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Die Spanier gewannen 2008 den EM-Titel nach einem Finalsieg gegen Deutschland © getty

Am 11. Juni startet die WM in Südafrika. In Teil 7 des WM-Checks nimmt SPORT1 die Gruppe H unter die Lupe.

Von Christian Stüwe und Martin Volkmar

München - 32 Teams werden ab dem 11. Juni in Südafrika den neuen Weltmeister ermitteln. 182382(DIASHOW: 32 Teams - 32 Stars)

Die Vorrunde wird in acht Vierergruppen ausgespielt, SPORT1 stellt die einzelnen Gruppen vor. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Im siebten Teil wird die Gruppe H mit Spanien, der Schweiz, Honduras und Chile analysiert, bevor dann in der nächsten Woche unmittelbar vor dem Anstoß des Turnieres die deutsche Gruppe D dran ist.

Gruppe H

Spanien

Größte Erfolge: Spanien war zwölf Mal dabei, 1950 wurde das Team Vierter. Danach kamen die Iberer nicht mehr über das Viertelfinale hinaus.

Weltranglistenplatz: 2 (Stand: 26. Mai 2010)

Trainer: Vincente Del Bosque

Star: Fernando Torres erzielte im EM-Finale gegen Deutschland 2008 das entscheidende Tor. Der Stürmer vom FC Liverpool fällt nicht nur durch seine Torgefährlichkeit auf, sondern hat auch abseits des Fußballplatzes Star-Qualitäten. "El Nino" macht auf Roten Teppichen genauso eine gute Figur wie in zahlreichen Werbespots.

Situation: Vor zwei Jahren, bei der Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz, legte das spanische Team eindrucksvoll den Ruf ab, bei Turnieren trotz großer Ambitionen regelmäßig zu versagen.

Nun will sich die Elf von Vincente Del Bosque in Südafrika endgültig unsterblich machen und zum ersten Mal die Weltmeisterschaft nach Spanien holen.

"Ich bin Champions-League-Sieger, habe den Weltpokal geholt und wurde Europameister. Aber der WM-Titel ist das Größte, den will ich haben", sagt Real Madrids Torwart Iker Casillas.

Und die Chancen stehen nicht schlecht. Die Spanier verfügen über einen eingespielten Kader, der keine offensichtlichen Schwächen aufweist. Für jede Position hat Del Bosque mehrere Topspieler zur Verfügung, selbst Ausfälle dürften die Spanier daher kaum bremsen. (SERVICE: Die Kader der WM-Teilnehmer)

Schön anzusehen ist das Spiel der Spanier auch noch. Die "furia roja", die "rote Furie", begeistert mit herrlichem Kombinationsfußball, im spanischen "Tiki-Taka" genannt. "Spanien stellt derzeit die beste Mannschaft der Welt", glaubt Bundestrainer Joachim Löw.

Kaum jemand dürfte ihm widersprechen. Der Titel wird über die Spanier vergeben.

Schweiz

Größte Erfolge: Die Schweiz nimmt zum neunten Mal an einer WM teil. Dreimal kam die "Nati" ins Viertelfinale. Das letzte Mal allerdings bei der Heim-WM 1954.

Weltranglistenplatz: 24 (Stand: 26. Mai 2010)

Trainer: Der frühere Bayern- und Dortmund-Trainer Ottmar Hitzfeld ist zum ersten Mal bei einer WM dabei.

Star: Der Ex-Dortmunder Alex Frei ist der Kopf des Teams und zudem Rekord-Torschütze seines Landes.

Situation: Bei der Europameisterschaft im eigenen Land vor zwei Jahren war für die Schweiz bereits in der Vorrunde Schluss. In Südafrika soll das anders werden.

Hitzfeld will mit den Eidgenossen das Turnier aufmischen. "Wir haben alles, um zum Favoritenschreck zu werden. An einem guten Tag können wir jeden Gegner schlagen", kündigt Hitzfeld an.

Diese Fähigkeiten soll gleich im ersten Spiel der große Favorit zu spüren bekommen. "Wir werden gegen Spanien nicht verlieren", glaubt Hitzfeld.

Es ist genau dieses Selbstbewusstsein, das der 61-jährige Erfolgscoach seinen Spielern vermitteln will. Hitzfeld will der "Nati" ein Stück weit deutsche Tugenden einpflanzen.

"Nicht unbedingt gut spielen, aber trotzdem gewinnen. An dieser Winner-Mentalität arbeiten wir", verrät Hitzfeld.

Die Ansprüche an das Team in der Schweiz sind gestiegen. Die Mannschaft qualifizierte sich vor Griechenland für die WM, nun soll unter Hitzfeld ein erfolgreiches Turnier gespielt werden.

Alles andere als das Überstehen der Gruppenphase wäre eine große Enttäuschung für die Eidgenossen.

Honduras

Größte Erfolge: Honduras war bisher nur 1982 bei einer WM-Endrunde vertreten. Gegen Spanien und Nordirland gab es jeweils ein 1:1, doch eine 0:1-Niederlage gegen Jugoslawien besiegelte das Aus.

Weltranglistenplatz: 38 (Stand: 26. Mai 2010)

Trainer: Reinaldo Rueda

Star: Der 30-jährige Stürmer David Suazo ist der Kopf des Teams. Der "Panther" sammelte Erfahrung in Europa in der Serie A, bei Inter Mailand und in Genua. In Portugal spielte er bei Benfica Lissabon.

Situation: Erst auf den allerletzten Drücker gelang Honduras die WM-Qualifikation in der Mittel- und Nordamerikagruppe. Die "Catrachos" besiegten El Salvador mit 1:0 und profitierten davon, dass Costa Rica in letzter Minute den Ausgleich gegen die USA kassierte.

"Wir sind überglücklich. Es ist einfach unglaublich. Das war ein hartes Stück Arbeit", sagte Carlos Pavon, der gegen El Salvador das entscheidende Tor erzielte.

In dem armen Land ist seitdem die WM das Thema Nummer eins. Traditionell trägt Honduras Team ein blaues "H" auf dem Trikot. Da die FIFA aber Symbole auf den Shirts verbietet, präsentierte der Verband FENAFUTH ein Jersey ohne "H", was für große Aufregung sorgte.

Sogar das Parlament des Landes beschäftigte sich mit der Problematik. Aller Euphorie zum Trotz dürfte es Honduras in der Gruppe H sehr schwer haben.

Chile

Größte Erfolge: Chile nimmt zum achten Mal an einer WM teil. 1962 landete das Team im eigenen Land auf Platz 3.

Weltranglistenplatz: 18 (Stand: 26. Mai 2010)

Trainer: Marcelo Bielsa

Star: Humberto Suazo von Real Saragossa ist der erfolgreichste Stürmer Chiles. In der Südamerika-Qualifikationsgruppe wurde er mit zehn Treffern Torschützenkönig.

Situation: Bei der Copa America 2007 wurde Chile von Brasilien noch im Viertelfinale mit 1:6 gedemütigt.

Doch dann übernahm Trainer Marco Bielsa und es ging steil bergauf für das Team aus der Andenrepublik. "El Loco", wie der Trainer aus Argentinien genannt wird, führte die Mannschaft auf Rang zwei der südamerikanischen Qualifikationsgruppe ? noch vor Argentinien und nur einen Punkt hinter Brasilien.

Chile wird einen der jüngsten Altersdurchschnitte im Turnier haben. Und bedingungslos offensiven Fußball spielen. "Mir ist es lieber, wenn mein Team angreift, anstatt zu verteidigen", sagt Trainer Bielsa.

Der Coach greift durchaus zu ungewöhnlichen Methoden. So bestritt das Team zuletzt innerhalb von 24 Stunden gleich zwei Testspiele - und besiegte Israel und Nordirland.

In der Südamerika-Qualifikation gewann Chile die meisten Spiele und stellte den zweitbesten Angriff. Zudem verfügen sie mit Suazo über einen Stürmer mit echten Knipserqualitäten.

All das macht die Südamerikaner zu einem Geheimfavoriten. Und der Trainer hat noch etwas gutzumachen. 2002 scheiterte er mit seinem Heimatland Argentinien in der Vorrunde.

"Ich sehe diese Weltmeisterschaft nicht als Möglichkeit an, mich für das, was mir 2002 widerfuhr, zu entschädigen", sagt Bielsa: "Kein Erfolg in der Zukunft wird dafür sorgen können, dass ich jenen Schmerz vergesse."

Aber ein erfolgreiches Abschneiden mit Chile könnte die Leiden sicherlich etwas lindern.

SPORT1-Prognose:

Spanien ist der große Favorit und wird die Gruppe H gewinnen. Die Schweiz und Chile kämpfen um Platz zwei, wobei aktuell die Südamerikaner die Nase vorn zu haben scheinen. Honduras bleibt nur der letzte Rang.

So schätzt der Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld bei SPORT1 die Lage ein.

"Für mich ist Spanien der große WM-Favorit. Sie sind in allen Mannschaftsteilen weltklasse besetzt und daher schätze ich sie stärker ein als Brasilien. Was unsere Chancen mit der Schweiz betrifft, bin ich sehr optimistisch, dass wir das Achtelfinale erreichen und dann würden wir auf einen namhaften Gegner wie Brasilien, die Elfenbeinküste oder Portugal treffen. Da haben wir dann nichts mehr zu verlieren."

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