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Paul Agostino bestritt von 1996 bis 2005 20 Länderspiele für Australien © getty

Paul Agostino sieht Deutschland im SPORT1-Interview als Favoriten in der Gruppe D. Sein Heimatland bereitet ihm Kopfzerbrechen.

Von Mathias Frohnapfel

München - Er kennt Deutschland aus dem Effeff.

Der Australier Paul Agostino stürmte fast zehn Jahre lang von 1997 bis 2007 für den TSV 1860 München.

Und auch seine Frau und seine beiden Kinder stammen aus Deutschland.

Eine Weltmeisterschaft blieb dem 20-fachen Nationalspieler verwehrt.

Nun fiebert er als Experte auf die Endrunde in Südafrika hin und drückt seinem Heimatland die Daumen.

"Gegen Deutschland stehen unsere Chancen nicht so gut", blickt der Ex-"Löwe" bei SPORT1 pessimistisch auf das Auftaktspiel der "Socceroos". (Der WM-Spielplan)

Im Interview mit SPORT1 traut Agostino Australien aber dennoch den zweiten Platz in der Gruppe D zu.

Die Defensive und das hohe Durchschnittalter des Teams bereiten ihm jedoch Sorgen.

SPORT1: Herr Agostino, wie schätzen Sie die Chancen der Australier gegen Deutschland ein?

Paul Agostino: Wir haben gegen die USA 1:3 verloren, Deutschland hat seinen letzten Test gegen Bosnien 3:1 gewonnen. Da stehen unsere Chancen natürlich nicht so gut. Deutschland ist klarer Favorit. Sie werden die Gruppe beherrschen und gewinnen.

SPORT1: Und wie sehen Sie Australiens Aussichten aufs Achtelfinale?

Agostino: Für Australien kommt es darauf an, ob Serbien als eine Einheit auftritt. Sie haben sehr starke Einzelspieler. Ghana ist unberechenbar, man weiß nicht so recht, was man von ihnen erwarten soll. Ich hoffe, dass Australien den zweiten Platz schafft.

SPORT1: Wie bewerten Sie die australische Abwehr?

Agostino: Gerade deswegen ist mir angst und bange. Früher waren sie hinten dicht, haben wenig zugelassen. Im letzten Spiel hat man aber gesehen, dass sie langsam und auch in der Rückwärtsbewegung nicht überzeugend waren. Mit schnellen Pässen in die Tiefe kann es für uns gefährlich werden.

SPORT1: Trainer Pim Verbeek gibt sich siegessicher. Woher nimmt er diese Zuversicht?

Agostino: Er ist wahrscheinlich so optimistisch, weil er Holländer ist.

SPORT1: Die Rivalität zwischen Deutschland und den Niederlanden ist ja bekannt...

Agostino: Natürlich ist Verbeek Trainer von Australien, doch bei ihm sickert auch das Derbygefühl durch. Er wird versuchen, jeden Trick aus der Kiste zu holen.

SPORT1: Glauben Sie, dass Deutschland die "Socceroos" unterschätzt?

Agostino: Nein. Italien oder ein anderes europäisches Land könnte Australien vielleicht auf die leichte Schulter nehmen. Aber Deutschland wird uns nicht unterschätzen, das macht es noch schwerer.

SPORT1: Die Australier gelten andererseits als große Kämpfer. Stimmt das?

Agostino: Ersatz-Torwart Brad Jones musste abreisen, weil sein Sohn Leukämie hat. Da rückt das Team natürlich noch näher zusammen. Sie werden rauskommen wie Pitbulls. Deutschland wird einiges investieren müssen, denn Australien ist hart im Nehmen.

SPORT1: Das Team ist relativ alt. Ist das ein Vor- oder Nachteil?

Agostino: Es ist wohl ein Nachteil, ich hätte mir schon einen etwas jüngeren Kader gewünscht. Vielleicht haben die Alternativen gefehlt. Australien setzt jetzt auf Erfahrung.

SPORT1: Werden Ihre Landsleute die Partie sehr defensiv angehen?

Agostino: Deutschland hat sechs Stürmer im Kader. Das ist aus meiner Sicht ein Signal, dass sie in Südafrika viel erreichen wollen. Australien wird sich sicher erstmal auf die Defensive konzentrieren. Wenn sie gleich offensiv agieren würden, könnte das schiefgehen.

SPORT1: Was sind die Stärken des Teams?

Agostino: Normalerweise waren die Australier immer gut darin, Druckphasen zu überstehen und dann blitzartige Konter zu fahren. Auch bei Standardsituationen waren sie früher gefährlich.

SPORT1: Wer ist der wichtigste Spieler für Australien?

Agostino: Tim Cahill ist der einzige wirkliche Spitzenspieler. Er ist Kapitän beim FC Everton und viele europäische Klubs hätten ihn gerne in ihren Reihen. Aber er allein kann kein Spiel gewinnen.

SPORT1: Welchen Stellenwert hat Keeper Mark Schwarzer, der ja auch in Deutschland gespielt hat?

Agostino: Schwarzer ist unmittelbar hinter Cahill anzusiedeln. Er hält seit Jahren konstant, auf ihn ist Verlass und er ist gut in Form.

SPORT1: Was trauen Sie dem DFB-Team zu?

Agostino: Das Halbfinale ist absolut möglich. Sie werden wieder eine super Turniermannschaft sein. Ich sehe zwar keinen Ausnahmespieler, aber ein starkes Team. Ich finde es toll, wie Bastian Schweinsteiger die Rolle von Michael Ballack übernimmt. 239581(DIASHOW: Deutsche WM-Kapitäne)

SPORT1: Sie haben lange für 1860 München gespielt. Haben Sie noch Kontakt nach Deutschland?

Agostino: Ich habe nach wie vor eine enge Bindung zu Deutschland. Meine Frau kommt aus Deutschland, meine beiden Kinder sind dort geboren. Als Spielerberater bin ich zudem auch ein bis zweimal im Jahr im Lande.

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