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Nordkorea (hier ein Fan beim Test gegen Südafrika) nimmt zum zweiten Mal an einer WM teil © imago

Nordkorea ist der größte Exot bei der WM und sorgt täglich für Schlagzeilen. SPORT1 fasst die skurrilsten Geschichten zusammen.

Von Matthias Becker

München - An mangelndem Selbstvertrauen wird die Mission Weltmeisterschaft für Nordkorea jedenfalls nicht scheitern:

"Nordkorea wird die WM gewinnen", sagte Verbands-Vizepräsident Son Kwang-Ho dem englischen Fußball-Magazin "FourFourTwo" doch tatsächlich.

Und er erklärte auch gleich warum: "Dies wird uns dank der großartigen Unterstützung unseres geliebten Führers Kim Jong-Il gelingen."

Der "geliebte Führer" hält das vermutlich rückständigste Land der Welt seit der Machtübernahme von seinem Vater Kim Il-Sung 1994 im eisernen Griff.

Unabhängige Informationen über das Geschehen im Land dringen kaum nach außen, die Bevölkerung leidet unter Wirtschaftssanktionen und Hungersnot.

Geheimnisvoller Exot auf der Weltbühne

Trotzdem hat Kim Jong-Il noch genug Geld aufgetrieben, um die Nationalmannschaft des Landes bei der WM in Südafrika von eingekauften chinesischen Fans bejubeln zu lassen.

Das eigene Volk lässt er nur ungern aus dem Land.

Im vergangenen Sommer reiste das nordkoreanische Team zum Trainigslager nach Frankreich ? es war die erste Auslandsreise seit der WM 1966 in England, als Nordkorea sensationell Italien besiegte und erst im Viertelfinale nach 3:0-Führung noch Portugal unterlag (3:5).

Auch vor dem zweiten Auftritt auf der Weltbühne ist Nordkorea ein absolutes Geheimnis.

SPORT1 fasst die skurrilsten Geschichten rund um den größten Exoten der WM zusammen:

Die bezahlten Fans:

Kim Jong-Il will, dass die Nationalmannschaft in Südafrika vom Jubel der Fans zum Titel getragen wird. Das eigene Volk hat er einkaserniert - deshalb werden Applaus, Fahnenschwenken und La Ola in China eingekauft.

1000 Tickets für die nordkoreanischen WM-Spiele gegen Brasilien, die Elfenbeinküste und Portugal bringt das nationale Sportkomitee beim großen Nachbarn unters Volk.

Einzige Bedingung für die Karteninhaber: Sie müssen klatschen, jubeln und schreien. Alles für Nordkorea.

Die Fansöldner sind begeistert, die Karten gingen weg wie warme Semmeln.

"Wir werden für Nordkorea klatschen, schon allein deshalb, weil sie unsere Nachbarn sind. Sie sind nicht mal in der Lage, die eigenen Leute zu ernähren, aber sie arbeiten härter als chinesische Sportler", sagte Karteninhaber Wang Qi der "Washington Post".

Der Nominierungstrick:

Seinen beiden Torhütern vertraut Nationaltrainer Kim Jong-Hun offenbar uneingeschränkt. Da griff er bei der Nominierung des endgültigen Aufgebots von 23 Spielern zu einem Trick - dem die FIFA dann allerdings einen Riegel vorschob.

Die Nordkoreaner nominierten Angreifer Kim Myong-Won als dritten Schlussmann, um eine weitere Alternative bei den Feldspielern zu haben. Das Mannöver flog aber auf, die FIFA erklärte, der umfunktionierte Stürmer dürfe auch nur als Torwart eingesetzt werden.

Aber vielleicht lag dem ganzen auch nur das grenzenlose Selbstbewusstsein der Nordkoreaner zugrunde: Kim Myong-Won soll angeblich schon mal in einem Spiel drei Elfmeter gehalten haben.

Elfmeterschießen gibt es bei der WM erst ab der K.o.-Phase. Um die zu erreichen müsste sich Nordkorea in Gruppe G "nur" gegen Brasilien, Portugal und die Elfenbeinküste durchsetzen.

Der schwarze Kanal:

Wegen aktueller politischer Spannungen könnte das nordkoreanische Volk beim ersten WM-Auftritt ihres Teams seit 44 Jahren buchstäblich in die Röhre gucken.

Momentan sieht es nämlich so aus, als würden im Staatsfernsehen keine Live-Bilder von den Gruppenspielen der Nordkoreaner gezeigt werden, berichtet die "dpa".

Lange Zeit war im Gespräch, dass der südkoreanische TV-Sender "SBS" den Nachbarn mit Bildern aus Südafrika versorgt. Es kam sogar zu direkten Verhandlungen zwischen dem Sender und den nordkoreanischen Behörden.

Doch seit dem Untergang eines südkoreanischen Marineschiffes Ende März ist das Thema erstmal vom Tisch.

Südkorea vermutet schließlich, dass das Schiff von einem nordkoreanischen U-Boot versenkt wurde.

Für das gebeutelte nordkoreanische Volk gibt es jetzt nur noch die Hoffnung, dass sich das Staatsfernsehen unrechtmäßig Zugang zu den Satellitenbildern aus Südafrika verschafft, sonst werden mögliche Heldentaten das Heimatland als letztes erreichen.

Der verblüffte Ausrüster

Normalerweise tobt zwischen den Sportartikelherstellern ein harter Wettbewerb darum, wer welches WM-Team ausrüsten darf.

Bei der spanischen Firma "Astore" war die Überraschung allerdings groß, als Medien anfragten, wie denn der Vertrag mit Nordkorea zustande gekommen sei. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung".

"Ehrlich gesagt verstanden wir nix. Gar nix", erinnerte sich ein verblüffter Michel Gogniet, Marketing-Direktor der baskischen Firma.

Dabei ist die Lösung doch so einfach: Die Nordkoreaner hatten sich bei einem chinesischen Anbieter mit den Klamotten aus Spanien eingedeckt.

Die Landesfähnchen stickte man offensichtlich kurzerhand selbst auf Trikots und sonstige Ausrüstung.

Das einzige Problem: Den Recherchen der "SZ" zu Folge haben sich die Nordkoreaner nur einen Trikotsatz besorgt.

Ein Trikot-Tausch fällt für die Spieler damit flach. Viel eher dürfte nach dem Spiel die Diskussion beginnen, wer denn zum Waschdienst eingeteilt wird.

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