vergrößernverkleinern
Hong Yong-Jo steht seit 2008 beim russischen Zweitligisten FK Rostow unter Vertrag © getty

Erstmals seit langem startet Nordkorea bei einem Großturnier. Nun soll der Husarenstreich von 1966 wiederholt werden.

München - 44 Jahre nach einer der größten Sensationen in der Geschichte der Weltmeisterschaft meldet sich Nordkorea auf der internationalen Fußball-Bühne zurück.

1966 gewann die Auswahl des kommunistisch geführten Landes in England ihr letztes Gruppenspiel. Nach einem Tor von Pak Do-Ik mit 1:0 warf man den Favoriten Italien aus dem Turnier.

Im Viertelfinale verließen die Asiaten, die mit ihrer unkonventionellen Spielweise mitten im Kalten Krieg die Herzen der englischen Fans erobert hatten, die Kräfte.

Sie verloren nach einer 3:0-Führung zur Halbzeit gegen Portugal mit Weltstar Eusebio noch mit 3:5. Dennoch wurden die Schützlinge von Trainer Myung Re-Hyung wie Volkshelden in der Hauptstadt Pjöngjang empfangen.

Irrealer Glaube an WM-Titel

Allein die Aussicht auf ähnliche Ehren spornt nun auch Pak Do-Iks Erben an.

"Nordkorea wird die Weltmeisterschaft gewinnen", sagte Verbands-Vizepräsident Son Kwang-Ho der englischen Fachzeitschrift "FourFourTwo" allen Ernstes: "Dies wird uns dank der großartigen Unterstützung unseres geliebten Führers Kim Jong-Il gelingen."

Norkorea trifft bei der Endrunde in der Gruppe G auf Brasilien, Portugal und die Elfenbeinküste.

Propaganda für die Presse

Die "FourFourTwo"-Redakteure bekamen in dem international weitgehend isolierten Land von zuvor ausgewählten Funktionären und Spielern weitgehend deckungsgleiches, vorgefertigtes und nichtssagendes Propaganda-Gerede zu hören.

Entsprechend trat auch Nationaltrainer Kim Jong-Hun auf, nachdem sich sein Team im April in Wiesbaden ein 0:0 gegen WM-Gastgeber Südafrika ermauert hatte.

Fragen an Spieler wurden dort nicht erlaubt.

Libero plus Viererkette

Beim Deutschland-Aufenthalt des Teams, den der Verband des bettelarmen Landes von den Südafrikanern bezahlt bekam, ließ Coach Kim mit einem Libero hinter einer Viererkette spielen.

Der vermeintliche Star, Jong Tae-Se vom japanischen Erstligisten Kawasaki Frontale, war gar nicht erst angereist.

Im Sommer hatten die Nordkoreaner in Frankreich ein Trainingslager abgehalten. Es war die erste Europa-Reise einer Nationalmannschaft aus Nordkorea seit der WM 1966 gewesen.

Forderung vom Präsidenten

Vor der Endrunde vor 44 Jahren hatte der Staatsgründer und "ewige Präsident" Kim Il-Sung der Mannschaft eine unmissverständliche Ansage mit auf dem Weg gegeben. "Der große Führer hatte uns befohlen, ein oder zwei Spiele zu gewinnen", sagte Volksheld Pak Do-Ik später.

Ob Kim Jong-Il, der nach dem Tod seines Vaters 1994 die Macht in dem von Wirtschaftskrise und Hungersnot gebeutelten Land übernommen hat, ähnliche Forderungen stellt, ist unbekannt.

Regierungsvertreter und "viele Einwohner von Pjöngjang" hatten das Team laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA nach dem für die WM-Qualifikation entscheidenden 0:0 in Saudi-Arabien am Flughafen "überschwänglich" begrüßt.

Eriksson lehnte Trainerjob ab

Doch wie vieles in Nordkorea ist wohl auch diese Heldenverehrung nur Fassade.

Trainer Kim steht in der Kritik, weil Nordkorea in der gesamten Qualifikation nur sieben Tore geschossen und hinter dem Klassenfeind Südkorea den zweiten Platz belegt hat.

Startrainer Sven-Göran Eriksson sollte Kim ersetzen, der Schwede sagte aber ab. Vielleicht hat Eriksson auch von den Gerüchten gehört, die sich um einige der Helden von 1966 ranken.

Angeblich sollen diejenigen, die sich damals den Genüssen der westlichen Welt zu intensiv hingegeben haben, für Jahre von der Bildfläche verschwunden sein.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel