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Die deutsche Nationalmannschaft gewann zuletzt 1990 in Italien eine WM © imago

In Teil 8 des WM-Checks nimmt SPORT1 die deutsche Gruppe D unter die Lupe. "Es wird nicht so einfach", so Trochowski zu SPORT1.

Von Christian Stüwe und Martin van de Flierdt

München - Bald ist das lange Warten vorbei, die Weltmeisterschaft in Südafrika startet am Freitag mit dem Spiel des Gastgebers gegen Mexiko.

32 Teams werden im südlichsten Land Afrikas den neuen Weltmeister zu ermitteln. 182382(DIASHOW: 32 Teams ? 32 Stars)

Die Vorrunde wird in acht Vierergruppen ausgespielt, SPORT1 stellte in den letzten Wochen die einzelnen Gruppen vor. (DATENCENTER: Der WM-Spielplan)

Im achten und abschließenden Teil ist nun die deutsche Gruppe D mit den Gegnern Australien, Serbien und Ghana dran.

Deutschland

Weltranglistenplatz: 6 (Stand: 26. Mai 2010)

Größte Erfolge: Das deutsche Team war seit 1954 immer dabei und schaffte jeweils mindestens das Viertelfinale. Gekrönt wird diese beeindruckende Serie durch drei Titel: 1954, 1974, 1990.

Trainer: Joachim Löw

Star: Nach Michael Ballacks Ausfall ist es schwer, einen herausragenden Star im Team zu benennen. Die größte Verantwortung dürfte aber wohl auf den Schultern von Bastian Schweinsteiger liegen, der Ballacks Rolle als Kopf des deutschen Spiels übernehmen soll. (Der WM-Spielplan)

Situation: Die Vorbereitung der deutschen Nationalmannschaft auf das Turnier in Südafrika war geprägt von Pleiten, Pech und Pannen. Kaum hatte Löw Rene Adler zur neuen Nummer eins gemacht, musste der Leverkusener mit einem Rippenbruch passen.

Ballack erwischte es im Finale des FA-Cups, Christian Träsch und Heiko Westermann verletzten sich im Trainingslager des DFB-Teams. Simon Rolfes stand bereits im Vorfeld der WM nicht zur Verfügung. In der Öffentlichkeit setzte eine Debatte um eventuelle Nachnominierungen ein, zudem sorgten immer wieder angebliche Sicherheitsmängel im deutschen Team-Hotel für Schlagzeilen. Sogar über einen "WM-Fluch" wurde schon gesprochen und geschrieben.

Dazu kamen die Diskussionen um mögliche Comebacks von Kevin Kuranyi oder Torsten Frings. Keine einfachen Zeiten für den Bundestrainer.

Doch Löw ließ sich nicht beirren und trat den Flug nach Südafrika mit einer jungen und hungrigen Truppe an. Und zumindest die zweite Halbzeit des Testspiels gegen Bosnien machte Hoffnung. Die Mannschaft spielte stark auf, die Stimmung im Team scheint sowieso bestens zu sein.

"Die Jungen sind selbstbewusst und haben keine Angst", ist sich Löw sicher. An Stürmer Klose hält Löw offenbar weiter fest. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser im Turnierverlauf seine Form wiederfindet.

Und dass das DFB-Team von weiteren Pleiten und Pannen verschont bleibt.

Australien

Weltranglistenplatz: 20 (Stand: 26. Mai 2010)

Größte Erfolge: Die Mannschaft nimmt nach 1974 und 2006 zum dritten Mal an einer WM teil. Vor vier Jahren gelang der Achtelfinaleinzug, was der größte Erfolg der "Socceroos" ist

Trainer: Pim Verbeek

Star: Harry Kewell ist nach wie vor der prominenteste Fußball von "down under".

Situation: Bei der letzten WM überraschten die Australier. Die "Socceroos" spielten stark auf, erst in der Nachspielzeit des Achtelfinales mussten sich die Australier dem späteren Weltmeister Italien aufgrund eines sehr umstrittenen Elfmeters geschlagen geben.

Doch die Mannschaft ist nicht jünger geworden. Spieler wie Harry Kewell, Craig Moore oder Scott Chipperfield scheinen über ihren Zenit hinaus zu sein. Unterschätzen sollte man sie trotzdem nicht.

"Die Australier sind ein unangenehmer Gegner", sagt SPORT1-Experte Udo Lattek: "Sie haben eine sehr gute Defensive, sind sehr kampf- und zweikampfstark. Die spielen ein bisschen mehr Rugby als Fußball, aber das ist legitim, solange der Schiedsrichter das durchgehen lässt."

Die Probleme der Australier dürften vor allem in der Offensive liegen, die nicht sonderlich durchschlagskräftig erscheint. Mit Mark Bresciano von US Palermo verfügen sie aber über einen gefährlichen Standardschützen, der für den einen oder anderen Treffer gut sein könnte.

Doch auch die "Socceroos" plagen Verletzungssorgen. Mit Tim Cahill ist der wichtigste Spieler angeschlagen, sein Einsatz am Sonntag im Auftaktspiel gegen Deutschland fraglich.

Optimistisch sind die Australier trotzdem. "Normalerweise ist Deutschland Favorit. Aber wir wollen gegen sie drei Punkte holen", sagt Dario Vidosic vom 1. FC Nürnberg.

Serbien

Weltranglistenplatz: 15 (Stand: 26. Mai 2010)

Größte Erfolge: Serbien als unabhängiges Land ist ein WM-Debütant. Bei der letzten WM traten einige der Spieler noch für Serbien-Montenegro an.

Trainer: Radomir Antic

Star: Nemanja Vidic hält Serbiens Abwehr zusammen. Zuletzt kämpfte er mit gesundheitlichen Problemen, für das Spiel gegen Ghana dürfte er aber fit sein.

Situation: Das serbische Team qualifizierte sich in der Gruppe 7 vor Frankreich für die WM, was schon einiges über die Qualität der Mannschaft aussagt.

Das Team ist mit erfahrenen Legionären besetzt. Besonders die Abwehr der "weißen Adler" ist stark. Kopf der Vierekette ist Vidic von Manchester United, mit Branislav Ivanovic und dem jungen Dortmunder Neven Subotic stehen weitere starke Abwehrspieler zur Verfügung.

Im Sturm sorgt der 2,02 Meter große Nikola Zigic für die nötige Durchschlagskraft, mit Marko Pantelic steht ihm ein echter "Knipser" zur Seite. Allerdings versprühten die Serben in den letzten Tests wenig Torgefahr.

Einer blamablen 0:1-Niederlage gegen Neuseeland folgte ein 0:0 gegen Polen. Doch das Selbstbewusstsein der Serben hat durch die schlechten Testspiele nicht gelitten.

"Wir bauen unsere Form mit Blick auf den 13. Juni auf, und da sind wir absolut im Plan. Ich bin vollauf zufrieden", sagt Trainer Antic.

Und auch Zigic ist sich sicher, dass die "weißen Adler" eine gute Rolle spielen werden: "Wir möchten an die guten Auftritte in der Qualifikation anknüpfen und zeigen, dass wir es mit jeder Mannschaft der Welt aufnehmen können."

Keine Frage, alles andere als die Qualifikation für das Achtelfinale wäre für Serbien eine Enttäuschung.

Ghana

Weltranglistenplatz: 32 (Stand: 26. Mai 2010)

Trainer: Milovan Rajevac

Star: In Abwesenheit von Michael Essien wird Stephen Appiah die Rolle des Antreibers übernehmen. (die WM-Kader im Überblick)

Situation: Ghana fehlt bei der WM mit Michael Essien der wichtigste Mann. "Es fühlt sich an, als wäre uns das Herz rausgerissen worden", sagte Trainer Rajevac.

Die Ambitionen des Vize-Afrikameisters haben durch den Ausfall des Mittelfeldspieler vom FC Chelsea einen bösen Dämpfer erhalten. Die "Black Stars" kassierten in einem der letzten Tests gegen die Niederlande eine herbe 1:4-Niederlage.

Allerdings ist Ghana nicht so schwach, wie sie sich gegen die Niederlande präsentierten. Mit Spielern wir Kapitän Appiah, Kwadwo Asamoah von Udinese Calcio, Derek Boateng vom FC Getafe oder den Hoffenheimern Isaac Vorsah und Prince Tagoe verfügen sie über genügend Klasse, um weiterhin als bissiger Außenseiter zu gelten.

Dafür müssten die Westafrikaner den Ausfall Essiens aber auch in ihren Köpfen abhaken. Das scheint bisher nicht geschehen zu sein.

Brisant wird der Auftritt von Kevin-Prince Boateng, der gerade noch rechtzeitig in den Kader integriert wurde und beim 1:0-Sieg gegen Lettland ein starkes Debüt feierte.

Boateng, der mit einem bösen Tritt im FA-Cup-Finale Michael Ballacks WM-Aus besiegelte, dürfte vor allem im Gruppenspiel gegen Deutschland im Blickpunkt stehen.

Sportlich dürfte er aber allemal eine Bereicherung für die "Black Stars" sein.

SPORT1-Prognose: Aller Probleme zum Trotz bleibt das deutsche Team Favorit in der Gruppe D. Die Serben haben allerdings durchaus das Zeug dazu, das deutsche Team zu schlagen und ihnen auch den Gruppensieg streitig zu machen. Australien sichert sich Rang drei, Ghana schafft ohne Essien nur den vierten Platz. (GAMES: Das WM-Tippspiel)

Das sagt Piotr Trochowski zu SPORT1: "Ich finde die Gruppe jetzt nicht so einfach. Die Serben waren schon in der Quali sehr stark. Ghana ist nicht zu unterschätzen, sehr kampfstark und körperbetont. Die Topspieler spielen in Europas besten Ligen eine sehr gute Rolle. Die Australier kenne ich jetzt nicht so gut. Die Holländer waren letztens in einem Testspiel aber überrascht, wie stark sie waren. Wir müssen also schon an unsere Grenzen gehen um weiterzukommen."

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