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Tor ins Glück: Tim Brown brachte Neuseeland zur WM © imago

Neuseeland wäre in Südafrika schon mit einem Punkt zufrieden angesichts seiner No-Name-Truppe. Der Star ist ein Bremer Ex-Profi.

Köln/Auckland - Zwei Tage nach der WM-Qualifikation bügelte Tim Brown wieder ein weißes Hemd.

Dann schnappte er sich den Ball und dribbelte zu seinem Arbeitsplatz - alles für das Fernsehen, das in Neuseeland unbedingt zeigen wollte, wie die Nationalspieler der All Whites teilweise Hobby und Beruf unter einen Hut bringen müssen.

Tim Brown also, Bankangestellter, Mittelfeldspieler, Nationalspieler, ist der perfekte Protagonist, wenn es darum geht, den etwas anderen WM-Teilnehmer vorzustellen.

Wer wäre wohl je so wenig ambitioniert in eine WM-Endrunde gegangen? (Der WM-Spielplan)

"Unentschieden ein Erfolg"

"Wenn wir in allen unseren Spielen untergehen, wäre das enttäuschend. Ein Erfolg wäre, wenn wir wenigstens ein Unentschieden schaffen", sagt Neuseelands Nationaltrainer Ricki Herbert. "Drei knappe Niederlagen wären auch okay."

In der bislang größten Stunde des neuseeländischen Fußballs war Herbert dabei.

1982 bei der WM setzte es deftige Niederlagen gegen Brasilien (0:4), Schottland (2:5) und die UdSSR (0:3) - und Ricki Herbert verteidigte.

Für Herbert schließt sich der Kreis

Nun schließt sich der Kreis. "Ich bin sprachlos. Es ist unglaublich. Wir sind zurück. Wir sind da. In Südafrika", sagt er.

Ein wenig erscheint die WM-Teilnahme immer noch wie ein Geschenk des Himmels für diese Mannschaft, die ohne Stars und den martialischen Haka-Tanz, aber mit Leidenschaft und Herz Südafrika erobern will.

Fünf Spieler im vorläufigen WM-Kader stehen nicht bei einem Profiklub unter Vertrag.

Glück in der Qualifikation

Zu verdanken haben die "Kiwis" diese Chance dem Weltverband FIFA.

Durch die Verschiebung Australiens in die Asien-Qualifikation musste sich Neuseeland in Ozeanien lediglich gegen Neukaledonien, Vanuatu und Fidschi durchsetzen, was - wenig überzeugend - gelang.

Gegen Fidschi gab es sogar ein 0:2.

TV-Experte ein Star

Aus einer auf niedrigem Niveau homogenen Mannschaft ragt niemand wirklich heraus - dafür ist der TV-Experte ein Star.

Als ganz Neuseeland nach dem entscheidenden Spiel gegen Bahrain eine rauschende Partynacht feierte, war Wynton Rufer gefragt wie nie zuvor.

Der Fußballer des Jahrhunderts, ehemaliger Publikumsliebling von Werder Bremen und Besitzer einer Akademie für Fußball-Talente, gab Interviews im Minutentakt.

Rufer überwältigt vom Hype

"Es ist unglaublich, das ganze Land ist im Fußball-Fieber", sagt Rufer.

König Fußball verdrängte sogar den knallharten Nationalsport Rugby aus den Schlagzeilen, obwohl die legendären All Blacks am selben Abend das Mailänder Stadion San Siro füllten.

Im Moment sind Fußball-Trikots ausverkauft. "So etwas haben wir in Neuseeland noch nicht erlebt", sag Rufer.

Nicht alle Helden jubeln

Für einige Spieler hatte der Rausch schnell wieder ein Ende. Ricki Herbert hatte allen 18 Helden des Bahrain-Spiels versprochen, sie mit nach Südafrika zu nehmen.

Dieses Versprechen musste er nun brechen, nachdem sich Winston Reid (geboren in Dänemark) und Tommy Smith (England) entschieden haben, für Neuseeland zu spielen.

Shane Smeltz (Gold Coast United) wurde als Sohn eines US-Soldaten und einer Engländerin in Göppingen geboren, zog dann aber schnell ans andere Ende der Welt.

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