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Trainer Joachim Löw muss bei der WM auf seinen Kapitän Michael Ballack verzichten © getty

Die deutsche Nationalmannschaft hat mit großen Verletzungssorgen zu kämpfen, geht aber trotzdem optimistisch in das Turnier.

München. Dritter, Zweiter, Erster: Nach dieser simplen Formel peilt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft beim ersten Welt-Championat auf afrikanischen Boden ihren vierten WM-Titel an.(Der WM-Spielplan)

"2006 sind wir bei der WM im eigenen Land Dritter geworden, zwei Jahre später bei der EM Zweiter.

Das ist es doch klar, dass wir uns in Südafrika noch einmal verbessern wollen",sagte DFB-Kapitän Michael Ballack, der den WM-Triumph als "möglich, wenngleich auch sehr schwer" beschreibt.

Turnier ohne den Kapitän

Doch der 33-Jährige wird am Kap der guten Hoffnung nicht in Aktion treten.

Ein Foul des gebürtigen Berliners Kevin Boateng (FC Portsmouth) im FA-Cup-Finale gegen des FC Chelsea am 15. Mai 2010 beendete den WM-Traum von Ballack vorzeitig.

Bei der rüden Attacke erlitt der Mittelfeldspieler, der mit Chelsea die Meisterschaft und den Pokalsieg errang, einen Innenbandriss und einen Anriss der Syndesmose im rechten oberen Sprunggelenk.

Nach Torwart Rene Adler (Bayer Leverkusen/Rippenbruch) ist Ballack der zweite Stammspieler, der kurzfristig ausfiel.

WM im Zeichen Robert Enkes

Aus deutscher Sicht steht die WM in Südafrika aber auch noch einmal ganz im Zeichen von Robert Enke, der sich am 10. November 2009 das Leben genommen hatte.

Der Torwart, der an starken Depressionen gelitten hat, wäre mit ziemlicher Sicherheit am Kap der guten Hoffnung dabei gewesen.

Die Mannschaft wird deshalb auch bei diesem Turnier für ihren ehemaligen Mannschaftskollegen spielen.

Dies bestätige Bundestrainer Joachim Löw, der 2006 als Assistenztrainer unter Klinsmann Dritter wurde und bei seiner Turnierpremiere in Österreich und der Schweiz zwei Jahre später Vize-Europameister wurde:

"Sicherlich wird Robert auch bei der WM in unserem Herzen sein." Trotz der tiefen Trauer um Enke hat Löw aber für die WM das das Maximalziel ausgerufen.

"Wir reisen nach Südafrika, um ins Finale zu kommen und dann auch möglichst zu gewinnen. Wir wissen, dass wir jeden Gegner schlagen können.

Aber uns ist auch bewusst, dass die Konkurrenz sehr groß ist", sagte der Bundestrainer, der vor Bekanntgabe seines WM-Kaders reichlich Kritik einstecken musste.

Vor allem die Nichtberücksichtigungen von Kevin Kuranyi und Torsten Frings konnte nicht jeder nachvollziehen.

Dass der Bundestrainer für den verletzten Adler, der als Nummer eins in Südafrika vorgesehen war, den Münchner Meister-Torwart Jörg Butt ins Boot holte, fand dagegen nahezu ungeteilten Beifall.

Vertragsverlängerung Löws unwahrscheinlich

Löws Sympathiewerte in Deutschland waren zu Jahresbeginn gesunken, nachdem seine als sicher geltende Vertragsverlängerung mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) geplatzt war und Details an die Öffentlichkeit geraten waren, die dem 50-Jährigen gar nicht passten.

Das Thema Vertragsverlängerung wurde deshalb auf die Zeit nach der WM verschoben. Dass Löw bleibt, ist allerdings eher unwahrscheinlich.

Dasselbe gilt auch für Teammanager Oliver Bierhoff, der aber trotz der Turbulenzen für die WM Optimismus verbreitet.

Vierter Stern für Deutschland

"`Wir haben die Botschaft verstanden, dass auf unseren Trikots noch Platz für den vierten Stern ist", sagte der frühere DFB-Kapitän, der selbst 1996 mit seinem Golden Goal im EM-Finale gegen Tschechien (2:1) für den letzten Titel einer deutschen Mannschaft gesorgt hatte.

Zuvor hatte die DFB-Auswahl bereits zweimal den EM-Titel (1972, 1980) gewonnen.

Die drei Sterne auf den deutschen Hemden stehen aber für die drei WM-Triumphe 1954 beim legendären Wunder von Bern unter Sepp Herberger, bei der Heim-WM 1974 unter Helmut Schön und 1990 in Italien unter dem deutschen Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer.

Die DFB-Auswahl zählt zu den erfolgreichsten Nationalteams der Welt.

Insgesamt stand Deutschland siebenmal in einem WM-Endspiel, zuletzt 2002 in Südkorea und Japan, als sie gegen Rekordweltmeister Brasilien mit 0:2 den Kürzeren zog.

Auch 1966, 1982 und 1986 musste sich die Mannschaft mit dem Bundesadler auf der Brust mit dem "Titel" Vize-Weltmeister begnügen.

Hinzu kommen noch drei dritte Plätze 1934, 1970 und 2006 sowie ein vierter Platz 1958.

Mit insgesamt elf Halbfinalteilnahmen ist Deutschland in dieser Auflistung sogar besser als der fünfmalige Titelträger Brasilien.

Die Südamerikaner liegen allerdings in der ewigen WM-Tabelle mit 209 Punkten vor Deutschland (187). Italien (151) und Argentinien folgen mit Abstand (112).

Mit Ausnahme der Turniere 1930 und 1950 hat die DFB-Auswahl an allen Weltmeisterschaften teilgenommen, wobei sie 1930 verzichtete und sich 1950 aufgrund des Zweiten Weltkriegs nicht qualifizieren durfte.

Auch in den persönlichen Bestenlisten ist Deutschland hervorragend vertreten. In Gerd Müller (1970) und Miroslav Klose (2006) stellte die DFB-Auswahl zweimal den besten Torschützen einer Weltmeisterschaft.

Zudem ist Ehrenspielführer Lothar Matthäus der Spieler mit den meisten WM-Spielen (25).

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