vergrößernverkleinern
Beinahe traditionell vor großen Turnieren in der Kritik: Frankreichs Trainer Raimond Domenech © getty

In Frankreich droht der Fußball in den Hintergrund zu rücken. Den Vizeweltmeister beschäftigen Skandale und Trainerdiskussionen.

München - Ein Trainer auf Abruf, ein Sex-Skandal um mehrere Nationalspieler und die noch nicht vergessene Handspiel-Affäre um Stürmerstar Thierry Henry:

Die "Grande Nation" kommt seit der WM-Qualifikation im vergangenen November nicht zur Ruhe.

Mit der erschummelten Fahrkarte für Südafrika durch Henrys Unsportlichkeit im entscheidenden Play-off-Spiel gegen Irland scheinen sich dunkle Schatten auf den Vizeweltmeister gelegt zu haben.

Die Vorfreude auf das Großereignis ist auch wenige Wochen vor der Endrunde getrübt.

Auch wenn Bayern-Star Franck Ribery und andere in die delikate Rotlicht-Affäre involvierte Spiel zumindest vor der WM wohl von einem formellen Ermittlungsverfahren verschont bleiben, hat der Skandal seine Spuren hinterlassen.

57 Prozent gegen Ribery

Laut einer Umfrage der Tageszeitung "France Soir" sagen 57 Prozent der Befragten, dass Ribery nicht mehr in der Nationalmannschaft spielen dürfe.

Auch Sportministerin Roselyne Bachelott hatte schon ihr Unverständnis für die Nominierung der betroffenen Spieler zum Ausdruck gebracht. Ribery hatte laut Pariser Staatsanwaltschaft zugegeben, Kontakt zu einer Prostituierten gehabt zu haben.

Er versicherte demnach aber, nicht gewusst zu haben, dass sie seinerzeit minderjährig war. Die Frage, ob Ribery über das Alter informiert war, ist entscheidend für die Einleitung eines Strafverfahrens.

Doch auch unabhängig davon hatte die Equipe Tricolore zuletzt mit reichlich Negativ-Schlagzeilen zu tun.

Henry und die Hand Gottes

Niemand dürfte vergessen haben, wie sich der Ex-Welt- und Europameister das Ticket nach Südafrika ermogelte, als Henry die Vorlage zum entscheidenden 1:1 durch William Gallas im Play-off-Rückspiel gegen Irland mit der Hand gab.

So kommt es, dass nicht Irland, sondern Frankreich in Gruppe A auf Uruguay (11. Juni), Mexiko (17. Juni) und Südafrika (22. Juni) trifft. (Der WM-Spielplan)

Domenech erneut unter Beschuss

Um Frankreichs Nationaltrainer Raymond Domenech gibt es derweil schon fast traditionell Diskussionen vor einem großen Turnier.

Vor der WM 2006, die für Frankreich immerhin mit der Vize-Weltmeisterschaft endete und EM 2008 war das nicht anders. Trotz der erfolgreichen Qualifikation war von Champagner-Fußball zuletzt nichts mehr zu sehen.

Was in Frankreich am meisten empört, ist, dass sich Domenech diese unverdiente Qualifikation auch noch mit 862.000 Euro an Prämien vergolden lässt - unabhängig von seinem Monatshonorar von geschätzten knapp 50.000 Euro.

Der Nachfolger ist schon gefunden

Und in Südafrika sahnt er noch einmal kräftig ab. Danach soll Ex-Nationalspieler Laurent Blanc seine Nachfolge antreten. Gewiss, Domenech ist der erste Trainer, der Frankreichs Nationalmannschaft dreimal in Folge für ein Turnier qualifiziert hat. .

Nur: Titel hat er noch nicht geholt, und der ist 2010 auch nicht in Aussicht.

Besonders pikant: Domenech hat die einstmals "Grande Nation" inschwischen 73-mal betreut und wird damit in den nächsten Wochen den bisherigen Rekordhalter Michel Hidalgo (75 Spiele) ablösen.

Dieser war 1984 Europameister mit Spielern wie Platini,Giresse, Tigana und steht in der Gunst der Franzosen wesentlich höher als Domenech.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel