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Alberto Gilardino (M.) gab sein Debüt in der Nationalmannschaft 2004 © getty

Sie wollen es wie 2006 machen: Der Titelverteidiger steckt sich fast das Maximalziel. Die Diskussion um Lippi sorgt aber für Unruhe.

München - Der Weltmeister kommt einfach nicht zur Ruhe: Italien hat noch nicht einmal das erste Spiel bei der WM in Südafrika bestritten, da ist der nächste Trainerwechsel bereits programmiert.

Über die Zukunft von Marcello Lippi, der die Squadra Azzurra 2006 in Deutschland zum Triumph führte und nach der enttäuschenden EM 2008 unter Roberto Donadoni wieder übernommen hatte, wollteder Verband schon vor dem ersten Turnier auf dem schwarzen Kontinent entscheiden.

So sollen störende Spekulationen während der WM, bei der Italien in der Vorrundengruppe F auf Paraguay, Neuseeland und die Slowakei trifft, vermieden werden.

Nach Medienberichten soll Cesare Prandelli wohl Lippis Nachfolger werden.(Der WM-Spielplan)

"Alle würden meinen Kopf verlangen"

Lippi selbst macht sich über seine Zukunft offenbar keine Gedanken. "Ich bin noch Nationaltrainer, nach der WM werden wir sehen. Sollte die WM für Italien schlecht laufen, wären die Leute nicht froh, wenn ich auf der Trainerbank bleiben würde. Alle würden meinen Kopf verlangen", sagt Lippi.

Der 61-Jährige hatte seit seinem Comeback beim viermaligen Weltmeister (1934, 1938, 1982 und 2006) eine undankbare Aufgabe zu bewältigen.

Nachdem ein überaltertes Team bei der EM vor zwei Jahren in Österreich und der Schweiz im Viertelfinale scheiterte, war eine Verjüngungskur unvermeidbar.

Souveräne Qualifikation

Allein 36 Spieler setzte Lippi in den 10 Spielen der Qualifikationsrunde ein, nur zwölf davon bestritten zumindest fünf Begegnungen.

Dennoch löste Italien sein Ticket ungeschlagen (nur drei Unentschieden), aber ohne großen Glanz, in einer relativ leichten Gruppe mit 24 Punkten souverän.

Die ideale WM-Formation hat Lippi dennoch nicht gefunden.

Toni und Totti fehlen

Zumindest zeichnete sich das Gerüst des Teams ab. Denn auf die Qualität oder Routine eines Gianluigi Buffon, Daniele De Rossi, Fabio Cannavaro, Gianluca Zambrotta, Andrea Pirlo oder Mauro Camoranesi wollte Lippi nicht verzichten.

Dazu gehört nicht Luca Toni, der extra von Bayern München zum AS Rom gewechselt, um mehr Spielpraxis zu sammeln.

Doch Lippi verzichtete auf Toni ebenso wie auf Francesco Totti, die römische Fußball-Ikone.

Pfiffe gegen Lippi

Ohnehin gab es viele öffentliche Diskussionen um Lippis Personalpolitik. Unmut und Unverständnis herrscht rund ums Nationalteam, weil der "Allenatore" trotz der wenig überzeugenden Offensive einen der besten Stürmer der Liga, Antonio Cassano von Sampdoria Genua, weiterhin ignoriert.

Unverständnis, Unmut und Pfiffe der Tifosi gegen Lippi und die Squadra Azzurra waren die Folge.

Final-Teilnahme als Ziel

"Wenn es um gute Fußballer geht, spielt das Alter keine so wichtige Rolle. Viel wichtiger sind internationale Erfahrung und die Fähigkeit, sich in eine Mannschaft zu integrieren", begründet der Nationalcoach.

Wohlwissend um die Tugenden seines Teams hat Lippi die erneute Endspiel-Teilnahme als Ziel ausgegeben.

"Um zu siegen, müssen wir dieselbe Motivation und dieselben Qualitäten wie die Nationalmannschaft aufbringen, die in Berlin gewonnen hat."

Italien braucht positive Schlagzeilen

Lippi ("Nirgendwo wird ein Nationaltrainer so schlecht behandelt wie in Italien") steht bei seiner höchstwahrscheinlich letzten Mission in Südafrika erheblich unter Druck.

Denn Italiens Fußball braucht angesichts des Zuschauerschwunds und der Probleme um die Fans-Ausschreitungen in den Stadien dringend positive Schlagzeilen.

So wie 2006, als Lippi Italien trotz des Wettskandals in der Serie A zum Finalerfolg in Berlin gegen Frankreich führte.

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