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Samuel Eto'o war 2003, 2004 und 2005 Afrikas Fußballer des Jahres © getty

Kamerun will die Scharte der verpassten WM 2006 auswetzen - und mit neuem System und Eto'o bestes afrikanisches Team werden.

München - Der 8. Oktober 2005 war der schwärzeste Tag in der an Höhepunkten reichen Laufbahn des Fußball-Profis Pierre Wome.

Mit seinem Strafstoß in der Nachspielzeit hätte er Kamerun mit Star Samuel Eto'o zur WM-Endrunde nach Deutschland schießen können - doch Wome versagten die Nerven, Eto'o weinte, und ein ganzes Land versank in tiefer Trauer.

Wome bekommt viereinhalb Jahre nach dem Fehlschuss in Südafrika keine neue Chance: Der Verteidiger, der den 1. FC Köln verlässt, fehlt im WM-Aufgebot.

Schmach von 2005 soll getilgt werden

Für Eto'o geht der WM-Traum dagegen am 14. Juni gegen Japan rund drei Wochen nach dem 2:0-Sieg Endspiel in der Champions League mit Inter Mailand gegen Bayern München mit einiger Verspätung doch noch in Erfüllung.

Doch die Erinnerung an den Oktober 2005 begleitet ihn.

"Als wir die WM 2006 verpassten, war das ein großer Schock für uns alle, von dem wir uns nur schwer erholten. Nun haben wir endlich die Chance, uns dafür zu revanchieren", sagte Eto'o.

Der dreimalige afrikanische Fußballer des Jahres glaubt auch, dass Kamerun das gelingt: "Wir spielen auf sehr hohem Niveau und werden unser Bestes geben, um die Könige von Afrika zu werden."

Le Guen übernimmt von Pfister

Zu Beginn der zweiten Qualifikations-Phase sah es allerdings nach einer Wiederholung der Schmach von 2005 aus. Der viermalige Afrika-Cup-Sieger hatte aus zwei Spielen nur ein Remis geholt und der deutsche Trainer Otto Pfister sein Amt aufgegeben.

Der Franzose Le Guen übernahm und führte Kamerun mit vier Siegen in vier Spielen zum sechsten Mal zur WM. Kein afrikanisches Land war häufiger dabei.

"Le Guen hat uns in einer schwierigen Zeit zusammengeschweißt. Er ist ein großartiger Psychologe und ein Coach mit modernen Ideen", lobte Eto'o den 46 Jahre alten Fußballlehrer, der Olympique Lyon zu drei französischen Meistertiteln in Folge führte, ehe seine Karriere bei den Glasgow Rangers und Paris St. Germain stagnierte.

Umschwung mit 4-3-3-System

In Kamerun fand Le Guen zurück in die Erfolgsspur.

Er hat das Umfeld professionalisiert, die bisweilen allzu partywütigen "unzähmbaren Löwen" gebändigt und dabei auch unpopuläre Maßnahmen nicht gescheut.

Er setzte den Ex-Kölner Rigobert Song, mit 134 Einsätzen Kameruns Rekordnationalspieler, als Kapitän ab und gab die Binde an Eto'o weiter. Außerdem führte er das 4-3-3-System ein und holte Stürmer Pierre Achille Webo zurück.

"Dieser Umschwung war sehr wichtig", sagte Webo selbst, "ihm ist es gelungen, Spielern, die zuvor keinen großen Einfluss hatten, wichtige Rollen zu übertragen."

"Der Schlüssel ist das Talent der Spieler"

Wichtigste Stützen sind nun neben Eto'o und Webo Torhüter Carlos Kameni, in der Abwehr Stephane Mbia, Sebastian Bassong und Benoit Assou-Ekotto, Jean II Makoun und Alex Song im Mittelfeld sowie der Stürmer Achille Emana, die allesamt in den europäischen Top-Ligen England, Spanien oder Frankreich spielen.

"Der Schlüssel ist das Talent der Spieler. Ich habe ja nicht allzu viel am Personal geändert, wohl aber teaminterne Abläufe. Ich will, dass die Jungs mit Herzblut spielen und unter Top-Bedingungen arbeiten können", sagt Le Guen.

Dämpfer beim Afrika-Cup

Doch mit dem Viertelfinal-Aus beim Afrika-Cup im Frühjahr musste er einen ersten Dämpfer hinnehmen.

Auch bei Weltmeisterschaften ist Kamerun seit dem Einzug ins Viertelfinale 1990 in Italien nichts mehr gelungen. Dreimal kam das Aus schon in der Vorrunde - wie 2002, als es ein 0:2 gegen Deutschland gab.

Eto'o hofft auf Überraschung

Eto'o hofft dennoch, dass Kamerun 2010 in die Fußstapfen der legendären Mannschaft um Roger Milla tritt, die vor 20 Jahren als erstes afrikanisches Team in die Runde der letzten Acht kam:

"Ich bin sehr optimistisch, dass wir für eine Überraschung sorgen" - wie 2000, als Eto'o, Wome und Co. Olympiasieger wurden.

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