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Per Mertesacker (l.) und Arne Friedrich haben insgesamt 134 Länderspiele absolviert © getty

Mertesacker und Friedrich bilden erstmals bei einer WM die Innenverteidigung. Der Noch-Berliner sieht sich nicht als Nothelfer.

Aus Südafrika berichtet Martin van de Flierdt

Centurion - Sie haben sich nicht gesucht und trotzdem gefunden.

"Per ist vom Charakter eigentlich so wie ich", sagt Arne Friedrich über seinen Partner in der deutschen Innenverteidigung.

"Wir sind zurzeit auf einer kommunikativen Wellenlänge", erklärt Per Mertesacker, wenn er über Friedrich spricht.

Dass der Bremer zum WM-Auftakt in Durban gegen Australien in der deutschen Startelf stehen würde, war schon seit langem abzusehen.

Plötzlich auf dem Platz

Friedrich hingegen zählt seit seinem Debüt im August 2002 zu der Sorte Nationalspieler, bei denen sich die Öffentlichkeit zunächst fragt, warum sie bei großen Turnieren überhaupt im Kader stehen.

Und dann singen sie plötzlich auf dem Rasen die Hymne mit.

(Der WM-Spielplan)

"Ich habe mich im Laufe der Jahre daran gewöhnt, dass ich im Vorfeld nicht zu denjenigen gehöre, die als Stammspieler gehandelt werden", sagt der 31-Jährige vor seinem vierten Turnier.

"Ich bin auch mit relativ geringen Erwartungen hierhergefahren. Jeder weiß, dass ich eine schwere Saison hinter mir habe. Ich bin davon ausgegangen, dass meine Chancen zu spielen, nicht so groß sind."

Kein Typus Lahm mehr

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Zumal er sich nicht mehr als Rechtsverteidiger sieht, als welcher er den Großteil seiner 72 Länderspiele bestritten hat.

"Ich bin kein Spieler mehr, der wie Philipp Lahm 90 Minuten lang die Linie hoch- und runterläuft", meint er. "Ich fühle mich in der Innenverteidigung wohler."

Auf seiner bevorzugten Position rechts im Abwehrzentrum ist jedoch Mertesacker unangefochten. Also nahm Friedrich zunächst gegen Serdar Tasci und Heiko Westermann den Kampf um den freien Platz neben ihm auf.

Umstellung kein Problem

"Ich habe anfangs gedacht, dass es einen Unterschied macht, wenn man links innen spielt. In der Spieleröffnung ist es ein bisschen ungewohnt", räumt Rechtsfuß Friedrich ein. "Aber daran gewöhnt man sich sehr schnell."

Da Tasci in der Vorbereitung nicht überzeugte, Westermann verletzt ausfällt und Holger Badstuber primär für die linke Außenbahn eingeplant ist, darf Friedrich nun gegen Australien ran.

(244723DIASHOW: Der deutsche WM-Kader)

"Ich habe mich hier gezeigt und bin auch mental gut drauf", hält er seine "Beförderung" für gerechtfertigt. Er betrachtet sich auch nicht als den "Junior Partner" Mertesackers.

"Per nicht mein Chef"

"Ich glaube nicht, dass Per mein Chef ist. Beide Innenverteidiger haben eine große Verantwortung im Bereich Organisation", erläutert der Herthaner, dessen Berater weiterhin einen möglichen Wechsel vorantreibt.

"Ich habe das gleiche Mitspracherecht auf dem Platz wie Per. Davon mache ich auch Gebrauch. Was Per nicht sieht, sehe ich vielleicht, und umgekehrt."

Sein Partner ist der gleichen Ansicht.

"Es ist doch wichtig, dass beide den Ton angeben. Ich kann doch nicht einfach sagen, ich bin der Ton- oder Taktgeber", sagt der 25-Jährige. "Das kommt doch auch immer darauf an, von welcher Seite der Angriff kommt."

Geballte Länderspielerfahrung

Der Niedersachse und der Ostwestfale, die mit gemeinsam 134 Länderspielen im deutschen WM-Kader seltene geballte Erfahrung verkörpern, sind also gleichberechtigt.

"Wichtig ist nur, dass man weiß, was Sache ist, wenn der andere etwas sagt", betont Mertesacker.

Ob der andere nur den Namen ruft oder einen Zusatz gibt, dass ein Gegenspieler im Rücken davonläuft ? es sei "immer wichtig wie das rüberkommt."

"In den beiden Testspielen habe ich gute Erfahrungen mit Arnes Ankündigungen gemacht", sagt Mertesacker. "Ich glaube, er auch mit meinen."

Eine harmonische Kommunikation eben ? wie so häufig bei Partnern, die sich gerade erst gefunden haben.

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