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Grafite, Elano Blumer und Kaka (v.l.n.r.) wollen in Südafrika den sechsten Titel holen © imago

Brasilien gilt als Titel-Favorit. Doch auch Portugal und die Elfenbeinküste hegen große Ambitionen. Nordkorea ist großes Fragezeichen.

Von Christian Stüwe

München - In Kürze steigt die Weltmeisterschaft mit dem Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Südafrika und Mexiko.

32 Teams machen sich auf den Weg in das südlichste Land Afrikas, um den neuen Titelträger zu ermitteln. 182382(DIASHOW: 32 Teams - 32 Stars)

Die Vorrunde wird in acht Vierergruppen ausgespielt, SPORT1 stellt jeweils eine Gruppe vor. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Im sechsten Teil wird die Gruppe G mit Brasilien, Nordkorea, der Elfenbeinküste und Portugal unter die Lupe genommen.

Brasilien

Größte Erfolge: Brasilien nimmt zum 19. Mal an einer WM teil. Fünfmal gewannen die Südamerikaner und sind damit Rekordweltmeister.

Weltranglistenplatz: 1 (Stand: 26. Mai 2010)

Trainer: Carlos Dunga

Star: Aus dem Staraufgebot der Brasilianer ragt Real Madrids Kaka heraus. Den Spielmacher plagte zuletzt eine Leistenverletzung. Doch am Mittwoch konnte er das Trainig wieder aufnehmen, was die ganze fußballverückte Nation aufatmen ließ.

Situation: Brasilien ist bei jeder WM Favorit. Vor vier Jahren in Deutschland wurden die Fußballkünstler vom Zuckerhut ihrer Rolle aber nicht gerecht. Ronaldo war übergewichtig, Ronaldinho überspielt, Roberto Carlos über seinen Zenit hinaus. Im Viertelfinale war gegen Frankreich Schluss, nachdem sich die Brasilianer auch schon zuvor mehr schlecht als recht durch das Turnier gemoggelt hatten.

Doch der Schnitt ist gelungen. Nationaltrainer Carlos Dunga hat der "Selecao" eine neue Spielphilosophie verpasst, bei der Ordnung und Disziplin vor dem "futebol arte", dem kunstvollen Spiel, steht.

"Talent allein reicht nicht mehr", bemerkte Dunga im Vorfeld der WM. Mit Champions-League-Sieger Lucio, seinen Innenverteidiger-Kollegen Juan und Kaka sind nur noch drei Spieler von 2006 übrig. Und sie stehen alle drei eher für disziplinierten und erfolgreichen Fußball als für Kabinettsstückchen.

Mittlerweile geben Spieler wie Luis Fabiano oder Nilmar den Ton an. Der Wolfsburger Stürmer Grafite steht im Aufgebot, während Diego von Juventus Turin nicht berücksichtig wurde.

Vieles hat sich geändert bei den Brasilianern. Die Ansprüche an das Team sind aber unverändert hoch geblieben. Die "Selecao" muss ins Finale und dort am besten den sechsten Titel, den "Hexa", holen.

"Wir wollen ins Endspiel, ganz klar", sagt Grafite zu SPORT1: "Die Erwartungen an die brasilianische Nationalmannschaft sind immer sehr hoch. Alles andere als das Finale wäre eine große Enttäuschung."

Nordkorea

Größte Erfolge: Einzige WM-Teilnahme 1966, damals erreichte Nordkorea sensationell das Viertelfinale.

Weltranglistenplatz: 105 (Stand: 26. Mai 2010)

Trainer: Kim Jong-Hun

Star: Jong Tae-Se ist einer der ganz wenigen nordkoreanischen Legionäre. Er spielt in der japanischen J-League bei Kawasaki Frontale. In Japan ist der Stürmer als der "Wayne Rooney Nordkoreas" bekannt.

Und offenbar nicht zu Unrecht. Im Testspiel gegen die defensivstarken Griechen ließ er mit zwei Toren aufhorchen.

Situation: Nordkorea ist eines der isoliertesten Länder dieser Welt. Momentan droht die Volksrepublik dem Nachbarn Südkorea mal wieder mit Krieg. Der Fußball-Verband verfügt über keine Homepage, nicht mal das Alter oder die Herkunft von Trainer Kim Jong-Hun sind bekannt. Genauso wie die Vereine einiger Spieler.

Dementsprechend ist der 105. der FIFA-Weltrangliste ein großes Fragezeichen in der Todesgruppe. Die Ansprüche in dem ebenso armen wie abgeschotteten Land sind aber keineswegs klein.(SERVICE: Die Kader der WM-Teilnehmer)

"Nordkorea wird die Weltmeisterschaft gewinnen", kündigte Vize-Verbandspräsident Son Kwang-Ho im englischen "Four-Four-Two"-Magazin an: "Dies wird uns dank der großartigen Unterstützung unserers geliebten Führers Kim Jong-Il gelingen."

In England 1966 nahmen die Nordkoreaner das einzige Mal an einer WM teil und sorgten für eine Sensation. Die Mannschaft stürmte bis ins Viertelfinale und führte dort schon 3:0 gegen Portugal, ehe die portugiesische Mannschaft um Eusebio das Spiel drehte und noch 5:3 gewann.

Mit unermüdlichen Willen gewann Nordkorea 1966 die Spiele und warf unter anderem Italien aus dem Turnier. "Der große Führer hat uns befohlen, ein oder zwei Spiele zu gewinnen", verdeutlichte Pak Do-Ik die besonderen Motivationsmaßnahmen des damaligen "ewigen Präsidenten" Kim Il-Sung.

Ob die straff geführten Nordkoreaner auch diesmal für eine Überraschung gut sind, ist schwer zu beurteilen. Die Abwehr machte in der WM-Qualifikation einen guten Eindruck, die Stürmer erzielten aber nur sieben Tore.

Sven-Göran Eriksson sollte Trainer Jong-Hun angesichts der Angriffsschwäche ersetzen, lehnte aber ab.

Elfenbeinküste

Größte Erfolge: Die Elfenbeinküste nahm 2006 erstmal an einer WM teil. Aber auch in Deutschland wurden die "Elefanten" in eine Todesgruppe gelost und schieden nach knappen Niederlagen gegen Argentinien und die Niederlande aus.

Weltranglistenplatz: 27 (Stand: 26. Mai 2010)

Trainer: Sven-Göran Eriksson

Star: Didier Drogba ist nach wie vor einer der besten Stürmer der Welt. Der wuchtige Angreifer von Chelsea ist in seinem Heimatland ein Volksheld.

Situation: Die Elfenbeinküste ist durchweg mit hochkarätigen Legionären aus Europas Topligen besetzt. Die Ansprüche der Ivorer sind dementsprechend hoch. Als die Mannschaft beim Afrika-Cup Anfang des Jahres als Mitfavorit im Viertelfinale gegen Algerien ausschied, wurde Trainer Vahid Halilhodzic entlassen.

Seinen Job übernahm Sven-Göran Eriksson, der nun in Südafrika die "Elefanten" zum großen Coup führen soll. "Mit all den Erfolgen, die er vorzuweisen hat, ist er der perfekte Trainer für uns", sagte Yaya Toure vom FC Barcelona.

"Mit ihm auf der Trainerbank werden wir alle Erwartungen übertreffen", glaubt Drogba. Die Mannschaft der Ivorer ist nicht mehr die jüngste, viele der Stars sind bereits um die 30 Jahre alt, was für zusätzliche Motivation sorgen könnte.

"Wir werden oft als die Goldene Generation bezeichnet", sagt Stuttgarts Artur Boka: "Aber jetzt müssen wir endlich auch einen Titel holen, sonst sind wir in zehn Jahren vergessen."

Das Selbstbewusstsein der Westafrikaner ist groß. Und Eriksson versucht erst gar nicht, die Spieler zu bremsen. "Wir sind stark genug, um das Achtelfinale zu erreichen", sagt der frührere Trainer der englischen Nationalmannschaft.

Und der Schwede hat ein ganz besonders Ziel: "Es wäre toll, gegen England zu spielen. Am besten im Finale."

Portugal

Größte Erfolge: Portugal nimmt zum fünften Mal an einer WM teil. 1966 wurde die "Seleccao" um den überragenden Eusebio Dritter, 2006 in Deutschland reichte es zum vierten Platz.

Weltranglistenplatz: 3 (Stand: 26. Mai 2010)

Trainer: Carlos Querioz

Star: Cristiano Ronaldo galt als der beste Fußballer der Welt, bekam aber zuletzt von Lionel Messi den Rang abgelaufen. Mit Real Madrid war in der Champions League für den teuersten Fußballer der Welt schon im Achtelfinale Schluss. Nun will sich der exentrische Superstar, der auch abseits des Platzes immer für eine Schlagzeile gut ist, bei der WM beweisen und die Portugiesen zum Titelgewinn führen. Dass er das Zeug dazu hat, ist unbestritten.

Situation: Portugal verfügt über ein starkes Team und mit Ronaldo über einen herausragenden Einzelspieler. Allein deshalb ist die "Seleccao" schon Mitfavorit auf den Titel.

Allerdings verlief die Qualifiktion für Südafrika alles andere als nach Plan. Erst in den Play-Offs gegen Bosnien-Herzegowina wurde das Ticket gelöst. Ronaldo spielte bei Real nicht so stark wie gewohnt. Und auch die Todesgruppe sorgt für einige Sorgenfalten.

"Ich bin nicht gerade glücklich über das Los. Brasilien und die Elfenbeinküste sind sehr starke Gegner", sagte Ronaldo: "Aber ich weiß, welche Erwartungen auf mir und dem Team liegen - und wir werden alles dafür tun, um die Hoffnungen der Menschen in Portugal zu erfüllen."

Nachdem der "Goldenen Generation" um Luis Figo ein Titel verwehrt blieb, sollen nun deren Erben dem Land endlich den lange ersehnten Titel bescheren.

Doch zunächst einmal gilt es, die Gruppenphase zu überstehen.

SPORT1-Prognose:

In keiner anderen Gruppe fällt eine Prognose so schwer. Von den drei Topteams kann jeder jeden schlagen, die Tages- und Turnierform dürften eine große Rolle spielen. Läuft alles normal, sollte sich Brasilien den ersten Platz sichern. Portugal dürfte als zweiter weiterkommen, der Elfenbeinküste nur der dritte Platz bleiben. Nordkorea dürfte es sehr schwer haben, überhaupt einen Punkt zu ergattern.

Das sagt der Wolfsburger Stürmer Grafite, derzeit im Trainingslager der Brasilianer, zu SPORT1: "Brasilien, Portugal, Elfenbeinküste, Nordkorea - so sehe ich die Reihenfolge nach den Gruppenspielen."

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