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Holger Badstuber spielt seit 2009 im Profi-Team des FC Bayern © getty

Wenige Tage vorm Auftaktspiel gegen Australien nimmt SPORT1 die Mannschaftsteile des DFB-Teams unter die Lupe. Teil 1: Die Abwehr.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Centurion ? Noch fünf Tage Vorbereitungszeit bleiben der deutschen Nationalmannschaft. Dann tritt in Durban gegen Australien der WM-Ernstfall ein.

"Ich bin froh, dass es jetzt endlich losgeht", bekennt Bundestrainer Joachim Löw. "Drei Wochen Vorbereitung waren gut, aber das war auch die Grenze."

Wie ist die deutsche Auswahl in den einzelnen Mannschaftsteilen aufgestellt?

SPORT1 macht den Teamcheck und beginnt mit der Abteilung Defensive:

Tor

"Deutschland hat nie ein Torhüterproblem." Diese Aussage, getätigt von Oliver Kahn, kann man getrost auch für diese WM so stehen lassen.

Zwar haben die drei deutschen WM-Keeper gemeinsam gerade erst die Erfahrung von zehn Länderspielen. In der Liga und im Europapokal sind sie aber bereits bewährt.

(Der WM-Spielplan)

Dass die Mannschaft mit Robert Enke und Rene Adler in den vergangenen Monaten zwei Mal die Nummer eins verlor, dürfte - rein sportlich betrachtet - nicht ins Gewicht fallen.

"Fühle mich reif"

"Ich bin bereit, in der Nationalmannschaft die Verantwortung zu übernehmen", behauptet Manuel Neuer, der neue Stammtorwart.

"Ich fühle mich reif für diese Aufgabe und verspüre keinen zusätzlichen Druck."

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Souveräne Auftritte in Ungarn (3:0) und gegen Bosnien-Herzegowina (3:1) widerlegten ihn nicht.

Sicher auf der Linie, verlässlich in der Strafraumbeherrschung und hervorragend im Passspiel und beim Einleiten von Kontern durch Abwürfe a la Toni Schumacher - Neuer wäre wohl ohnehin bis zur EM 2012 erster Mann gewesen.

Wiese und Butt haben sich arrangiert

Hinter dem 24-Jährigen haben sich Tim Wiese und Jörg Butt mit ihrer Reservistenrolle engagiert.

Dass der Bremer nach der Torwartentscheidung zum wiederholten Mal "fehlende Lobby" beklagt hatte, ist teamintern angeblich kein Thema.

"Dass er seine Enttäuschung zum Ausdruck gebracht hat, ist doch völlig normal", meinte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff.

Verteidigung

Prinzipiell steht die Hintermannschaft. Doch das Hintertürchen für eine kurzfristige Änderung hält sich Löw noch offen.

"Es sieht alles danach aus, dass Per Mertesacker und Arne Friedrich in der Innenverteidigung spielen", verriet der Bundestrainer der "Bild" ein offenes Geheimnis. "Beide harmonieren gut. Jetzt müssen sie in dieser Woche noch an der Feinabstimmung arbeiten."

Der Herthaner hat sich nach der persönlich allenfalls mäßigen Berliner Katastrophensaison den Platz links innen erstritten, auf dem er in der Liga nie gespielt hat.

Nicht ideal, aber gut

Dass er als Rechtsfuß dort nicht die Idealbesetzung ist, war von vorneherein klar. Doch sein robustes Zweikampfverhalten, Kopfballstärke und die Erfahrung von 72 Länderspielen schlagen für den 31-Jährigen positiv zu Buche.

Wird Mertesacker, dessen Antritt noch nie der beste war, einmal ausgespielt, kann Friedrich zudem mit seiner Schnelligkeit noch Brände löschen.

Beide dirigieren ihre Vorderleute von hinten lautstark, wobei Mertesacker der Wortführer ist. Der Bremer ist unumstritten, Stellungsspiel und Zweikampfführung gewöhnlich bärenstark.

Ungewohnte Flüchtigkeitsfehler

Er leistete sich in den beiden Vorbereitungsspielen allerdings einige Unkonzentriertheiten in Ballverarbeitung und Spielaufbau, die in Durban so nicht wieder auftreten dürfen.

Philipp Lahm hat inzwischen seine vorläufige sportliche Heimat auf der von ihm bevorzugten rechten Abwehrseite gefunden. Die Stärken des Kapitäns aufzuzählen, hieße Eulen nach Athen zu tragen.

(239581DIASHOW: Deutsche WM-Kapitäne)

Nach der langen Saison im Verein haben die DFB-Fitnesscoaches offenbar die Trainingseinheiten des Münchners genau richtig dosiert. Lahm wirkt immer noch frisch.

Badstuber oder Jansen?

Bleibt die linke Außenverteidigerposition, die in jüngerer Vergangenheit die größte Personalfluktuation erlebte.

"Holger Badstuber hat dort gegen die Bosnier souverän gespielt", urteilte Löw. "Aber wir müssen auch schauen, wie Australien spielt. Marcell Jansen ist ein offensiver Verteidiger und kann links viel Druck entwickeln."

Das kann Badstuber eher nicht. Der 21-Jährige konzentriert sich auf seine Abwehraufgaben, der Offensive liefert er durch präzises Passspiel nur zu.

Kopfballgegentore fast ausgeschlossen

Den in der Defensivarbeit verbesserten, aber noch ausbaufähigen Vordermann Lukas Podolski mit Badstuber abzusichern, ergibt daher primär dann Sinn, wenn der Gegner sein Heil im Spiel nach vorne sucht.

Mit dem Bayern-Youngster würden zudem drei von vier deutschen Verteidigern über enorme Stärke in der Luft verfügen, Kopfballgegentreffer wären fast auszuschließen.

(244723DIASHOW: Der deutsche WM-Kader)

Spielt der Gegner aber abwartend, braucht Podolski die Unterstützung eines Hintermanns, der mitmarschiert, um die gegnerische Abwehr über die Flügel zu knacken - die große Stärke Jansens, wenn er nach seinem Syndesmosebandriss komplett fit ist.

"Bundestrainer kann auf mich zählen"

"Es ist fast unglaublich, dass alles so hundertprozentig auf den Punkt geklappt hat. Darüber muss ich erstmal froh sein", sagt der Hamburger SPORT1.

"Ein Turnier entwickelt ja eine Eigendynamik. Da muss man schauen, wie die ersten Spiele laufen. Wenn ich dann gebraucht werde, kann der Bundestrainer auf mich zählen."

Beimersten Training im Super Stadium von Atteridgeville stand Jansen im B-Team. Anders als in Südtirol, wo er nur im Mittelfeld agierte, ließ ihn Löw nun aber auf der Linksverteidigerposition spielen.

Aogo und Boateng als Springer

Aus dem Rennen um den Posten in der Startelf ist Dennis Aogo. Er musste beim Trainingsspiel in der B-Innenverteidigung neben Serdar Tasci aushelfen.

Der Hamburger entwickelt sich in Löws Augen offenbar immer mehr zur vielseitigen Notfallalternative für alle defensiv ausgerichteten Positionen auf der linken Spielfeldhälfte. Diesen Status hat Jerome Boateng für die rechte Seite schon länger inne.

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