung.

"Debakel", "Eine Lehrstunde", "Österreich übelst vorgeführt", "Der Abend, an dem Südafrika unterging", titelten die Zeitungen.

Das 1:3 (0:3) der österreichischen Nationalmannschaft gegen Serbien in der WM-Qualifikation war ein Offenbarungseid, der die Betrachter schockierte.

"Das Nationalteam hat sich zurück in die Stunde Null gebeamt", schrieb entsetzt "Der Standard".

Nach einem 3:1 gegen Frankreich zum Auftakt der Gruppenspiele träumte Austria schon selig von der WM 2010, drei Spiele später ist die Hoffnung schon der Resignation gewichen. 0:2 gegen Litauen, 1:1 auf den Färöern, nun die Blamage gegen Serbien.

48.000 Zuschauer im Wiener Ernst-Happel-Stadion mussten fassungslos mitansehen, wie die eigene Mannschaft auseinandergenommen wurde.

"Wird schwierig mit der Quali"

"Jetzt wirds schwierig mit der Quali", meinte Kapitän Andreas Ivanschitz. Massiv in die Kritik geraten ist nun Trainer Karel Brückner.

Nach dem erst sechsten Spiel unter seiner Leitung steht er bereits vor einem "Scherbenhaufen", wie "Die Presse" erschüttert feststellte.

"Österreich und Karel Brückner, so scheint es, das ist ein riesiges Missverständnis", schlussfolgert die Zeitung.

Brückner schon "rücktrittsreif"?

"Große Sprachprobleme, falsche Taktik", wirft auch das Boulevardblatt "Österreich" dem 68 Jahre alten Tschechen vor und bezeichnet ihn als "rücktrittsreif".

Mit der Verpflichtung von Brückner, der mit den Tschechen bei der EM in der Vorrunde gescheitert war, wollte der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) eine Weiterentwicklung einleiten.

Das Gegenteil ist derzeit der Fall. "Das Nationalteam weiß nicht, was tun. Es hat das System und den Willen aus EURO-Zeiten verloren. Und was hat es sonst?", kommentierte "Der Standard".

Die EM nur ein Strohfeuer?

In der Tat scheint die EM im eigenen Land nur ein Strohfeuer für Österreich gewesen zu sein.

Brückners Vorgänger Josef Hickersberger war zurückgetreten, nachdem die EM-Gastgeber im Juni in der Vorrunde gescheitert waren - nach für sie durchaus respektablen Leistungen.

Doch "Hicke" hatte wohl erkannt: Zu mehr ist diese österreichische Mannschaft nicht fähig.

"Stars als Mitläufer"

"Die selbst ernannten Stars sind doch nur Mitläufer, die im europäischen Fußball keine Rolle spielen", urteilte "Die Presse", die "Sternschnuppen sind mittlerweile längst verglüht".

Gegen Serbien traten Austrias Kicker anfängerhafter auf als eine Schülermannschaft. Die Gäste schossen ohne Mühe drei Treffer innerhalb von zehn Minuten durch Krasic, Jovanovic und Obradovic (14. bis 24.) und führten das dilettantische ÖFB-Team genüsslich vor.

Janko erzielte schließlich noch den Ehrentreffer, doch das war, wie "Der Standard" ätzte, "zehn Minuten vor dem Ende eines Geschehens, das mit dem Begriff Fußballspiel nicht eigentlich zu beschreiben war."

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