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Der Wolfsburger Hasebe ist der einzige Bundesliga-Profi in Japans Kader © getty

Die Euphorie der Japaner ist groß. "Ich will, dass meine Spieler ins Halbfinale einziehen", sagt Nippons Coach Takeshi Okada.

München - Sie haben den besten Fußballer des Kontinents, qualifizierten sich als erstes Team Asiens und sind zum vierten Mal in Folge bei einer Endrunde dabei: Diese drei Punkte reichen in Japans Fußball, um die Bäume vermeintlich in den Himmel wachsen zu lassen.

Bei der WM wollen die "blauen Samurai" für Furore sorgen. "Ich will die Welt überraschen. Und ich will, dass meine Spieler ins Halbfinale einziehen", sagte Trainer Takeshi Okada.

Mittelfeldspieler Kengo Nakamura hält dies für "nicht unmöglich". Und die neue Hymne der Fans lautet: "Wir werden die Welt überraschen!"

Überraschender Optimismus

Bei genauerer Betrachtung überrascht dieser Optimismus allerdings. Denn in der Weltrangliste sind die Japaner nur 45., in der internen Rangliste der 32 WM-Teilnehmer belegen sie nur Rang 28.

Bei den WM-Endrunden außerhalb der Heimat - 1998 in Frankreich und 2006 in Deutschland - blieben die Japaner ohne Sieg, nur im eigenen Land drangen sie 2002 bis ins Achtelfinale vor.

"Unerreichter Kampfgeist"

Woher also dieser Optimismus? "Der Kampfgeist der Japaner ist in Asien unerreicht", schrieb die große Tageszeitung "Asahi Shimbun".

Und Mittelfeldspieler Yasuhito Endo von Gamba Osaka, 2009 zum besten Spieler seines Kontinents gewählt, setzt auf den asiatischen Fleiß.

"Wir werden sehr hart arbeiten, um noch besser Fußball zu spielen", sagte der 29-Jährige, der in Japan als Nachfolger des 2006 zurückgetretenen Volkshelden Hidetoshi Nakata gilt:

"Wir sind uns alle der großen Bedeutung der Weltmeisterschaft bewusst. Daher werden wir versuchen, alle Hürden zu überwinden und den Erwartungen gerecht zu werden.

Und so sagt Sturm-Hoffnung Shinji Okazaki selbstbewusst: "Wir streben nach den allerhöchsten Zielen."

Schwieriger Weg zur Endrunde

Der Weg nach der WM 2006 war nicht leicht für die Japaner. Neben Nakata, der seine Karriere überraschend komplett beendete, trat 2006 auch der ehemalige Bochumer Shinji Ono - 2002 vor Endo bis dahin letzter Asien-Fußballer des Jahres aus Japan - aus dem Nationalteam zurück.

Der mit dem Neuaufbau beauftragte Trainer-Routinier Ivica Osim erlitt am 16. November 2007 einen Schlaganfall, lag zwei Wochen im Koma und vier Monate im Krankenhaus.

Doch der Verband fand den idealen Nachfolger: Okada, der die Japaner 1998 erstmals zu einer WM-Endrunde geführt hatte und nach anfänglicher Kritik die erneute Qualifikation schaffte.

Wichtige Rolle für Hasebe

Aus der Bundesliga ist nach Onos Rücktritts nur ein Spieler ständig im Kader vertreten: Makoto Hasebe vom VfL Wolfsburg.

Er soll mit Endo und dem inzwischen auch in die Heimat zurückkehrten Shunsuke Nakamura das Mittelfeld zum Prunkstück machen.

WM 2018 oder 2022 in Japan?

Denn die Fußball-Euphorie will man in Japan möglichst lange hochhalten.

2018 oder 2022 will man nämlich erneut die WM ausrichten. Und dann nicht mehr mit Südkorea, sondern alleine.

Und das in einer vielleicht doch nicht ganz so rosigen Zeit, wie Nakamura, nach Stationen in Italien, Schottland und Spanien mit internationalem Weitblick gesegnet, zugeben muss.

Ganz Asien mache im Fußball "im Augenblick eher eine schwierige Zeit durch", sagt er. Sein Trainer sieht das anders.

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